Keine Änderungen zwecks Sparens im dritten Bauabschnitt des Scharniers

Augen zu und durch die Mehrkosten

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Zügig geht’s voran im Scharnier, über den zweiten Abschnitt schweift der Blick hinauf Richtung Allee in den dritten, der von der Sparkasse bis zur Wilhelm-Schultheis-Straße reicht. Die zentralen Umgestaltungen dort: das Ver- und Zusammenlegen des Bustreff

Bad Wildungen - „Ich bin für die teuerste Variante“, sagte Oliver Syring (CDU). „Welche Gestaltung meinst du?“, fragte Jürgen Graul (FDP) und bekam zur Antwort: „Egal – Hauptsache, die teuerste.“

Der Fraktionschef der Christdemokraten flüchtete sich am Dienstagabend im Planungsausschuss in Galgenhumor. Der dritte Scharnier-Bauabschnitt, in dem ein großer Teil der Wildunger Parlamentarier vor wenigen Monaten noch den Rotstift ansetzen wollte, um die Mehrkosten aus den Abschnitten I und II wieder hereinzuholen; dieser dritte Bauabschnitt wurde ohne Änderungen und ohne große Diskussion durchgewunken, zum Entsetzen der Union.

SPD, Grüne, FDP, FWG einig

Nicht nur die Koalition aus SPD, Grünen und FDP wollte vom Sparen im Bereich zwischen Sparkasse und Wilhelm-Schultheis-Straße nichts mehr wissen. Auch Dr. Hans Schultheis von der FWG hob den Arm dafür, die vom Planungsbüro Sinai mehrfach präsentierten Entwürfe ohne Wenn und Aber zu verwirklichen.

Im Gegenteil. An einigen Detailpunkten beschloss die Mehrheit zusätzliche, wenn auch überschaubare Investitionen in Barrierefreiheit: am Nymphenbrunnen und am Taxistand. Die Christdemokraten standen plötzlich völlig alleine da und reagierten entsprechend verdutzt. „Wir hatten etwas anderes erwartet, eine intensive Diskussion“, kritisierte Marc Vaupel. Am liebsten hätte die CDU das Thema nochmals in die Stadtverordnetenversammlung gebracht.

Drei Varianten zur Auswahl

Die Stadtverwaltung hatte drei Varianten vorgeschlagen. Bei der sparsamsten hätte man das Pflaster rund um den Kurschattenbrunnen und auf der Nordseite der Allee (Wackerbarth-Passage, früherer Seifenplatz) praktisch unverändert liegen gelassen. Nur auf der Südseite wäre der neue, graue Belag aus den ersten beiden Bauabschnitten zum Einsatz gekommen.

Bis zu 500 000 Euro hätten die Politiker so einsparen können. Doch bereits in den Diskussionen der vergangenen Wochen hatte FDP-Mann Jürgen Graul davor gewarnt: „Wir erhalten einen Flickenteppich, ein Sammelsurium.“ Graul wiederholte im Ausschuss sein Argument, dass die Brunnenallee vor Jahrzehnten fast nicht zu Ende gebaut worden wäre, ebenfalls aus Kostengründen: „Heute sind wir froh, dass wir damals anders entschieden haben.“

Kaufleute für Barrierefreiheit

Hinzu kam, dass anliegende­ Geschäftsleute des dritten Scharnier-Abschnitts mit dem Wunsch an die Stadt herangetreten sind, weitgehende Barrierefreiheit herzustellen mit Blick auf die älteren Kunden und die Klientel aus den Reha-Kliniken. Dazu müssen Höhen im Gelände angepasst werden und das macht Spareffekte mittels Festhalten am alten Pflaster großteils zunichte.

Es wird wohl noch teurer

So lautet die Argumentation der Planer, der sich die Mehrheit von sechs Ausschussmitgliedern gegen die drei CDU-Vertreter anschloss. Auch das Kurschatten-Umfeld wird nun verändert. Nur der Brunnen selbst inklusive Rankgerüst und Steinsockeln bleibt unangetastet.

Laut Kostenermittlung vom vergangenen Oktober wird der dritte Bauabschnitt darum 1,5 Millionen Euro kosten – mindestens, denn die Baupreise sind seitdem gestiegen. Auch die Ausschreibungen für die ersten beiden Abschnitte waren schon höher ausgefallen als die Kostenermittlungen.

Nun folgt die Ausschreibung

Unklar ist, wie viele Zuschüsse die Stadt letztlich erhält. Im günstigsten Fall bekommt Bad Wildungen zwei Drittel der Summe zurückerstattet. Das Bauamt schreibt nun den dritten Bauabschnitt aus.

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