Sicherheitskonzepte erfordern Investitionen

Nordwaldeck rüstet für mehr Sicherheit bei Volksfesten

Strengere Sicherheitsvorkehrungen sind für Großveranstaltungen, wie den Viehmarktsfestzug in Bad Arolsen (Bild von 2019) gefordert.
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Strengere Sicherheitsvorkehrungen sind für Großveranstaltungen, wie den Viehmarktsfestzug in Bad Arolsen (Bild von 2019) gefordert.

Ein gemeinsames Sicherheitskonzept für öffentliche Veranstaltungen haben die nordwaldeckischen Kommunen und die Gemeinde Breuna Magistrats- und Gemeindevorstandsmitgliedern vorgestellt. Eine Investition von 400 000 Euro für mobile Fahrzeug-Sperren ist geplant.

Bad Arolsen – Ein knappes halbes Jahr nach der Amokfahrt beim Rosenmontagsumzug in Volkmarsen mit 154 Verletzten legen die fünf Gemeinden und Städte bei der Absicherung von Festzügen und anderen großen Veranstaltungen in kommunaler oder Vereinsregie nach.

Unter dem Eindruck der Ereignisse in Volkmarsen setzen die Bürgermeister auf neuartige Straßensperren, die auch schwere Laster sofort stoppen, indem Metallteile sich beim Auffahren in das Führerhaus bohren und das Fahrzeug stoppen sollen.

Die bisher eingesetzten Betonklötze können, so haben Versuche der Dekra gezeigt, noch über mindestens 20 Meter fortgeschleift werden. Sie müssen zudem mit erheblichem Aufwand an Zufahrtsstraßen platziert werden, die neuartigen Schutzeinrichtungen sind dagegen einfacher aufzustellen.

Die Polizei fordere inzwischen den Einsatz von geeigneten Sperren, Betonklötze oder das Querstellen von Autos reichten nicht, unterstrich Bürgermeister Elmar Schröder aus Diemelstadt, der im Frühjahr intensiver mit dem Thema .

Die Beschaffung der Sperrelemente wollen die fünf Kommunen gemeinsam finanzieren und setzen dabei auf Fördermittel des Landes Hessen. Die Sperren werden in Bad Arolsen stationiert, wo die meisten Großveranstaltungen stattfinden.

Die Sperren sollen nach festen Plänen reihum bei Kirmessen, Schützenfesten oder Märkten eingesetzt werden. Das setzt genaue Absprachen nicht nur zwischen den Kommunen , sondern auch mit den Vereinen voraus.

Aber auch inhaltlich werden die Vereine stärker gefordert werden, wie der Diemelstädter Bürgermeister Elmar Schröder in einer Vorstellungsrunde im Rathaus Bad Arolsen deutlich machte: „Die Vereine unterschätzen das Problem häufig.“

Bei Veranstaltungen im öffentlichen Raum seien nicht die Gemeindevorstände, sondern die Bürgermeister persönlich haftbar. Daher werden von den Vereinen Konzepte unter anderem zur Sicherung von Festzugwegen, für klare Kommunikationsstrukturen und die Einsatzbereitschaft von Rettungsdiensten gefordert.

„Wir unterschreiben nur, wenn solche verbindlichen Konzepte vorliegen“, betont Schröder. Das bedeutet: Ohne ein Konzept, das gegebenenfals auch den Einsatz von Sperren vorsieht, kein Fest.

Die Kommunen werden ein standardisiertes Sicherheitskonzept für die Vereine als Blaupausen erarbeiten, die sich nach Größe und Besucherzahlen orientieren, wie Bürgermeister Jürgen van der Horst dazu erklärte.

Die Vereine seien „hungrig“ auf Konzepte für mehr Sicherheit, sagte Bürgermeister Hartmut Linnekugel. Die Kosten für die technische Ausrüstung könnten diese nicht aufbringen, wohl aber die „Manpower“ bereitstellen, sagte der Rathauschef.

Bürgermeister Schröder betonte, dass für die Großveranstaltungen in Nordwaldeck bereits umfangreiche Sicherheitskonzepte in Absprache mit den Sicherheitsbehörden aufgestellt worden seien, so auch für den Kram- und Viehmarkt in Bad Arolsen oder das Drachenfest in Rhoden.

Für die Vereine biete sich der in Abstimmung mit Polizeipräsidium, Innenministerium und Regierungspräsidium geschriebene Leitfaden als Muster an.

400 000 Euro werden für die geplanten mobilen Sperren veranschlagt: Delegationen der fünf Städte und Gemeinden haben sich die so genannte Herner Truck-Sperre angesehen, die mit 44 Kilo leichter zu bewegen ist.

Interessant ist auch zur Ergänzung das aus der Schweiz stammenden System Armis One mit Metallplatten und Barrieren, die sich für das Freimachen der Rettungswege leicht umlegen lassen.

Treibende Kraft ist der Diemelstädter Bürgermeister Elmar Schröder , der kurz nach der Amokfahrt in Volkmarsen Informationen zur Verbesserung der Sicherheitsvorkehrungen bei Großveranstaltungen und technische Hilfsmittel einholte.

100 000 Euro werden als Zuschuss vom Land erwartet, die übrigen Kosten werden nach den Einwohnerzahlen gestaffelt von Bad Arolsen, Volkmarsen, Diemelstadt , Twistetal und Breuna getragen. Am Dienstag haben sich die Magistrate und Gemeindevorstände die Pläne gemeinsam in Volkmarsen angehört.

Erst nach Beschlüssen der Gemeindevertreter und Stadtverordneten und einer entsprechenden Ausschreibung können die Sperren angeschafft werden. „Es eilt“, sagt Bürgermeister Jürgen van der Horst.

Für 20221/22 stehe, so die Corona-Pandemie es zulässt, eine Reihe von größeren Veranstaltungen an, für die Sicherheitskonzepte und die Sperranlagen nötig seien.

Allein für die Absicherung des Viehmarktsfestzugs in Bad Arolsen seien nach Auskunft von Wilhelm Müller (Touristik-Service) 40 Sperren erforderlich. Die mobilen Systeme seien viel flexibler, die gemeinsame Beschaffung und Nutzung deutlich wirtschaftlicher, schilderte der Twistetaler Bürgermeister Stefan Dittmann die Vorteile.

Auch nach Auffassung des Bürgermeisters der Gemeinde Breuna, Jens Wiegand, ist das Beschaffungsprogramm sinnvoll. Schließlich würden in allen Ortsteilen Kirmesse mit Festzügen stattfinden. (Von Armin Haß)

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