Zu Besuch in Bebra und Rotenburg auf der Suche nach Anregungen für die Wildunger Diskussion um Stadtentwicklung

Auch ein Einkaufszentrum im Stadtkern wirkt keine Wunder

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"Das be!" von Bebra wirkt wie eine moderne Variante der Kasseler Kurfürstengalerie, aber lichtdurchfluteter und entgegen aller sonstigen Erfahrung im Herzen einer Kleinstadt.

Projektentwickler Martin Knauff wirbt für ein Einkaufscenter Brunnenallee 1. In Bebras Stadtkern verwirklichte er eins, genannt „das be!“. Von so einem Magneten erwarten CDU, SPD und Innenstadt-Initiative höhere Frequenz für die Wildunger Kernstadt und neues Leben für Leerstände.

Sie verweisen auf Negativ-Beispiele wie Homberg, in dem Einzelhandel an der Peripherie die Innenstadt lahm legte. Wie sehr glänzt das Vorbild Bebra? Was läuft in der Nachbarstadt schief mit dem „Rotenburg-Center“?

Ein Besuch in Bebra, der 14 000-Einwohner-Stadt 45 Kilometer südlich von Kassel, bringt ein facettenreiches Bild zutage. Ein modernes, 7000 Quadratmeter großes Einkaufscenter namens "Das be!" liegt seit September 2014 im Herzen des Ortes. 16 in der überwiegenden Zahl inhabergeführte Geschäfte finden sich darin, vorgelagert ein Aldi moderner Prägung und ein neuer dm. Die Resonanz bei Geschäftsleuten und Bewohnern der Stadt fällt positiv aus. Das Center bindet die Kaufkraft der Bebraer in der Stadt, belebt sie auch abends wegen einer integrierten Bar, die eine Angebotslücke schließt, und führt zu der einen oder anderen Investition in der unmittelbaren Nachbarschaft. Aber: Ab etwa 100 Metern im Umkreis des Centers gibt es viele Leerstände, weil die Geschäfte von dort einfach ins "be!" zogen und niemand nachrückte. Der tegut in unmittelbarer Nachbarschaft des neuen Aldi profitierte in keiner Weise von dessen Rückkkehr ins Zentrum und leidet weiter unter der erheblichen Erweiterung des Herkules-Marktes im vorgelagerten Industriegebiet von Bebra von vor einigen Jahren. Überzogene Erwartungen an ein zentral gelegenes neues Einkaufszentrum für Wildungen scheinen darum überzogen, zumal sich die Kurstadt selbst jetzt deutlich belebter und an Wochenenden geradezu voll ausnimmt im Vergleich zu Bebra.

In Rotenburg leidet dagegen die Fachwerk-Innenstadt nach Meinung vieler Geschäftsleute dort massiv, seitdem das 8600 Quadratmeter große Rotenburg-Center 2013 eröffnete - obwohl es gar nicht so weit vom Stadtkern entfernt liegt und bequem zu Fuß erreichbar wäre. Weitaus mehr kleine Ladenlokale in Rotenburgs Innenstadt stehen leer als es im benachbarten Bebra der Fall ist. Das Center selbst kann es an architektonischer Attraktivität nicht einmal mit der Wildunger Fürstengalerie aufnehmen, geschweige denn mit dem lichtdurchfluteten, einladenden Bau von Bebra. (su)

Eine ganze Seite zu dem Thema finden Sie in der morgigen Printausgabe.

Eindrücke aus den Innenstädten und Einkaufszentren von Bebra und Rotenburg

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