Viele Straftaten von der Hehlerei bis zum Kokainhandel angeklagt

197 Trauringe aus Raubzug in Wildungen angekauft: Goldhändler als Hehler vor Gericht

Kassel/Bad Wildungen. Am Dienstag hat vor dem Landgericht der Hehlerei-Prozess gegen einen 53-jährigen Goldhändler aus Kassel begonnen, dem eine Fülle von Straftaten von der Hehlerei bis zum Kokainhandel vorgeworfen werden.

Dazu zählt auch der Ankauf von 197 Trauringen, die ein türkischer Trickdieb Ende Dezember 2014 in einem Geschäft an der Bad Wildunger Brunnenstraße erbeutet hatte. Der Täter hatte sich als Kunde ausgegeben und sich die Ringe im Verkaufswert von rund 70.000 Euro zeigen lassen. 

Dann schnappte er sich das Auslagebrett samt Ringen und fuhr im Wagen eines Komplizen, der vor dem Geschäft gewartet hatte, davon. Von Wildungen aus fuhren die Täter direkt in das Geschäft des Angeklagten in der Wolfsschlucht, wo sie die „heiße Ware“ für 4500 Euro verscherbelten.

Diesen Sachverhalt hatte der Angeklagte bereits im ersten Verfahren ab November 2017 vor der 11. Strafkammer des Landgerichts eingeräumt. Damals platzte der Prozess, weil der Goldhändler im Februar 2018 bei einem Überfall vor seiner Wohnung einen Kopfschuss erlitt, den er nur knapp überlebte.

Eigentlich wäre gestern auch die Verhandlung gegen den mutmaßlichen Schützen, einen 38-jährigen Armenier, weitergegangen. Diese Verhandlung wurde jedoch wegen der Erkrankung eines Richters unterbrochen.

Insgesamt soll der Goldhändler* seit 2011 Schmuck im Wert von mehr als 200.000 Euro angekauft haben. Teilweise soll er die rumänischen und türkischen Serieneinbrecher selbst auf lohnende Objekte aufmerksam gemacht haben.

Zwischen Februar 2016 und Frühjahr 2017 soll er zudem in zahlreiche Kokaingeschäfte verwickelt gewesen sein. Die Droge war laut Anklage oft pfundweise im Geschäft des Goldhändlers gehandelt worden.

Der vom Korbacher Richter Gerd Rinninsland geführte Prozess wird vermutlich bis Ende März dauern.

Von Thomas Stier

*Transparenzhinweis: In einer früheren Version dieses Artikels wurde der angeklagte Goldhändler als „Juwelier“ bezeichnet. Hiermit stellen wir klar, dass das Juweliergeschäft Feinschliff in der Wolfsschlucht in Kassel nichts mit dem am 15.01.2019 begonnenen Hehlereiprozess vor der 11. Strafkammer des Landgerichts Kassel zu tun hat. Die Redaktion.

Rubriklistenbild: © Volker Hartmann/dpa

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