Stresemann-Gymnasium gewinnt „Den großen Diktatwettbewerb“ in Frankfurt

Apophthegma oder wie?

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Bad Wildungen - „Apoftegma“, „Apophtegma” oder doch „Apophthegma”? – Wie schreibt man das und was bedeutet das überhaupt? So oder so ähnlich ging es in den Köpfen vor, als das Schulteam des Gustav-Stresemann-Gymnasiums gemeinsam mit rund 350 weiteren Schülern, Lehrern und Eltern in der Aula des Goethe-Gymnasiums in Frankfurt am Main am „Großen Diktatwettbewerb” teilnahm.

Nach intensiven Wiederholungen der neuesten Rechtschreibregeln, mit denen sogar auf der Zugfahrt nach Frankfurt die Mitreisenden unterhalten wurden, versuchten fünf orthografisch begeisterte Schüler der E-Phase gemeinsam mit ihrem Lehrer Christoph M. Heise ihr Wissen unter Beweis zu stellen.Geschrieben wurde das Wettbewerbsdiktat ohne Duden sowie unter strenger Aufsicht und anschließend getrennt nach den Kategorien Schüler, Lehrer, Eltern und Publikum bewertet. Dabei standen die Teilnehmer vor der Herausforderung, gegen die besten Diktatschreiber Hessens, Niedersachsens und Hamburgs antreten zu müssen, die sich bereits in Vorentscheiden für dieses überregionale Finale qualifiziert hatten.

Durchschnittlich 20 Fehler bei 231 Wörtern

Die durchschnittliche Fehlerzahl lag bei diesem 231 Wörter langen Diktat bei rund 20 Fehlern. Eine Jury ermittelte die rechtschreibkundigsten Teilnehmer. Während dieses Gremium, darunter Eintracht-Vorstand Axel Hellmann und Jury-Vorsitzender Dr. Werner Scholze-Stubenrecht (Chefredakteur des Dudens), die besten Diktate begutachtete, überbrückte der Slam-Poet Lars Ruppel die Wartezeit mit lockeren und unterhaltsamen Gedichten und Geschichten.Und am Ende wurde es dann verkündet: Lehrer Christoph M. Heise vom Bad Wildunger Gymnasium schaffte es mit nur fünf Fehlern in der Kategorie Lehrer auf den ersten Platz. Der große Rechtschreibepokal, den Heise für das Schulteam des GSG erhalten hat, zeigt einmal mehr, dass sich der Einsatz für die deutsche Sprache durchaus lohnen kann – oder, um es mit einem Apophthegma (Sinnspruch) zu sagen: „Ohne Fleiß kein Preis!“

Hintergrund: Das Diktat zum Finale

„Ein nervenzermürbendes Wiedersehen. Alles war tipptopp in Schuss gehalten – die akkurat gestutzten Thuja­hecken wie das Beet mit den Freesien, Dahlien und Primeln. „Hereinspaziert!“, grüßte Onkel Edgar. Er war ein Hüne, groß wie eine Litfaßsäule. „Jetzt beim Gratulieren nur nichts durcheinanderbringen“, dachte ich, den sehr angsteinflößend kläffenden Chihuahua beiseiteschiebend und meine auf halbmast hängende Hose zurechtrückend.

Es war Tante Ursels Geburtstag, dessentwegen ich frühmorgens aus Osnabrück in die Frankfurter Peripherie angereist war. In der Küche drehte sie, eine beredte Hamburger Deern, Pirouetten um den Herd, um noch beizeiten das Horsd'oeuvre zu Ende zuzubereiten. Um sie kreisten die quengeligen Zwillinge in ihren Pyjamas wie heißhungrige Pi­ranhas herum. „Gleich und Gleich gesellt sich gern, um es mit einem Apophthegma zu sagen. Aber wie soll ich mit zweien euresgleichen fertigwerden?“, echauffierte sie sich. Währenddessen machte der raubeinige Onkel Norbert sich daran, der Verwandtschaft seine Pläne zum Besten zu geben. Um nicht unwiederbringlich pleitezugehen und Bankrott zu machen, hatte er sich widerwillig breitschlagen lassen, sein mühselig Erspartes mittels hanebüchener Berater wieder flüssigzumachen. „Dass du das mal nicht gleich wieder loswirst“, meldete sich Ursel zu Wort: „Es ist immer ein und dasselbe mit dir. Ich kenne dich in- und auswendig.“ Prophylaktisch schielte ich auf meine nigelnagelneue Quarzuhr: Nichts konnte darüber hinwegtäuschen, dass es noch zwei Stunden waren, bis ich wieder von dannen fuhr.

Von Conny Höhne

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