Weshalb und wie die Brunnenallee saniert werden soll

Die alten Linden leiden

Bad Wildungen - Spätestens seit Alexandra („Mein Freund, der Baum - ist tot!“) und dem gallischen Hündchen Idefix, das bei jeder umgestürzten Buche in Tränen ausbricht, ist jedem Menschen klar, dass an Bäumen nicht nur Blätter, sondern auch Emotionen hängen.

„Wenn wir die Brunnenallee abholzen wollten, würde ich ein Fluchtfahrzeug mit laufendem Motor bereitstellen“, bringt Bürgermeister Volker Zimmermann die besondere Bindung der Wildunger zu ihren Linden entlang der Allee zum Ausdruck.

Seine Ankündigung von vor zwei Wochen, die Bäume müssten nach und nach durch neue ersetzt werden, hat viele Badestädter verunsichert und lässt seitdem Telefone im Rathaus sorgenvoll klingeln.

Mit 360 Jahren wohl Deutschlands älteste Allee

Es wäre schließlich nicht auszudenken, wenn Deutschlands mit 360 Jahren wohl älteste Alleeanlage - das besagen Recherchen des Kulturbeauftragten Bernhard Weller - einfach verschwände.

Keine Sorge, sie tut es nicht.

Das betont Hans-Jürgen Kramer vom zuständigen Amt für Immobilienmanagement. „Ende der 1920er-Jahre hatte man den Mut, die Alleebäume komplett zu fällen und neue anzupflanzen“, erzählt der Amtsleiter. Das gleiche Vorgehen habe 2002 sein damaliger, auswärtiger Landesgartenschau-Geschäftsführerkollege vorgeschlagen, „doch ich habe ihm klargemacht, dass das in Wildungen nicht durchsetzbar ist.“

Was nichts an der betrüblichen Tatsache ändert, dass die Stadt das heiße Eisen anfassen muss. Denn die Linden kränkeln nach knapp 100 Jahren, aus drei Gründen:

Kein Wetter für Exoten

1. Es handelt sich um „Krimlinden“: eine exotische Züchtung aus Winter- und Schwarzmeerlinde. „Solche ‚Hybriden‘ haben generell eine geringere Lebenserwartung. Außerdem haben wir hier ein ganz anderes Klima als am Schwarzen Meer“, erläutert Kramer.

2. Die Bäume wurden in den 20ern zu dicht gepflanzt, nehmen und nahmen sich gegenseitig das Licht.

3. Das Wurzelwerk wird eingezwängt durch Pflaster, Rasen und die schweren, steinernen Pflanztröge. „Optisch eine tolle Sache, aber sie ersticken die Baumwurzeln praktisch“, sagt der Amtschef.

Die Linden werden absterben, Schäden in den Kronen treten bereits gehäuft auf, „und wir haben eine Verkehrssicherungspflicht“, betont der Bürgermeister.

Behutsam durch jüngere Bäume ersetzen

Deshalb sollen die Bäume nach und nach durch neue ersetzt werden. Behutsam und mit der Folge, dass die Allee über die Jahre ein verändertes Gesicht bekommt. Nach wie vor wird es die großen Kronen älterer, noch nicht hinfälliger Exemplare geben. Dazwischen finden sich jüngere verschiedenen Alters. „Ausschließlich heimische Winterlinden, weil sie robuster sind“, fügt Hans-Jürgen Kramer hinzu. 15 von den 215 Alleebäumen wurden bereits ausgetauscht.

Platz schaffen für die Neuen

Einfach für jedes alternde, siechende Exemplar an dieselbe Stelle einen Jungspund zu setzen, würde allerdings nicht funktionieren. Wegen der zu geringen Abstände zwischen den alten Linden würde der junge Baum im verzweifelten Streben nach Licht krumm und schief heranwachsen, betont Kramer: „Darum werden wir, wenn ein alter Baum gefällt werden muss, zusätzlich ein bis zwei Nachbarbäume wegnehmen, um genug Platz für den neuen zu erhalten.“

Großes Geburtstagsfest für die Allee geplant

All das geschieht nicht von heute auf morgen und wird ausführlich vorbereitet, verspricht Kramer. Die Stadt zieht Botanikexperten von außerhalb zu Rate, stimmt sich mit Natur- und Denkmalschutzbehörden ab.

„Wir müssen mit dieser Arbeit beginnen, um die Allee für künftige Generationen zu erhalten“, bekräftigt der Bürgermeister, auch wenn damit kein Schönheitspreis „Lokalpolitik“ zu gewinnen sei. Bevor es losgeht, will die Stadt aber im laufenden Jahr mit einem großen Fest den 360. Geburtstag ihrer Allee feiern. (su)

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