Handgriffe aus Erste-Hilfe-Lehrgang helfen beim Helfen

Zwei Arolser erleben Erdbeben in Mexiko: Plötzlich mitten im Chaos

Die beiden Arolser Alexander Krey (rechts) und Immanuel Brand berichten aus dem Erdbebengebiet in Mexiko. Fotos: pr

Bad Arolsen/Mexiko. Die beiden Bad Arolser CRS-Absolventen Immanuel Brand und Alexander Krey leben und arbeiten seit einigen Jahren in Mexiko. Sie haben die jüngsten Erdbeben haut nah miterlebt und berichten aus Puebla.

Immanuel Brand hat das Erdbeben am Nachmittag des 19. September in Puebla zu spüren bekommen. Er war etwa 100 Kilometer vom Epizentrum in der der mexikanischen 20 Millionen-Metropole Mexiko-Stadt entfernt.

Er schreibt: „Zu dem Zeitpunkt befand ich mich beim Mittagessen in einem kleinen Restaurant im Stadtzentrum von Puebla. Da dies nicht mein erstes Beben in Mexiko war (es bebt nahezu ständig, aber mit sehr geringer Intensität), kannte ich gut das Katastrophenprotokoll der Behörden und begab mich mit anderen Menschen auf die Straße. Wir sahen wie die mächtige Kathedrale schwankte und wie Fassadenteile von den Häusern auf die Gehsteige fielen.“

Die Menschen verhielten sich ruhig, berichtet Brand weiter. Jedes Kind kenne hier das Verhaltensprotokoll bei Erdbeben seit dem 19. September 1985. An jenem Tag forderte das verheerendste Beben der Landesgeschichte über 10.000 Todesopfer und legte die halbe Hauptstadt in Schutt und Asche.

Das Beben, am 32. Jahrestag jenes Ereignisses, war mit einer Intensität von 7.1 auf der Richter-Skala nicht ungefährlicher. Als sich die Erde beruhigte, trafen im Zentrum von Puebla die ersten Behördenfahrzeuge von Polizei, Zivilschutz und Krankenwagen ein, um Verletzte zu behandeln und für Ordnung zu sorgen, schildert der Arolser. Vor allem Panik- und Angstattacken, aber auch Brüche und Schnittwunden seien zu behandeln gewesen. Der Zentralplatz Zócalo verwandelte sich schnell in ein Aufnahme- und Operationszentrum für Verletzte, Behörden und Ersthelfer.

Brand berichtet weiter: „Da ich, wie andere Anwohner auch, unser Haus vorerst nicht betreten konnte, beteiligte ich mich an den Hilfsmaßnahmen. Meine Aufgaben waren vieleitig: Trinkwasserkanister schleppen, Menschenketten zur Beseitigung von Trümmern organisieren, Wunden auswaschen (bis Ärzte und Medizinstudenten eintrafen). Hier erwies sich mein Ersthelfer-Kurs beim Roten Kreuz Bad Arolsen als sehr nützlich.“

Schon bald wurden Annahmezentren in der ganzen Stadt eingerichtet, über die fortan gespendete Lebensmittel und Hygieneprodukte gesammelt und in allen Stadtteile verteilt wurden.

Der Zivilschutz begann mit der Überprüfung der beschädigten Gebäude, die Polizei patroullierte durch die Stadt um das Chaos in Grenzen zu halten und die Stadtverwaltung stellte unzählige Transportfahrzeuge zur Verfügung.

„Wir arbeiteten in Schichten. Ich wurde erst gegen 2 Uhr am 20. September abgelöst“, fährt Brand in seinem Bericht fort. „Wir bekamen im Aufnahmelager stetig mehr Lebensmittel, Decken und Medikamente, die wir an die Gestrandeten und Verletzten verteilten. Auch die Hilfe der großen Firmen funktioniert vorbildlich: Die Telekommunikationsunternehmen richteten ein kostenloses W-LAN- und Telefonnetz ein, Milchproduzenten verteilten ihre Produkte kostenfrei an Opfer und Rettungskräfte, Baumärkte stellten Werkzeuge zur Verfügung, Der Energiekonzern PEMEX fror den Benzinpreis ein und die Busunternehmen organisierten den Treibsport von Rettungskräften, Ärzten und Freiwilligen.“

Brand: „Obwohl die Hilfe in den ländlichen Gebieten noch teilweise unzureichend ist, hat diese Naturkatastrophe das Land geeint. Es war und ist erstaunlich, wie jeder Polizist, jeder Soldat, jeder Arzt, jeder Student und jeder der kann, sein Bestes gibt um Land und Leute zu retten.“

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