Edertal

Afrika lässt ihn nicht wieder los

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- Edertal-Affoldern (su). „Die erste Bahnfahrt hat mich verwirrt“, sagt Lars Schween. Die erste Fahrt, als er nach Deutschland zurückgekehrt war: „Niemand redete, viele starrten auf ihre Laptops, keine Musik.“ Ein Jahr lang hatte sich der 21-jährige Affolderner im afrikanischen Mosambik an eine andere Atmosphäre gewöhnt.

„Im vollen Zug unterhalten sich die Leute über drei Bänke hinweg, selbst wenn sie sich nicht kennen. Laute Musik ist kein Problem.“ Das Jahr in Diensten der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit sei eine sehr schöne Erfahrung gewesen, erzählt der junge Mann, der 2010 am Wildunger Stresemann-Gymnasium sein Abitur gebaut hat. Mittlerweile studiert er Erziehungswissenschaften in Hamburg mit Nebenfach „Afrikanische Sprachen und Kulturen“. Schween hat in Mosambik Feuer gefangen für den Kontinent, von dem die Vorfahren aller heute lebenden Menschen sich aufmachten, den Rest der Erde zu besiedeln. Für ihn steht fest: „Ich kehre nach Afrika zurück. Als Erstes zu einem Urlaub nach Mosambik und später zum Arbeiten“, unterstreicht er.

Ruanda und Kenia zählen zu den Ländern, die er kennenlernen möchte. „Das Leben in Afrika ist herzlicher, entschleunigter und menschlicher“, hat Lars für sich erfahren. Sein Einsatz in Mosambik kam einem Sprung ins kalte Wasser gleich, denn die Landessprache Portugiesisch kannte er zuvor nicht. Allerdings habe ihn die Gesellschaft durch Seminare gut auf das vorbereitet, was ihn erwartete. Schween arbeitete mit Kindern und Jugendlichen. Vormittags in einem Kindergarten; nachmittags kümmerte er sich um Waisen. Etwa die Hälfte der Mädchen und Jungen, die in der Einrichtung betreut werden, sind Aids-Waisen. Der Staat trägt die Kosten für ihre Erziehung. Die anderen Kinder stammen aus Familien des mosambikanischen Mittelstandes. „In den meisten Fällen sind die Eltern Lehrer oder andere Beamte.“

Ein wenig Portugiesisch hatte er sich zuvor selbst beigebracht. „Wir blieben für eine Woche zur Vorbereitung in der Hauptstadt Maputo, die 1000 Kilometer entfernt liegt von Lemusica, wo ich eingesetzt war“, erklärt der Edertaler. Danach startete er in den Arbeitsalltag und lebte sich sehr rasch ein. „Wie in Deutschland sind die Kinder im Kindergarten zwischen zwei und sechs Jahre alt. Nach vier Wochen klappte es gut mit der Verständigung, nach drei Monaten praktisch ohne Probleme.“Mosambik ist das fünftärmste Land der Welt, obwohl es reiche Rohstoffvorkommen hat. „Es gibt so gut wie keine industrielle Landwirtschaft. Weizen, Butter und Milch müssen komplett importiert werden“, berichtet Schween. Kurz vor seinem Eintreffen gab es Aufstände wegen steigender Lebensmittelpreise. „Die Menschen versuchen deshalb, neben ihrer Arbeit durch eigene Projekte ihren Lebensstandard anzuheben.“

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