Eine Reha-Klinik als Behelfskrankenhaus ausgewählt

Bis zu 1500 Reha-Betten bilden Corona-Akutreserve für Waldeck-Frankenberg

Krankenhausbetten: Sollten die Kapazitäten der vier regulären Akut-Kliniken in Waldeck-Frankenberg im Zuge der Pandemie erschöpft werden, stehen bis zu 1500 Reha-Klinikbetten im Landkreis vorübergehend als zusätzliche Krankenhausplätze zur Verfügung.
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Krankenhausbetten: Sollten die Kapazitäten der vier regulären Akut-Kliniken in Waldeck-Frankenberg im Zuge der Pandemie erschöpft werden, stehen bis zu 1500 Reha-Klinikbetten im Landkreis vorübergehend als zusätzliche Krankenhausplätze zur Verfügung.

Der Landkreis sieht im Bedarfsfall bis zu 1500 Betten in den Reha-Kliniken Waldeck-Frankenbergs als zusätzliche Krankenhausplätze vor.

  • Der Landkreis Waldeck-Frankenberg hat vorgesorgt für den Fall, dass Corona die Kapazitäten der vier Akut-Kliniken erschöpft
  • Bis zu 1500 Betten von Reha-Kliniken wurden als Corona-Krankenhausbetten-Reserve ans koordinierende Klinikum Kassel gemeldet
  • Eine heimische Reha-Klinik ist für den Notfall als Behelfskrankenhaus vorgesehen

Bad Wildungen – Das entspricht einem Zehntel der Reha-Kapazitäten von rund 15 000 Betten in ganz Hessen. Das Gesundheitsamt hat Reha-Kliniken in Augenschein genommen, die sich dafür meldeten.

Außerdem wurde eine Reha-Klinik als Behelfskrankenhaus ausgewählt, sollte eine Welle schwerer Covid-19-Erkrankungen den Kreis erfassen und die Möglichkeiten der vier regulären Akut-Kliniken in Frankenberg, Bad Wildungen, Korbach und Bad Arolsen erschöpfen. „Damit wir nicht etwa auf Turnhallen ausweichen müssten“, erläutert der Vize-Landrat von Waldeck-Frankenberg Karl-Friedrich Frese auf WLZ-Anfrage.

„Normale“ Patienten könnten bei so einem Szenario in die Reha-Kliniken verlegt werden. Denkbar sei auch, dort Corona-Patienten mit einem leichten Krankheitsverlauf unterzubringen.

Reha-Kliniken bilden auch Reserve auch für Pflegeheime

So würde den Reha-Kliniken außerdem eine wichtige Rolle zufallen, wenn es zu Covid-19-Ausbrüchen in Pflegeheimen  in Waldeck-Frankenberg käme, wie gerade in Niedersachsen geschehen. Dort und in Bayern gilt ein Aufnahmestopp für Heime.

„Wenn Bewohner von Seniorenheimen im Krankenhaus waren, könnten sie 14 Tage in einer Reha-Klinik zur Beobachtung untergebracht werden, bevor sie in das Seniorenheim zurückkehren“ sagt Frese. Zudem könnten die Reha-Kliniken als Ausweichquartier dienen, wenn der Coronavirus in einem Seniorenheim kursiere.

Der Kreis Waldeck-Frankenberg und der Nachbarkreis Schwalm-Eder hätten ihre Vorsorge-Pläne an die Kliniken Kassel gegeben, denn dort liefen seit Kurzem für ganz Nordhessen die Fäden für die Krankenhausplanung während der Krise zusammen, sagt Frese.

Hessen geht bei Einbindung der Reha-Kliniken eigenen Weg

Das Land Hessen habe vor wenigen Tagen die Organisation der Krankenhäuser für die Pandemie per Verfügung dementsprechend geändert, fügt er hinzu. Hessen geht damit einen anderen Weg als die Nachbarn Bayern und Niedersachsen. Dort haben die Landesregierungen Verordnungen zum Einbeziehen der Reha-Kliniken in die Akutversorgung erlassen. Hessen verleiht dagegen Verantwortlichen in den Regionen größere Befugnisse. Waldeck-Frankenberg gehört zum „Versorgungsgebiet Kassel I“, für das die Kliniken Kassel den Hut auf haben.

Sechs solcher Versorgungsgebiete mit je einem federführenden Klinikum gebe es in Hessen, ergänzt die Wildunger Landtags- und Kreistagsabgeordnete Claudia Ravensburg auf Anfrage. „Das Klinikum regelt genau, wie die Belegung der Betten organisiert wird, wo Intensivbetten mit und ohne Beatmungsplätzen sind“, erläutert die sozialpolitische Sprecherin der CDU-Landtagsfraktion. Gegenwärtig seien die Bettenkapazitäten im Akutbereich noch ausreichend: „Hoffentlich bleibt es dabei.“

Wolfsburg zeigt: Reha-Kliniken rasch in Akutversorgung integrierbar

Auch wenn Hessen also organisatorisch einen anderen Weg einschlägt mit größeren Befugnissen für Verantwortliche in den Regionen, fallen die Ergebnisse für die Versorgung der Bevölkerung identisch aus. Das zeigen die Aussagen von Ravensburg und Frese.

Am Fall des Klinikums Wolfsburg lasse sich trotz unterschiedlicher Organisation erkennen, wie schnell Reha-Kliniken in die Versorgung einbezogen werden könnten, unterstreicht Claudia Ravensburg. Nachdem das Wolfsburger Krankenhaus mehrere Fälle von Corona-Infektionen seines Personals feststellte wurden die transportfähigen Patientinnen und Patienten rasch auf Reha-Kliniken in Niedersachsen verteilt. „Die Vergütung für die Kliniken ist im Gesundheitspaket des Bundes bereits vereinbart“, schließt die Landtagsabgeordnete.

Der Verband der Privatkliniken Hessen verlangt weiterhin eine einheitliche, vom Land vorgegebene Regelung zur Einbindung der Reha-Kliniken in die Akut-Versorgung während der Corona-Krise.

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