Gellershäuserin appelliert an Wanderer und Spaziergänger: Keine fremden Pferde füttern

Äpfel beinahe mit dem Leben bezahlt

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„Füttern verboten“: Trotz auffälliger Warnhinweise findet eine besorgte Pferdehalterin immer wieder Reste von Brot, Äpfel oder von Verpackung auf ihrer Koppel. Eine Stute ist gerade so einer schweren Magen-Operation entronnen.Foto: Höhne

Edertal-Gellershausen - Wander haben oft ein Herz für Tiere. Bei einer Pferdekoppel wird schnell ein Apfel oder ein Brot aus dem Rucksack geholt als großzügiges Leckerli. „Das ist verkehrte Tierliebe“, sagt eine Pferdebesitzerin am Rande des Nationalparks. Ihre Stute ist gerade so einer schweren Magen-Operation entronnen.

Wenn Wanderer ihre Koppel passieren, dann wandern die Augen von Susanne B. aufmerksam mit. Immer wieder füttern Spaziergänger ihre Araberstute Eni und Welsh-Pony Kleiner Mann. „Oft liegt Brot auf der Wiese, manchmal finde ich Reste von Tüten im Mist.“

Ihre Schimmelstute hat die vermeintliche Tierliebe beinahe mit dem Leben bezahlt. Der aufgeblähte Darm hat sich gedreht und wäre beinahe abgestorben, schildert die 35-Jährige. Beide Pferde kamen in die Klinik und konnten gerettet werden. „Eine Stunde später, und wir hätten die Tiere vor Ort einschläfern müssen“.

„Pferde haben empfindlichen Verdauungsapparat“

Nach dem Klinikaufenthalt standen die Pferde in eigens dafür eingerichteten Krankenpaddocks. Das Heu wurde abgewogen, Gras und Leckereien hatte der Tierarzt verboten. „Aber bereits am selben Abend haben Unbekannte die Pferde wieder mit Äpfeln beworfen, weil sie die Tiere nicht an den Zaun locken konnten“, sagt die Gellershäuserin kopfschüttelnd. Auf den hohen Tierarztkosten blieb sie sitzen. Inzwischen hängen auffällige Warnschilder mit dem Hinweis „Füttern verboten“ an ihrer Koppel. Und dazu ausführliche Erläuterungen. Aber das schreckt offenbar überhaupt nicht ab.

Neulich habe sie eine Großmutter mit zwei Enkelkindern beobachtet, die sorglos Äpfel durch den Zaun reichten. „Die Oma war sich keiner Schuld bewusst und ist im Leben nicht auf die Idee gekommen, dass das gefährlich sein könnte“, erfuhr die Pferdehalterin. „Einmal stand eine Familie mit Kindern vor dem Zaun und fütterte eine Tüte Bonbons.“ Angesprochen auf ihr Verhalten reagierten die Passanten überwiegend uneinsichtig, beobachtete die Freizeitreiterin.

„Pferde können nicht würgen, und die Speiseröhre ist zu eng, um Unzerkautes wie kleine Äpfel oder Bonbons herunterzuschlucken,“ erläutert sie. Auch stark zerkleinertes Gras aus dem Rasenmäher verursache Schlundverstopfung, die tödlich enden könne. Pferde haben einen empfindlichen Verdauungsapparat und stünden gelegentlich bewusst auf kargen Wiesen, zum Beispiel, wenn sie an Huf-rehe leiden. Abgesehen davon sei Füttern auch für Menschen gefährlich. „Bei Rangeleien kann ein Mensch auch außerhalb des Zauns von einem Huftritt schwer verletzt werden, und Bisse in die fütternde Hand sind ebenfalls nicht ausgeschlossen.“

„Die Angst geht um“

Die Gellershäuserin hat ihre Lehren aus derlei Vorfällen gezogen. Vor allem an Wochenenden während der beliebten Wandermonate ziehen ihre beiden Rösser auf eine Koppel abseits der beliebten Route.

„Es fällt mir mittlerweile sehr schwer, freundlich zu sein, wenn Leute mit raschelnden Tüten die Pferde anlocken“, gibt Susanne B. unumwunden zu. „Die Einsicht fehlt, ich werde belächelt, man wartet, bis ich nicht mehr da bin und füttert trotzdem.“ Die Gellershäuserin appelliert inständig, keine fremden Pferde mit Leckereien zu versorgen. „Weidezeit ist eigentlich die schönste Zeit, doch bei den Tierhaltern geht dann immer wieder die Angst um.“

Von Conny Höhne

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