Eon vertagt Entscheidung über den Bau des Kavernenkraftwerks

250-Millionen-Projekt in Warteschleife

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Knapp 10 Millionen Euro hat Eon bereits in das Projekt investiert, darunter ein Erkundungsstollen.

Edertal-Hemfurth-Edersee - Eon zögert beim 250-Millionen-Projekt „Waldeck 2 plus“ am Edersee. „Es wird nicht mehr vor der Sommerpause darüber entschieden“, sagte Pressesprecher Christian Orschler am Mittwoch auf WLZ-Anfrage.

Der Vorstand der Eon AG habe seine Entscheidung über den Bau des geplanten zusätzlichen Kavernenkraftwerks vertagt. „Mit den Berechnungen zur Wirtschaftlichkeit sind wir derzeit noch in einem Stadium, in dem das Projekt noch nicht entscheidungsreif ist“, begründete er die abwartende Haltung.

Ausschlaggebend dafür seien „Unsicherheiten auf politischer Ebene“. Orschler: „Da ist zurzeit einiges im Fluss.“ Überlegungen zum Marktdesign seien noch nicht abgeschlossen. Die Frage, ob Prämienlösungen bei regenerativen Energien, staatliche Eingriffe oder eine Anpassung auf europäischer Ebene durchgesetzt werden, habe entscheidende Auswirkungen auf die Kraftwerke.

Eon überzeugt von dem Projekt

Zu Deutsch: Keiner, der heute in so eine „Batterie“ investiert, wie es ein Pumpspeicherkraftwerk darstellt, weiß, wie und zu welchen Preisen er später für diese Dienstleistung bezahlt wird. Und was ist, wenn, wie aktuell diskutiert, die Bundesregierung den Aufbau neuer Gaskraftwerke bevorzugt? Wenn die Pumpspeicherkraftwerke bei Subventionen auf der Strecke bleiben, wäre das fatal für das Großprojekt am Edersee, weil sie im Wettbewerb benachteiligt würden. Vor diesem Hintergrund wollte offenbar der Eon-Vorstand keine voreiligen Beschlüsse fassen.

„Wir sind aktuell noch nicht in der Lage, für ein Viertel-Mil-liarde-Euro-Projekt eine Entscheidung zu treffen“, wirbt Orschler um Verständnis.

Der bisherige Zeitplan sah eine Entscheidung vor der Sommerpause und den Beginn vorbereitender Arbeiten im Oktober 2012 vor. Im Juni 2013 wollte das Energieunternehmen mit der Erhöhung des Oberbeckens auf dem Peterskopf beginnen. Ob dieser Zeitplan noch eingehalten wird, sei derzeit nicht abzusehen.

E.ON hat laut Orschler bereits einen „knapp zweistelligen Millionenbetrag“ investiert, darunter für Projektkosten, Genehmigungsverfahren, Ingenieurleistungen, Gutachten, Probebohrungen und einen Erkundungsstollen, der für die neue Kaverne in den Berg getrieben wurde (WLZ berichtete).

An einer Universität wurden Steuerungsmodelle entwickelt. Einige Dutzend Eon-Mitarbeiter arbeiten unter Hochdruck an dem ehrgeizigen Projekt. „All das verursacht natürlich Kosten“, so Orschler. Das Unternehmen sei überzeugt von dem Projekt, gab sich der Presse-sprecher zuversichtlich. Region, Verwaltung und Politik in Hessen stünden dahinter. Das sei nicht selbstverständlich.

Wichtige Rolle auf dem Energiesektor

„Der Ausbau der Pumpspeicherkapazität in der Mitte Deutschlands ist ein wichtiger Schritt zu dem Ziel, die erneuerbaren Energien weiter voranzubringen“, betonte Hessens Umweltministerin Lucia Puttrich noch im Sommer 2011 bei einem Besuch in der Hemfurther Kaverne.

Die Pumpspeicherkraft spielt eine wichtige Rolle, weil sie indirekt Strom speichern kann. Das ist entscheidend, denn Strom, der aus Sonnen- und Windenergie gewonnen wird, steht nicht immer konstant zur Verfügung.

Pumpspeicherkraftwerke arbeiten effizient. Steht viel Strom zur Verfügung, pumpen sie Wasser durch Rohrleitungen in hoch gelegene Speicherbecken. Steigt der Strombedarf, wird das Wasser abgelassen und treibt dabei eine Turbine an. Das erzeugt Strom. Deutschlandweit existieren etwa 30 Anlagen.

Zukunftsprojekt in der Region

Waldeck I und II stellen zehn Prozent der deutschen Pumpspeicherkapazität zur Verfügung. Waldeck I erzeugt mit drei Turbinen 140 Megawatt Strom, die bei kurzfristigem Bedarf aus dem Stillstand zur Verfügung stehen.

Waldeck II liefert 480 Megawatt Strom. Weitere 300 Megawatt sollen noch hinzukommen nach dem Bau der neuen Anlage „Waldeck plus“. 920 Megawatt Leistung stünden dann am Edersee zur Verfügung. Das entspräche 15 Prozent der Kapazitäten aller Pumpspeicherkraftwerke in Deutschland.

Mit 250 Millionen Euro ist „Waldeck plus“ eines der größten Zukunftsprojekte in der Region. Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke erteilte im Dezember 2011 die Genehmigung für die Eon-Ausbaupläne am Edersee. Vom Antrag bis zum behördlichen „Okay“ verging nur knapp ein Jahr. (höh)

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