Altwildungen: Neue Orgel in Festgottesdienst an Gemeinde übergeben

Alle Register zum Lobe Gottes ziehen

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In der Altwildunger Philipp-Nicolai-Kirche wurde am vierten Advent die neue Orgel ihrer Bestimmung übergeben.

Bad Wildungen-Altwildungen - Die neue Orgel in der Altwildunger Philipp-Nicolai-Kirche wurde am Sonntag im Rahmen eines feierlichen Festgottesdienstes der Gemeinde übergeben.

Bezirkskantorin Ulrike Tetzer zog am Spieltisch des prächtigen Instruments - der Kommandozentrale - die Register, griff in die Manuale und bediente mit den Füßen das Pedal. Es war ein feierlicher Moment, als die ersten Töne erklangen. Gleich darauf stimmten die Gemeinde mit ihrem Gesang und abwechselnd das Marburger Oktett, der Singkreis und die Liedertafel 1871 Altwildungen unter Leitung von Sabine Traude ein. Das war harmonische, wohlklingende Kirchenmusik.

Pfarrer Christof Hartge erinnerte an den Totalausfall des alten Instruments im Januar 2006. Nach Überprüfung durch einen Orgelbauer war klar: Da muss etwas geschehen.

4500 Arbeitsstunden für das Instrument

Der Altwildunger Förderkreis Orgel gründete sich. Er sammelte bei vielen Gelegenheiten fleißig Spendengelder und steuerte schließlich 50000 Euro zur Finanzierung des Instrumentes bei. Marion Schestag und Oliver Kampes als Sprecher bedankten sich bei allen Mitgliedern für ihr Engagement und bei Spendern, Paten sowie Käufern von Orgelpfeifen für ihre Unterstützung. Dekanin Petra Hegmann sprach ihr Grußwort nach den Buchstaben „Orgel“. Orgelmusik sei mit Händen und Füßen gespielte Livemusik, die zu Herzen gehe, und in der alle Register zum Lob Gottes gezogen würden, bescheinigte die Dekanin.

Orgelbauer Philipp Neßling übergab einen symbolischen Schlüssel an die Vorsitzende des Kirchenvorstandes, Andrea Koch. In neunmonatiger Arbeit und 4500 Arbeitsstunden entstand in der Werkstatt das neue Instrument. „Und fast genauso viele Einzelteile sind in dieser Zeit durch unsere Hände gegangen.“ Jetzt seien die Orgelbauer auch mit ein wenig Wehmut erfüllt, weil sie in ihr leeres Haus zurückkämen, in dem die Orgel gewachsen sei.

Zarte Flötentöne und wuchtige Bässe

Pfarrer Christof Hartge sagte in seiner Predigt, die von zwei vierstimmigen Chören des Marburger Oktetts unterbrochen wurde, die Worte des Engels „Fürchte dich nicht“ an die schwangere Maria seien der Beginn der Kirchenmusik gewesen. Kein anderes Ereignis als die Geburt in Bethlehem hätte so viele Dichter und Komponisten inspiriert. Bezirkskantorin Ulrike Tetzer entlockte dem prächtigen Instrument bei Chorälen, Vor- und Nachspielen, Präludium und Fuge die vielen Möglichkeiten - von zarten Flötentönen bis zu wuchtigen Bässen. Die Kirchenbesucher freuten sich anschließend über einen Umtrunk und einen Imbiss vor der Kirche und die Vorstellung der Orgel durch die Orgelbauer Philipp Neßling und Chris­tard Rensch und ein kleines Orgelkonzert von Landeskirchendirektor Uwe Maibaum. Während eines Essens für geladene Gäste sprachen Landeskirchen-Orgelsachverständiger Michael Dorfschäfer, Stadtrat Manfred Jahnes, Landeskirchenmusikdirektor Uwe Maibaum, Bürgervereinsvorsitzender Lars Kentel und der Vorsitzende der Freunde Schloss Friedrichstein, Peter Schultheis, Grußworte.

Vor 300 Jahren, als Baumeister Julius Rottweil die Philipp-Nicolai-Kirche erbaute, waren auch am nahegelegenen Schloss Friedrichstein umfangreiche Umbauarbeiten im Gange, erinnerte Schultheis. (szl)

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