Am Sonntag in der Philipp-Nicolai-Kirche

Altwildunger Organistin Eva Mombrei nimmt nach 60 Jahren Abschied

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Abschied von der Orgel nach 60 Jahren; Organistin Eva Mombrei an der Orgel der Philipp-Nicolai-Kirche gemeinsam mit ihrem Ehemann Pfarrer i.R. Klaus Mombrei.

Bad Wildungen. Am Sonntag, 26. August, 10.30 Uhr wird während des Gottesdienstes in der Altwildunger Philipp-Nicolai-Kirche die Organistin Eva Mombrei verabschiedet.

Sie hat dann 60 Jahre lang auf der Orgelbank gesessen, nachdem sie zuerst 1958 die Gottesdienste ihres Vaters im Kirchspiel Niederurff an der Orgel begleitete.

Damals ahnte Eva Möller – so ihr Name vor ihrer Heirat mit dem Pfarrer Klaus Mombrei – noch nicht, dass das Orgelspielen für den größten Teil ihres Lebens eine wichtige Aufgabe sein würde. An Sonn- und Feiertagen und zu vielen kirchlichen Anlässen spielte sie schließlich 60 Jahre lang dieses Instrument und muss nun aus gesundheitlichen Gründen aufgeben.

Viel erlebt in all der Zeit

Eva Mombrei hat an der Kirchenmusikalischen Fortbildungsschule in Schlüchtern eine Reihe von Kursen besucht und schließlich die C-Prüfung für Organisten abgelegt. „Eine Menge habe ich in den 60 Jahren erlebt“, erinnert sich die Organistin, etwa die Einführung von zwei neuen Gesangbüchern.

Als Ende der 1950er Jahre das schon früher erschienene Gesangbuch in den Gemeinden eingeführt wurde, stieß dies bei vielen älteren Kirchenbesuchern auf Widerstand „wegen der vielen neuen Melodien“. Sie waren aber gar nicht so neu, da wieder die ursprünglichen Melodien verwendet wurden. „Ein alter regelmäßiger Kirchgänger knallte jedes Mal nach dem Choralvorspiel laut und für alle hörbar sein Gesangbuch zu, um allen seine Meinung über das neue Gesangbuch kundzutun“, erinnert sie sich.

Die Einführung des zweiten neuen Gesangbuches klappte viel besser, da vor dessen Veröffentlichung kleine Hefte mit neuen Liedern erschienen waren, die im Gottesdienst gesungen wurden.

Im Laufe ihres Organistinnenlebens hat Eva Mombrei auch „seltsame Dinge“ erlebt, etwa eine Sammlung mit Ausweichmelodien für alle, die nur einige und nicht alle Lieder des Gesangbuches singen wollten.

Zum Schmunzeln

Amüsiert hat sich die Organistin auch über ein Heftchen neben einer Orgel in einem Nachbarkirchspiel, das Texte für „ O du fröhliche, gnadenbringende Weihnachtszeit“ die „Osterzeit“ und die „Pfingstzeit“ enthielt. Ehemann Klaus Mombrei weiß, dass diese Formen sogar im alten waldeckischen Gesangbuch abgedruckt waren.

Eva Mombrei blickt dankbar auf die lange Zeit zurück, die sie anfangs mit ihrem Vater, später mit ihrem Mann sowie in ungezählten Vertretungsdiensten verbrachte: bei Gottesdiensten, Trauungen, Beerdigungen, Taufen und Abendmahlen. Besonders freut sich die Organistin darüber, dass ihre Tochter schon mit neun Jahren wusste, dass sie einmal Kirchenmusik studieren wolle und heute nach Studium und A-Examen auch als Kirchenmusikerin tätig sei. (szl)

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