Edertals neuer Bürgermeister Klaus Gier fühlt sich von allen Seiten mit Herzlichkeit aufgenommen

„100 Tage sind wie im Flug vergangen“

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Klaus Gier vollendet heute die ersten 100 Tage im Amt als Edertaler Bürgermeister. Der Terminkalender ist voll, die Zeit verging wie im Flug.

Edertal - Was hat er schon verändert? Was hat sich durch das Amt für ihn verändert? Klaus Gier vollendet heute seine ersten 100 Tage als Edertaler Bürgermeister. „Sie sind wie im Fluge vergangen“, sagt er.

Viel Neues stürmte auf ihn ein. In ungezählten Gesprächen konfrontierten ihn Amtsträger und Bürger mit ihren Sorgen, Wünschen und Erwartungen. „Auf jeden Fall habe ich mit Menschen sehr viel mehr Zeit verbracht als mit Akten“, fügt der Bürgermeister hinzu. Auf 100 Termine sei er allein im April mit Sicherheit gekommen.

Verantwortung delegieren

Damit er weiterhin viel Zeit für solche Gespräche behält, hat er rasch begonnen, eine Sache in der Verwaltung im Grundsatz zu ändern. „Die Unterschriftsbefugnis wird dezentralisiert.“

Will heißen, dass der Bürgermeister nicht mehr, wie seit Jahrzehnten praktiziert, unter quasi jeden Vorgang eigenhändig sein Autogramm setzt, sondern dass die jeweils zuständigen Sachbearbeiterinnen und -bearbeiter in vielen Fällen selbst entscheiden und unterschreiben, demnach mehr Verantwortung tragen. So kennt Klaus Gier es aus seiner langjährigen Verwaltungserfahrung, die er in anderen Kommunen sammelte.

Fließende Grenzen

Sein neues Amt hat sein Leben in den ersten 100 Tagen in einem Punkt sofort entscheidend verändert. „Berufs- und Privatleben fließen ineinander über.“ So beschreibt es Gier. Lange genug war er in Führungspositionen dicht dran an seinen damaligen Chefs, um zu wissen, dass dies auf einen Bürgermeister unweigerlich zukommt. Dennoch erhält dieses Phänomen in einer kleinen Gemeinde wie Edertal mit so vielen Ortsteilen eine besondere Dimension.

„In größeren Kommunen übernehmen die Stadträte oder Gemeindebeigeordneten viele repräsentative Aufgaben.“ In Edertal wollen die Bürger den Chef persönlich zu vielen Anlässen dabei haben.

Einerseits freut sich Gier, „dass der Bürgermeister ein so gern gesehener Gast ist“. Andererseits könne er nicht jeden Termin selbst wahrnehmen, etwa, wenn er mal ein Wochenende auswärts auf einer großen Familienfeier verbringe.

Zugleich betont Klaus Gier „die große Herzlichkeit, mit der ich von allen Seiten aufgenommen worden bin.“ Die Bürger, die Parlamentarier, Ortsbeiräte, Vereine, Amtskollegen der Nachbarkommunen und, und, und. Besser hätte der Start aus seiner Sicht nicht gelingen können.

Offenheit und Transparenz

Klaus Gier setzt im Umgang mit seinen Gesprächspartnern auf Offenheit und Transparenz, speziell in der Politik. „Ich halte alle Fraktionen frühzeitig und gleichermaßen auf dem aktuellen Stand“, verspricht er. Alle hätten ihm eine gute Zusammenarbeit angeboten und so laufe es auch.

Deswegen war die bislang größte Überraschung im neuen Amt für ihn, als ein Vorgang der Haushaltsführung, über den er berichtete, in der Diskussion der Politiker hochkochte, obwohl es sich aus seiner Sicht als Verwaltungsfachmann um eine reine Routineangelegenheit handelte.

Über ET-Bau bald entscheiden

Das wichtigste Ergebnis, das aus den ersten 100 Tagen heraussprang, ist von Klaus Giers Warte aus „die Entscheidung, den Tiefbau am Sperrmauervorplatz vom Hochbau zu trennen, damit wir vorankommen.“

Zugleich will er den Beschluss über den Hochbau in drei bis sechs Monaten vollzogen vom Tisch haben, kündigt er als eines der wichtigsten Ziele für die nähere Zukunft an.

Wie es mit der Edersee-Touristic und mit der Touristischen Arbeitsgemeinschaft weitergeht, deren Vertrag zum Jahresende ausläuft, zählt für ihn zu den weiteren, wesentlichen Projekten der Politik in Edertal in der nächsten Zeit.

Sorge bereitet ihm die Zukunft des Eon-Info-Zentrums, das der Konzern 2014 schließt. „Ich habe versucht, Hemfurther Bürger dafür zu begeistern, sich in einem Förderverein ehrenamtlich für das Zentrum zu engagieren, doch die Begeisterung hält sich in Grenzen“, meint Gier.

Mit hauptamtlichem Personal könne die kleine Edertaler Verwaltung das nicht leisten, auch finanziell nicht.

Die Mitarbeiter des Rathauses stehen ohnehin vor vielen Aufgaben und gehen aktuell „auf dem Zahnfleisch“, verrät der Bürgermeister. Ein hoher Krankenstand lasse die Belastung für die übrigen Beschäftigten steigen, und bald geht Wilfried Tönges vom Bauamt mit seinem Jahrzehnte umfassenden Erfahrungsschatz und seinem Fachwissen in Ruhestand. „Die Stelle ist ausgeschrieben“, fügt Gier hinzu, aber der Nachfolger oder die Nachfolgerin brauche Zeit, um sich die vielen Detailkenntnisse anzueignen.

Mit Block und Stift

Es gibt viel zu tun für den neuen Edertaler Bürgermeister und der abendliche Blick aufs Handy nach den Terminen für den nächsten Tag ist zur Gewohnheit geworden.

Ein Diktierprogramm mit Spracherkennung, dessen Texte Sekretärin Petra Sievert aber gründlich auf „Hör“-Fehler prüft, gehören ebenso zur unverzichtbaren Ausrüstung wie der gute alte Notizblock mit Stift und das unvermeidliche Fahrtenbuch des Dienstwagens, obwohl:

„Wie gesagt: Dienstliches und Privates fließen ineinander, und eigentlich wäre es einfacher, ich würde die privaten statt der dienstlichen Fahrten eintragen“, sagt Gier mit einem Schmunzeln.

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