Erinnerung an Pogrome

Appelle in Arolsen und Mengeringhausen: Eintreten gegen Antisemitismus

Schüler und Lehrer der Karl-Preising-Schule gestalteten die Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof Bad Arolsen zur Erinnerung an die Pogromnacht 1938.
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Schüler und Lehrer der Karl-Preising-Schule gestalteten die Gedenkfeier auf dem jüdischen Friedhof Bad Arolsen zur Erinnerung an die Pogromnacht 1938.

Der Pogromnacht gegen jüdische Bürger vor 82 Jahren in Deutschland wurde bei Veranstaltungen in Volkmarsen, Mengeringhausen und in Bad Arolsen gedacht. Dabei wurde vor zunehmenden Antisemitismus gewarnt.

Bad Arolsen/Volkmarsen – In Bad Arolsen sei es Zeit, an die Zwangsarbeiter des mit 100 Häftlingen belegten Außenlagers Arthur des KZ Buchenwald zu erinnern, dort wo heute ein Einkaufszentrum am Belgischen Platz besteht, wie Bürgermeister Jürgen van der Horst gestern auf dem jüdischen Friedhof Arolsen erklärte.

Spuren des KZ-Außenlagers

Das sei eine Aufgabe der neuen städtischen Kommission zur NS-Geschichte. Und dieses Gedenken sei man den Opfern des NS-Regimes schuldig, sagte er in der von Schülern der Karl-Preising-Schule gestalteten Gedenkveranstaltung.

„Wer sieht, der kann die Spuren dieser Geschichte auch in Arolsen sehen. Diese führen in das Historicum 20 im ehemaligen Stabsgebäude und, viel wichtiger, zu den Arolsen Archives mit ihren 30 Millionen Dokumenten über die Opfer des Nationalsozialismus.“

Verpflichtung zu gedenken

Die Nazis hätten in Arolsen bereits am 8. November 1938 gegen Juden Gewalt ausübt, um die Reaktionen der Bevölkerung zu testen. Mit unverhohlener Zustimmung, bestenfalls mit Wegschauen sei reagiert worden. Es hätte allerdings auch in der Atmosphäre von Gewalt und Angst Mut dazu gehört, sich offen dagegen aufzulehnen.

Das Attentat gegen die Synagoge vor einem Jahr in Halle zeige deutlich, dass Antisemitismus wieder um sich greife, die Gesellschaft müsse sich dagegen erheben.

Deportiert und umgebracht

Pfarrer Uwe Jahnke und zwei Konfirmandinnen gestalteten am Sonntag das Gedenken auf dem jüdischen Friedhof in Mengeringhausen, zu dem die evangelische Gemeinde und der Ortsbeirat einluden.

Pfarrer Uwe Jahnke und zwei Konfirmandinnen gestalteten die Gedenkveranstaltung zur Pogromnacht 1938 auf dem jüdischen Friedhof in Mengeringhausen.

Uwe Jahnke erinnerte an das Schicksal der Familie Schwerin, die ein Geschäft mitten in Mengeringhausen betrieb, sich für Arme und sozial Benachteiligte einsetzte, im Deutschen Roten Kreuz, beim Freischießen der Schützengesellschaft und im Kriegerverein aktiv war.

Angriffe vor der Pogromnacht am 9. November

Und dennoch wurde die Familie am Abend des 8. November 1938, also einen Tag vor den Pogromen im übrigen Deutschen Reich, bedroht, wurde das Geschäft beschmiert.

Im Ghetto Litzmannstadt (Lodz) verliere sich die Spur der Familie, deren Mitglieder wie weitere auf dem 2019 auf dem Friedhof aufgestellten Gedenkstein erwähnten Juden deportiert und ermordet wurden.

Jüdische Elemente in anderen Kulturen

Auch die evangelische Gemeinde habe damals Schuld auf sich geladen. Nur wenige hätten sich von den Angriffen auf Juden distanziert oder sie verurteilt. Die Menschen heute müssten sich dafür einsetzen, dass sich so etwas nicht wiederhole.

Jüdische Menschen suchten Frieden und hätten viel in andere Kulturen eingebracht, geliehen vom Volk Israel seien die Psalmen. Doch heutzutage würden wieder Juden Ziele von antisemitischen Verschwörungsfantasien. (Von Armin Haß)

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