Planungsausschuss trifft zum dritten Scharnier-Abschnitt keine Entscheidung

Die 300 000-Euro-Frage zum Pflaster

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Das alte rote Pflaster aufnehmen und wiederverwenden oder mit dem neuen Belag bis zum Beginn der Brunnenallee arbeiten? Das ist die Frage.

Bad Wildungen - Das alte rote Pflaster größtenteils behalten oder den neuen, von vielen ungeliebten hellen Postplatzbelag als Grundton weiterführen bis zum Beginn der Brunnenallee.

So lautete die Kernfrage, als der Planungsausschuss der Wildunger Stadtverordneten am Mittwochabend im Rathaus über den dritten Bauabschnitt des Scharniers beriet (C&A bis Anfang der Brunnenallee hinterm Kurschattenbrunnen).

Zur Erinnerung: Im Streit um die 1 Million Euro, die das Scharnierprojekt mehr kostet als im Planungswettbewerb angesetzt (siehe auch Hintergrund), hatten sich die Politiker vor der Sommerpause eingeschworen, so viel Geld wie möglich im dritten Bauabschnitt einzusparen: Auf die von den Planern vorgeschlagene Umgestaltung des Kurschattenbrunnens wollen alle verzichten.

Außerdem steht im Raum, in großen Teilen des dritten Bauabschnitts das jetzige rote Pflaster wiederzuverwerten. Begrenzte Spareffekte Peter Hausdorf vom Planungsbüro Sinai nahm den Abgeordneten im Ausschuss allerdings die Illusion, dass sie auf diese Weise gewaltige Beträge einsparen könnten.

Maximal 300?000 Euro seien drin bei Gesamtkosten zwischen 3 und 3,5 Millionen Euro für das komplette Scharnier. Grund: Auch ohne Kurschattenbrunnen wird im dritten Abschnitt so viel verändert (wie Umlegen des Stadtbus-Treffpunkts), dass der überwiegende Teil des alten Pflasters komplett aufgenommen und der Unterbau angepasst werden muss.

„Der Wiedereinbau des alten Pflasters bedeutet ein Puzzle­spiel von hohem Aufwand“, begründete Hausdorf den begrenzten Spareffekt. Vor dem Bau-Ergebnis graust Jürgen Graul (FDP). Wegen der höchstens 300?000 Euro Ersparnis sollte Bad Wildungen seiner Meinung nach nicht mit Flickschusterei anfangen. Graul gegen Flickschusterei Er verwies auf den Umbau der Brunnenallee vor Jahrzehnten: „Bei Roßmanns ging uns das Geld aus und dann sollte tatsächlich mit Betonplatten weitergemacht werden. Zum Glück haben wir uns damals dem Druck einzelner nicht gebeugt. Wie sähe die Allee heute sonst aus?“ Im Bezug auf das Scharnier entscheide man besser ebenso. CDU und SPD reagierten zurückhaltend. Einen Beschluss fasste der Ausschuss nicht. Die Parlaments-Fraktionen sollen erst einmal das Thema beraten und sich eine Meinung bilden. Die bislang benötigten Mittel für das Scharnier belaufen sich laut Bauamt auf rund 2,5 Millionen Euro. Rund 1,3 Millionen Euro an Förderung erhielt die Stadt bis 2011 von Bund und Land als Zuschuss bewilligt. Die Förderung aus dem Programm „Aktive Kernbereiche“ läuft noch bis 2015, ohne dass bereits festgelegt wäre, wie viel Unterstützung Bad Wildungen für sein Scharnier noch einrechnen kann.

Hintergrund

Der große Wirbel um die ?1 Million Euro Mehrkosten im Scharnier – er beruhigte sich im Planungsausschuss mit dem Ergebnis, dass beide Seiten irgendwie Recht und Unrecht haben. Die CDU hatte im Zuge der Haushaltsberatungen 2012 gegeißelt, das Scharnier koste 1 Million Euro mehr, als im Planungswettbewerb seinerzeit angesetzt. Nachdem der Pulverdampf verzogen ist, zeigt sich, dass neben den allgemein gestiegenen Baukosten Zusatzwünsche – auch der CDU – beschlossen wurden, die ins Geld gingen, wie Walter Mombrei (SPD) betonte.

Ohne Widerspruch von den Christdemokraten zu ernten. Andererseits gestand er der CDU zu, dass die 1 Million Euro mehr bereits vor den Haushaltsberatungen 2012 in den Zahlen des Bauamtes aufgetaucht war, aber nicht in den Etat des laufenden Jahres eingearbeitet wurde, so dass die Million nun in den Nachtragshaushalt 2012 aufgenommen werden muss. Marc Vaupel (CDU) forderte deshalb eine bessere Abstimmung zwischen Bauamt und Kämmerei ein.(su)

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