Zensus 2011 geht nur von 16 592 Wildungern aus · Einnahmeverlust von über 100 000 Euro droht

„800 Einwohner sind verschwunden“

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Bad Wildungen - Der Zensus 2011 bescherte auch Bad Wildungen eine unliebsame Überraschung: Rund 800 Einwohner weniger als gedacht sollen in der Stadt leben. Bürgermeister Volker Zimmermann zweifelt die Zahlen an und beruft sich auf die städtische Statistik. „Wir haben einen doppelten Datenabgleich.“

Die Einwohnermeldestatistik im Rathaus führt zum 17. Mai 2013 insgesamt 17363 Einwohner mit Hauptwohnsitz auf. Laut Zensus lebten in der Badestadt am 9. Mai 2011 allerdings nur 16592 Menschen. „800 Einwohner sind verschwunden“, wundert sich Bürgermeister Zimmermann über massiv abweichende Zahlen.

Er beruft sich auf die städtische Erhebung, in der insgesamt 19039 Einwohner aufgeführt sind, davon 1676 mit Nebenwohnung. Die Anmeldung eines Hauptwohnsitzes werde einem bundesweiten Datenabgleich unterworfen. „Den gibt es sogar doppelt, weil es noch die Steueridentifikationsnummern gibt“, verweist Zimmermann. Ein Irrtum bei der Erfassung scheine da ausgeschlossen.

Bei der Bevölkerungs-, Gebäude- und Wohnungszählung im Rahmen des Zensus haben Mitarbeiter des Rathauses zehn Prozent der Einwohner persönlich befragt. Warum die Statistiken so deutlich voneinander abweichen, darüber kann Zimmermann nur mutmaßen: „Wenn nach der Zahl der im Haus lebenden Personen gefragt wurde, dann sind vielleicht Kinder nicht erwähnt worden, die studieren, oder Ehepaare, die für einige Zeit im Ausland leben, aber mit Hauptwohnsitz gemeldet sind.“ Sollten die Zensus-Zahlen zur Grundlage gelegt werden, „dann ist das eine sehr problematische Entwick-lung“, bekennt Zimmermann.

Schulterschluss mit anderen Kommunen

Wildungen verliere mehr als fünf Prozent der Einwohner und büße beim Finanzausgleich somit entsprechende Einkommenssteueranteile ein. Die Verluste bezifferte er auf eine Summe „jenseits der 100000-Euro“. Möglicherweise habe der Zensus sogar rückwirkende Folgen.

Die Zahlen der statistischen Erhebung sollen zunächst im Rathaus analysiert werden. Dann sei Schulterschluss mit anderen Kommunen gefragt. „Wir wollen erstmal sehen, wie sich das innerhalb des Kreises auswirkt und wie das Land damit umgeht.

Eine traditionelle Volkszählung inklusive Gebäude- und Wohnungszählung gab es in den alten Bundesländern zuletzt 1987, in den neuen Ländern 1981. Gebäude und Wohnungen wurden nach der Wiedervereinigung nur in den neuen Bundesländern 1995 gezählt. Ziel des Zensus ist die Ermittlung der amtlichen Einwohnerzahlen. Gleichzeitig sollten Informationen gesammelt werden, die einen Überblick ermöglichen, wie die Menschen in Deutschland wohnen und arbeiten.

Die Einwohnerstatistik der Stadt Bad Wildungen zum 15. Mai 2013 mit Hauptwohnungen (Nebenwohnungen in Klammern):

Bad Wildungen: 8573 (801)

Altwildungen: 2362 (256)

Reitzenhagen: 563 (95)

Reinhardshausen: 1150 (125)

Wega: 681 (61)

Hundsdorf: 301 (19)

Albertshausen: 256 (25)

Braunau: 665 (64)

Frebershausen: 175 (15)

Armsfeld: 286 (23)

Hüddingen: 88 (3)

Bergfreiheit: 334 (43)

Mandern: 634 (53)

Odershausen: 1295 (93).

Gesamt: 17 363 Einwohner mit Hauptwohnsitz und 1676 mit Nebenwohnsitz.

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