Anraff

Abenteuer im ärmsten Land von Afrika

- Edertal-Anraff (höh). Er war Motor der Edertaler Gewerbetreibenden und hat die Zusammenarbeit mit Fritzlar und Wildungen angestoßen. Jetzt hat der scheidende IEG-Vorsitzende Thomas Ludwig ein neues Ziel im Visier – Bildung in Afrika.

Der 42-Jährige sitzt auf gepackten Koffern: Am Sonntag reist er zu einem Vorbereitungstreffen des Deutschen Entwicklungsdienstes (DED) nach Bad Honnef und fliegt Ende Juni nach Burundi. Er folgt seiner Frau Dr. Friederike Fuhlrott, die seit Oktober in der Hauptstadt Bujumbura arbeitet. Die aus Idstein stammende 34-Jährige hat bereits ihre Doktorarbeit über Rebellen in dem bis 2005 vom Bürgerkrieg geschüttelten afrikanischen Staat geschrieben. Heute arbeitet sie im zivilen Friedensdienst in einem Projekt von DED und Vereinten Nationen. „Die Rebellen haben ihre Waffen abgegeben, und das Militär ist demobilisiert – die Menschen sind jetzt ohne Lohn und Brot“, erläutert Ludwig den Konflikt in der ehemaligen deutschen Kolonie. Aufgrund der langjährigen Auseinandersetzungen seit 1993 ist die Gewaltbereitschaft in der Bevölkerung hoch. Die allgemeine Kriminalität und die verbreitete Straflosigkeit sind angesichts der hohen Arbeitslosigkeit und der vielen Waffen im Land wichtige Probleme Burundis – die Sicherheit in den Großstädten ist zentrales Thema von Friederike Fuhlrott. Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen in den ostafrikanischen Staat. Der Anraffer war im Januar für einige Wochen zu Besuch und urteilt: „Die Lage ist jetzt relativ entspannt.“ Ludwig fährt zwar als begleitender Familienangehöriger nach Burundi, aber er hat bereits konkrete Projekte im Blick. Der Werbe- und Kommunikationsexperte plant Ausbildungsprojekte für junge Menschen in Afrika und ist bereits mit großen deutschen Unternehmen im Gespräch. Auslands-erfahrungen hat er bereits als DED-Mitarbeiter von 2002 bis 2004 in Togo gesammelt. Nach seiner Rückkehr in die Heimat gründete er seine seit 1994 betriebene Werbeagentur neu, die 2005 von Anraff nach Bad Wildungen umgezogen ist. Bis vor wenigen Wochen hat Ludwig zusammen mit einem Partner, drei Angestellten und sieben freiberuflichen Mitarbeitern das Unternehmen betrieben und 760 Kunden betreut, im März stieg er aus. Mit Leidenschaft engagierte er sich als Vorsitzender der Interessengemeinschaft Edertaler Gewerbetreibender. Die interkommunale Zusammenarbeit in der Region „mittleres Edertal“ lag ihm besonders am Herzen, die unter seiner Regie nach Fritzlar ausgedehnt wurde. „Es hat einfach Spaß gemacht, sich in diesem lebendigen und dynamischen Verein einzubringen“, sagt er rückblickend. Die Botschaft von seinem Abschied kam für viele überraschend. Auch für Thomas Ludwig selbst. „Ich wollte eigentlich noch bis 2012 bleiben“, sagt der staatlich geprüfte Kommunikationswirt. Neben seiner Arbeit als selbstständiger Unternehmer und seinem ehrenamtlichen Einsatz bei den Gewerbetreibenden hat er gerade erst ein sechsjähriges Fernstudium zum Diplom-Betriebswirt erfolgreich abgeschlossen. Der Stress geht nicht spurlos an ihm vorüber, gesundheitliche Probleme durchkreuzen seine Lebensplanung. Früher als geplant steigt er aus und startet in ein neues Lebens-Abenteuer auf dem Schwarzen Kontinent. Dort heißt seine Devise: erst einmal ausspannen. Dazu lädt die herrliche Natur am Tanganjika-See geradezu ein. Der kleine Staat in Ostafrika ist nur groß wie das Bundesland Brandenburg. Worauf sich der Aussteiger am meisten freut? „Auf meine Frau natürlich“, lacht der Anraffer. Und auf das Klima, die Menschen, das Essen und den Tee. „Die englische Königin soll angeblich nur Tee aus Burundi trinken, weil er besonders gut sein soll“, weiß Ludwig. Zu vielen der 300 Deutschen, die in Bujumbura leben, will er Kontakt aufnehmen. „Ich bin einfach gespannt auf alles, was passiert, und habe bisher nur positive Erfahrungen gemacht“, ist er zuversichtlich. Zurzeit finden die ersten Wahlen seit Ende des Bürgerkriegs statt.

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