Kirchengemeinde kann Gebäude auf Dauer nicht halten

„Alte Schule“ am Wildunger Kirchplatz steht zum Verkauf

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Die Kirchengemeinde will sie verkaufen: die Alte Schule am Kirchplatz.

Bad Wildungen – Im vor wenigen Tagen verteilten Gemeindebrief schreibt die Kirchengemeinde Bad Wildungen die „Alte Schule“ am Kirchplatz zum Verkauf aus.

Allerdings ohne einen Preis zu nennen.„Das tun wir öffentlich natürlich nicht“, erklärt Pfarrer Hubertus Marpe. Zunächst sei die Anzeige ausschließlich an dieser Stelle erschienen, um mögliche Interessenten in Bad Wildungen auf die Immobilie aufmerksam zu machen.

Der Beschluss zum Verkauf der Alten Schule fiel im Kirchenvorstand vor einigen Jahren: „Aktuell hat ihn der Vorstand noch einmal bestätigt“, sagt Marpe.

Perspektiven für das Gebäude seien schwer zu entwickeln. Das liege am Denkmalschutz und der Tatsache, dass keine Freifläche zur Immobilie gehört. Der Stadt sei das Haus schon angeboten worden, doch zu ernsthaften Verhandlungen kam es bislang nicht.

Ein besonderer Aspekt: Die öffentlichen Toiletten in der Alten Schule – die einzige Anlage in der Altstadt außerhalb der Parkhäuser – bedürfen dringend der Sanierung und werden im urologischen Heilbad Wildungen gebraucht. „Wir veräußern ohne Vorbedingungen. Ein Käufer müsste unsere Mieter nicht übernehmen, auch wenn wir uns das wünschen würden“, fügt der Pfarrer hinzu.

Die Räume der Alten Schule sind seit langem vermietet. Zu den Nutzern zählen das Wildunger Mehrgenerationenhaus (MGH), die Beratungsstelle des Diakonischen Werkes und der Landkreis mit seinem Welcome-Sprachförderungsprojekt für Zuwanderer.

„Die Mieteinnahmen decken die laufende Unterhaltung“, sagt Marpe. Das Problem: In nicht allzu ferner Zukunft steht eine umfangreiche Renovierung an, „für die man sicher um die 500 000 Euro ansetzen muss“, fügt der Pfarrer hinzu.

Das lasse sich aus den Einnahmen nicht mehr finanzieren, zumal die Landeskirche Kurhessen-Waldeck bei der Vergabe von Zuschüssen andere Prioritäten setze: auf Gotteshäuser und Kindertagesstätten.

„Bei Gemeindehäusern gibt es einen Schlüssel, und der ist für uns mit dem Martin-Luther-Haus erfüllt“, unterstreicht Marpe.

Und die Wildunger Kirchengemeinde braucht bald sehr, sehr viel Geld. „Das Dach der Stadtkirche ist sanierungsbedürftig“, erläutert Marpe. Vor Jahren bereits sei der Aufwand auf 1,5 Millionen Euro geschätzt worden. Mittlerweile dürften die Kosten deutlich höher liegen. So hoch, dass sie dem Jahresetat der ganzen Landeskirche für solche Projekte gleich kämen, vermutet Marpe.

Deshalb müsse die Kirchengemeinde alle finanziellen Kräfte bündeln. Immerhin kommt ihr laut Marpe zu Gute, dass die zum Bestand gehörenden Kirchen in Altwildungen und Mandern sowie das Luther-Haus sich in gutem Zustand befinden.

Die Kirche habe die Alte Schule der Stadt angeboten, bestätigt Bürgermeister Ralf Gutheil, „aber ohne uns eine Vorstellung vom Kaufpreis mitzuteilen.“ So wisse die Stadt nicht, ob sie sich das Gebäude angesichts ihrer angespannten Finanzlage überhaupt leisten könne. Eine schwierige Situation: auch, weil das Mehrgenerationenhaus in der Alten Schule untergebracht ist. Einen Ausweg bildet vielleicht das angestrebte „Integrierte Stadtentwicklungskonzept“, kurz ISEK, für die Altstadt. Werden Kommunen ins Programm aufgenommen, erhalten sie Fördergelder von Bund und Land. Um das Konzept zu verwirklichen, würde die Stadt eine Stadtentwicklungsgesellschaft gründen. Diese würde auch Gebäude kaufen und für eine Nutzung vorbereiten, inklusive Planungen und Genehmigungsverfahren etwa.

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