Biogasanlage wird von der Energiewirtschaft an- und abgeschaltet

Zu viel Ökostrom bedeutet immer häufiger zu wenig Wärme fürs Treibhaus

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Farbenfroh ist Frühjahr: Die Geranien und im Treibhaus der Gärtnerei Marschke wurden in den vergangenen Wochen weitgehend CO2-neutral beheizt. Die für die Pflanzenaufzucht benötigte Wärme liefert eine Biogasanlage am Ortsrand von Landau. In die Kamera lächeln die Inhaberin Sabrina und ihr Vater Ernst Marschke. 

In ihrer Gärtnerei haben Sabrina Marschke und ihr Vater Ernst 1800 Quadratmeter Blumen unter Glas. 1500 Quadratmeter davon werden beheizt, damit ihre Kunden spätestens nach den Eisheiligen Mitte Mai kräftige, blühende Pflanzen für ihre Terrassen und Blumenbänke haben.

Bad Arolsen-Landau. Die Wärme für die Gewächshäuser kommt zu einem großen Teil über eine private Nahwärmeleitung von der Landauer Biogasanlage. Dort ist der Wärme quasi ein Nebenprodukt der Stromproduktion. Auf diese Weise spart die Gärtnerei jedes Jahr bis zu 60.000 Liter Heizöl ein. Ein beachtlicher Beitrag zum Klimaschutz.

„In diesem Jahr hätten wir zum ersten Mal seit Jahren komplett CO2-neutrale Pflanzen produziert“, erzählt Ernst Marschke nicht ohne Stolz. Und er bedauert, hinzufügen zu müssen: „Beinah wäre uns das gelungen, wenn nicht die Biogasanlage mitten im Frost mehrfach abgeschaltet worden wäre.“

Schuld daran ist nicht etwa eine defekte Technik oder ein Fehler des Betreibers, sondern der gezielte Eingriff der Energiewirtschaft.

Zum Glück noch eine Ölheizung als Plan B

Die WLZ hat vor wenigen Wochen über die Überlastung des Hochspannungsnetzes in Nordwaldeck berichtet. Grund sind die gestiegenen Kapazitäten der neuen Wind- und Solarparks. Und wenn dann an einem windigen Sonnentag auch noch der Strom aus den Biogasanlagen hinzukommt, dann müssen einzelne Anlagen kurzfristig aus der übergeordneten Steuerzentrale abgeschaltet werden.

Leidtragende waren in Landau die Betreiber der Treibhäuser. Marschkes sind froh, rechtzeitig vorgesorgt und eine neue Ölheizung eingebaut zu haben. Jeweils rund 400 Liter Heizöl mussten an solchen Tagen und Nächten zum Heizen verfeuert werden.

Auch deshalb ist Ernst Marschke sauer über das unangekündigte Eingreifen der Energieversorger. Zu allem Ärger müssten die Verbraucher auch noch die Kosten für die Überproduktion tragen, so Marschke.

Immerhin: Der Neubau der Hochspannungsleitung zwischen Twiste und Paderborn ist geplant und genehmigt. Dann besteht auch berechtigte Hoffnung, dass die Landauer Blumen im kommenden Jahr komplett CO2-neutral aufgezogen werden können.

Nun hoffen die Landauer Gärtner, dass der Abverkauf ihrer bunt blühenden Geranien, Mini-Petunien ,Elfenspiegel, Vanilleblumen und australischen Gänseblümchen im Mai nicht durch weitere Verbote im Rahmen der Corona-Krise gefährdet wird. Der Tag der offenen Tür am letzten April-Wochenende muss jedenfalls ausfallen.

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