Ingenieur gibt im Volkmarser Ausschuss Fehler zu, verweigert aber Wiedergutmachung

Zweite Brückenmauer vergessen

Brückenbaustelle am Logistikzentrum Volkmarsen. Der planende Ingenieur hat bei den Masseberechnungen den Beton und die Bewehrungseisen für das zweite Widerlager vergessen. Foto: Schulten

Volkmarsen - Ein Hauch von Schilda war am Freitagnachmittag im Rathaus von Volkmarsen zu spüren, als im zuständigen Ausschuss über die Versäumnisse eines Ingenieurbüros bei der Planung der im Bau befindlichen Straßenbrücke über das Bahngleis am neuen Logistikzentrum beraten wurde.

Mit seinem günstigen Angebot von 625.000 Euro für die Brücke hatte das Büro aus Schmallenberg im Ausschreibungsverfahren den Zuschlag bekommen. Nun stellt sich heraus, dass das Angebot nur deshalb so günstig war, weil die Stahlbewehrung und der Beton für das zweite Widerlager vergessen wurde.

Im Ausschuss für Energie, Umwelt und Stadtentwicklung gestand der zuständige Bauingenieur den Fehler ein. Die tatsächlichen Baukosten werden nun wahrscheinlich bei rund 785.000 Euro liegen, 160.000 Euro mehr als eingeplant.

Eine solche Steigerung sei auch für das Ingenieurbüro verhängnisvoll. Abweichungen bei Masseberechnungen von fünf Prozent könnten vorkommen. 25 Prozent aber seien „eine Katastrophe“.

Der Ingenieur räumte ein, dass von den rund 400 Aufträgen, die sein Büro im Jahr abwickele, etwa zwei bis drei Prozent Fehler bei den Masseberechnungen aufwiesen. Das könne durch die Hektik im Tagesgeschäft leicht geschehen. Beim zuständigen Mitarbeiter würden ständig „die Telefone klingeln“. Da könnten Fehler passieren.

„Sie reden sich gerade um Kopf und Kragen“, warnte FWG-Sprecher Klaus Teppe. Und sein CDU-Kollege Ingolf Lauhof forderte vom Ingenieurbüro ein Angebot zur Wiedergutmachung.

Der Ingenieur erklärte jedoch, seine Berufshaftpflicht werde für derartige Schäden nicht aufkommen. Schließlich handele es sich bei den Mehrkosten um „Sowieso-Kosten“. Mit anderen Worten: Es sei nun mal klar, dass eine Brücke zwei Widerlager (Wände) benötige. Deshalb werde keine Versicherung die Baukosten übernehmen.

Der CDU-Stadtverordnete bohrte jedoch nach: „Ich erwarte ein Angebot zur Wiedergutmachung von Ihnen. Sind Sie bereit auf ihr Honorar zu verzichten?“ Auf diese Frage gab es gestern keine Antwort. Die Verwaltung wird versuchen, den Schaden genau zu beziffern. Der Ausschuss wird sich erneut mit dem Thema beschäftigen.

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