Wehrführer überraschend zurückgetreten, und kompletter Vorstand zog nach

Alraft ohne eigene Feuerwehr

Eitel Freude bei der Schlüsselübergabe für die Feuerwehrgarage 2010. Heute ist Trübsal angesagt: Wehrführer Thomas Klingelhöfer (rechts) ist zurückgetreten und mit ihm der komplette Feuerwehr-Vorstand. Die Einsatzabteilung hat sich aufgelöst. Bürgermeister Feldmann führt den Verein als Not-Vorstand. Foto: Archiv

Waldeck-Alraft - Der Alrafter Wehrführer Thomas Klingelhöfer ist überraschend zurückgetreten. Die Einsatzabteilung hat sich aufgelöst - der Waldecker Stadtteil hat keine schlagkräftige Feuerwehr mehr im Dorf.

In einer Mitgliederversammlung habe Vorsitzender und Wehrführer Thomas Klingelhöfer seinen Rücktritt bekannt gegeben, bestätigte Ortsvorsteher Philipp Litschel auf WLZ-Anfrage. Ihm schloss sich das komplette Gremium an. Weil der gesamte Feuerwehr-Vorstand nicht mehr im Amt sei, führe Bürgermeister Jörg Feldmann den Verein als „Not-Vorstand“.

Er werde in Kürze eine Versammlung einberufen. „Da wird dann entschieden, was weiter passiert“, kommentiert Litschel den Fortgang. Unter anderem gehe es um das Vermögen in der Vereinskasse.

Große Lücke im dörflichen Leben

Die Alrafter Einsatzgruppe mit etwa zehn Feuerwehrleuten habe sich bereits aufgelöst. Vier Kameraden haben sich laut Litschel der Feuerwehr in Sachsenhausen angeschlossen. Das Feuerwehrauto sei bereits abgezogen, und die Einsatzkleidung werde an andere Wehren verteilt.

„Es ist davon auszugehen, dass alles vorbei ist“, zieht der Ortsvorsteher traurig das Fazit. Der Brandschutz in dem kleinen Waldecker Stadtteil (160 Einwohner) bereite keine Sorge. „Sachsenhausen ist gut ausgerüstet, da sind wohl keine Engpässe zu befürchten.“ Im örtlichen Leben jedoch hinterlasse die Feuerwehr eine große Lücke. Sie richtete insbesondere das Osterfeuer und die größte Veranstaltung im Dorf - das alljährliche Lindenfest - aus. „Das ist ein Verlust für die Dorfgemeinschaft“, merkt Litschel an. Es sei zu überlegen, ob der Bürgerverein diese Veranstaltungen in anderer Form weiterführen könne. Der Blick ist nach vorn gerichtet: „Wir müssen sehen, welche anderen Chancen wir ergreifen.“

Erst im Jahr 2010 wurde die neue Feuerwehrgarage eingeweiht. Rund 2100 Arbeitsstunden leisteten die Alrafter beim Bau, und die Stadt Waldeck investierte 50 000 Euro. Geld, das durch die überraschende Auflösung der Einsatzabteilung nur drei Jahre später in den Sand gesetzt ist. Dies bedauert der Ortsvorsteher ganz besonders: „Ich hoffe, dass es deswegen nicht zu einem Vertrauensbruch kommt.“

Rettungsversuch im Januar

Stadtbrandinspektor Uwe Schaumburg will am Montag eine gemeinsame Stellungnahme mit Bürgermeister Feldmann abgeben. Sorgen um den Brandschutz in Alraft zerstreute der Rathauschef bereits gestern gegenüber der WLZ: „Durch die Sachsenhäuser Wehr wird die zehnminütige Hilfeleistungspflicht idealerweise eingehalten - es wird sich daher nichts dramatisch ändern.“

Ob nach dem Verlust der Einsatzabteilung zumindest der Feuerwehrverein für die Dorfgemeinschaft erhalten bleibt, das zeige sich bei der Jahreshauptversammlung im Januar. „Es soll der Versuch unternommen werden, einen neuen Vorstand zu wählen“, kündigte Feldmann an.

Wehrführer Thomas Klingelhöfer war für eine Stellungnahme gestern bis Redaktionsschluss nicht erreichbar.(höh)

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