Darstellerinnen aus Deutschland und Italien

Aus den Dolomiten in die weite Welt: Geschichte der Eismänner auf Wildunger Theaterbühne

Nach der Vorstellung gab es eine Kugel Eis aus dem historischen Eiswagen. Foto: Senzel

Bad Wildungen. „Vola, vola, vola“ („fliege, fliege, fliege“) lautete der Titel eines kleinen Stücks, das im voll besetzten Spritzenhaus vom Zweier-Ensemble des Theaters „Rondine“ aufgeführt wurde – ein intimes Zimmertheater und rundum gelungen.

Die Darstellerinnen Barbara Fingerle und Daniela Friedrich haben das Stück als Auftragsarbeit gemeinsam mit Marcus A. Friedrich, der für die Technik verantwortlich war, zweisprachig in Deutsch und italienisch geschrieben. Es skizziert die Geschichte der Gelatieri, eigentlich für Kinder gedacht, um diese mit den Problemen von Migration und Integration vertraut zu machen. „Aber wir haben schnell festgestellt, das geht auch für Erwachsene“, betonte Marcus A. Friedrich.

Bis heute werden 3000 von den 4000 italienischen Eisdielen von Eismachern aus zwei Dolomitentälern betrieben. „Kein Land der Welt ist den Gelatieri zu weit, um einen Eissalon zu eröffnen.“ Die Darstellerinnen legten sich pantomimisch ins Zeug, schienen zu fliegen, so wie die Schwalben von Nord nach Süd über die Dolomitentäler.

Bei Kaiser Franz Josef gelernt

„Es werden immer weniger – früher haben wir Hunderte von Schwalben gezählt, heute sind wir mit 40 Vögeln zufrieden.“ Das beklagen Mutter und Tochter in „vola, vola, vola“ und machten die intensive Landwirtschaft dafür verantwortlich, aber auch die Feinschmecker auf Malta, die Appetit auf Schwalben haben. Vergessen haben die Autoren des Stückes wohl die vielen Singvögel, die mit Netzen gefangen in der italienischen Polenta landen.

Die beicen Darstellerinnen, die Italienerin Barbara Fingerle aus Bozen und die Deutsche Daniela Friedrich aus Flensburg, waren überzeugende Protokollantinnen. Gekonnte Gestik, eindrucksvolle Mimik und pantomimische Einlagen machten den Reiz und den Charme des Stückes aus, zusammen mit der deutsch-italienischen Sprache.

So wie die Schwalben weniger werden, so geht es auch mit den Gelatieri, den Eismachern aus den Dolomitentälern. Die armen Holzhacker und Bauern sind einst aufs Eismachen gekommen, weil sie sich auskannten mit Eis und Schnee, und die Bergbauern auch mit Milch und Sahne. Am Hof von Kaiser Franz Josef lernte einer der Eismacher die Tricks des Kühlhaltens von Eis kennen.

Der Eismann ist da

Inzwischen führen aber immer weniger junge Leute die zum Teil alten Familientraditionen weiter. So ist auch längst noch nicht sicher, ob Giosue, der Jüngste aus der Bad Wildunger Eismacherfamilie Sagui, die elterliche Eisdiele einmal übernimmt oder lieber Skilehrer in den Dolomiten wird.

Zur Überraschung híeß es nach dem Stück „Gelato, Gelato, Gelato – der Eismann ist da“, und die Familie Sagui spendierte jedem Besucher eine Kugel italienisches Eis aus einem schmucken, alten Eiswagen.

Von Werner Senzel

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