Unternehmerfamilie Müller baut in Twiste neue Produktions- und Lagerhalle für Lager- und Sortiersysteme

Die Zukunft gründet auf Betonpfählen

Twistetal-Twiste - Die Unternehmerfamilie Müller hat an der Bahnlinie in Twiste mit dem Bau einer großen Produktions- und Lagerhalle für Sortier- und Lagersysteme begonnen.

Von Armin Haß Twistetal-Twiste. „Wir wollen unser 100 eigene Artikel umfassendes Sortiment um größere Boxen erweitern und benötigen dazu sieben Tonnen schwere Werkzeuge“, berichtet Juniorchef Maik Müller, der zusammen mit Vater Herbert und Schwester das Unternehmen führt. Dafür wird nun eine 9,50 Meter hohe Halle mit jeweils 1000 Quadratmetern Produktions- und Lagerfläche unter Dach benötigt. Mithilfe eines hohen Kranes müssen die zur Produktion benötigten Werkzeuge in die um ein vielfaches größeren und schwereren Maschinen gehievt werden. Unsicherer Grund Die Halle entsteht zwischen dem Reitplatz und dem jetzigen Produktionsgebäude auf einem unsicheren Boden: In der Talaue der Twiste haben in grauer Vorzeit Wälder gestanden, von denen in mehreren Metern Tiefe moderige Schichten übriggeblieben sind. Auf einem derartigen Untergrund könnte das Gebäude in Schieflage geraten. Um das zu verhindern, müssen 6,50 Meter lange Pfosten in den Boden gerammt werden. Nicht weniger als 357 so genannte Rüttelstopfverdichtungen und 60 Rüttelstampfbetonpfähle sollen die Standfestigkeit des Bauwerkes sichern. Für den Kauf des Geländes von der Gemeinde hat sich das Unternehmen trotz der bekannten Probleme mit dem Untergrund entschlossen. Verhandlungen mit Thyssen-Krupp über den Erwerb des früheren ZVT-Gebäudes im Bad Arolser Gewerbegebiet Mengeringhäuser Feld hatten sich derart in die Länge gezogen, dass sich Herbert Müller für den Neubau neben dem bestehenden Firmengebäude entschied. Neben der Halle soll ein 3000 Quadratmeter großes Lager unter freiem Himmel entstehen. Von Twiste aus werden an Großkunden und Handwerksbetriebe sowie Heimwerker flexibel unterteilbare Boxen in verschiedenen Größen aus Polypropylen sowie darüber hinaus Schrauben mit Kunststoffköpfen oder Teile für die Autoindustrie hergestellt. Das neun weitere Mitarbeiter zählende Unternehmen verfügt über eine Werkzeugmacherei. Größere Formen werden zugekauft. Automatischer Betrieb Die großen Maschinen können zur Hälfte automatisch gefahren werden. Sie laufen in zwei bis drei Schichten. Produktion und Lagerlogistik sind räumlich mittlerweile an die Grenzen gestoßen. Um noch größere Kisten herstellen zu können, reicht der vorhandene Raum nicht mehr aus, und eine rasche Entscheidung wurde fällig, um den Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden. Einen wichtigen Teil des Vertriebs stellt die Webseite ab-in-die-BOX.de dar, mit deren Hilfe die Kunden ihre Ware aussuchen und bestellen können. Der Web-Shop wird derzeit überarbeitet. Zudem gibt es einen Werksverkauf, der seinen Teil zum Umsatz beiträgt. Ein echter Verkaufsschlager könnten Becher aus Baumsaft werden, der bei der Papierherstellung abfällt. Damit werden bereits in anderen Unternehmen stabile Becher für große Veranstaltungen hergestellt, die die Spülmaschine überstehen, aber im Kompost innerhalb von vier Wochen zerfallen. Ein Kunde der Familie Müller ist eingeladen worden, solche Becher bei einem großen Rockfestival zu erproben. Sollten die Veranstalter von dem umweltfreundlichen Produkt überzeugt sein, so könnte das Twister Unternehmen auch davon profitieren. „Doch das ist noch Zukunftsmusik“, bremst Herbert Müller übereilige Schlussfolgerungen. Schrittweise hat Müller das 1974 mit seinem Schwager gegründete Unternehmen entwickelt, das seit 1982 in einem ehemaligen Landmaschinenhandel besteht. Verärgert ist Herbert Müller über die hohen und schwer nachvollziehbaren Auflagen für die neue Halle: Weil in der Twiste unter Naturschutz stehende Groppen leben sollen, muss die Dachentwässerung aufwendig über ein Verdunstungsbecken gesteuert werden, damit die Fische nicht durch Temperaturschwankungen oder höherer Fließgeschwindigkeiten aus der Twiste vertrieben werden. Außerdem musste ein 2000 Quadratmeter großer Uferbereich als Lebensraum für bestimmte Amphibienarten erworben werden, der nicht betreten werden darf. Zudem wurde bisher ergebnislos mit der Bahn über eine neue Telefonleitung verhandelt. Der an der Bahnstrecke stehende Telefonmast der Telekom muss abgebaut werden. Die mit dem Telefon-Dienstleister Arcor verbundene Bahn jedoch sperrt sich, so Müller.Dennoch ist der Architekt Wilhelm Wilke zuversichtlich, dass die neue Halle im November in Betrieb genommen werden kann.

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