Bad Arolsen

Zwei Senioren stemmen Jugendmusikfestival

- Bad Arolsen (-es-). 200 Jugendliche aus acht verschiedenen Ländern aus Europa, Amerika und erstmals Asien sind eine Woche lang zu Gast in Arolsen. Organisiert wird das internationale Jugendmusikfestival von den pensionierten Offizieren Frank Bumke und Hartmut Foertsch.

Als „letzte große Tat“ zum Abschluss seiner aktiven Dienstzeit hat General Foertsch
den geordneten Abzug der sowjetischen Streitkräfte aus der wiedervereinten Bundesrepublik koordiniert. Als Pensionär sorgt er seit dem Jahr 2000 dafür, dass alle zwei Jahre junge Musiker aus ganz Europa, aber vor allem aus den Ländern des ehemaligen Ostblocks nach Bad Arolsen kommen und ihren Teil zur Völkerverständigung beitragen. Beim inzwischen sechsten Jugendmusikfestival sind seit dem Wochenende Schüler aus Estland, Polen, Russland, Schweden, Spanien, Syrien, aus den USA und aus dem westfälischen Versmold ins Waldecker Land gekommen. Bei früheren Besuchen waren auch schon Musiker aus der Slowakei und Ungarn in der Stadt. Der General im Ruhestand, der selber Geige spielt, hatte zur Jahrtausendwende das Gefühl, dass in der Stadt Bad Arolsen mit ihrer ausgeprägten Musikszene noch etwas für junge Leute fehlt. Zusammen mit Rainer W. Böttcher und Werner Sostmann, den besonders engagierten Musiklehrern an der Christian-Rauch-Schule, wurde damals die Idee geboten, alle zwei Jahre ein Internationales Festival zu veranstalten. Die vielfältigen Auslandskontakte der CRS-Big-Band und des Großen Chores erleichterten die Organisation. „Auch die Schulleitung steht hinter dem Konzept. Das hilft uns sehr“, freut sich 
Foertsch. Seit dem Jahr 2008 wird er von seinem langjährigen Kommandeurskollegen Frank Bumke unterstützt. Gemeinsam stellen sie die Kontakte zu den ausländischen Ensembles her, kümmern sich um die Visa der außereuropäischen Teilnehmer, die Unterbringung in den Familien und – ganz wichtig – die Finanzierung des Projekts. Bei einem Etat von rund 40 000 Euro für Verpflegung, Reisekostenzuschüsse, Saalmieten und Gema müssen viele Sponsoren angesprochen und überzeugt werden. Zu den Financiers aus der Region, darunter Firmen und Privatleute, tritt auch das Ministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend, das die Restfinanzierung abdeckt. – Alle Unterstützer sind sich einig, dass das Geld für die völkerverbindende Jugendbegegnung gut angelegt ist. Über die ordnungsgemäße Verwendung der Mittel wachen die beiden ehemaligen Bundeswehrkommandeure, die alles generalstabsmäßig geplant haben. Für den Kontakt zu den ausländischen Gruppen wurden Oberstufenschüler als „Nationale Betreuer“ eingesetzt. Ihre Aufgabe ist es, die kleinen Wünsche der Gäste zu erfüllen. Für die großen Probleme und das Krisenmanagement sind die Chefs zuständig. Bei früheren Festivals kam es schon mal vor, dass der Motor eines russischen Busses plötzlich seinen Geist aufgab und vor Ort repariert werden musste. Diesmal galt es, kurzfristig umzudisponieren, weil die russische Band nicht in Frankfurt, sondern Berlin landete. Eine ehemalige CRS-Schülerin, die jetzt in Berlin studiert, wurde kurzfristig gebeten, die Gäste in Empfang zu nehmen. Nicht ganz einfach war es zudem, Visa für die Musiker aus Syrien und Russland zu bekommen. Hier halfen schließlich die Kontakte ins Auswärtige Amt und zu den Konsulaten in Ekaterinburg und Damaskus. Foertsch: „Die Konsularbeamten haben alle eingesehen, dass es sich hier nicht um Lust- oder Luxusreisen, sondern um Völkerverständigung geht.“

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