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Bad Wildunger Holzfachschule aus Insolvenz zum Exzellenzzentrum

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Nachwuchs für die Säge- und Holzindustrie: Die besten Nachwuchstischler treten regelmäßig an der Holzfachschule zu Meisterschaften an, im Bild Lukas Scharkopf in 2020.
Auf modernem Stand der Technik: In Werkstätten wird Nachwuchs für die Säge- und Holzindustrie ausgebildet: Die besten Nachwuchstischler treten regelmäßig  zu Meisterschaften an, wie im im Bild Lukas Scharkopf in 2020. © Holzfachschule/pr

Vor zehn Jahren stand die Holzfachschule in Bad Wildungen vor der Insolvenz. Unter neuer Trägerschaft hat sich die Bildungsstätte weiter entwickelt und ist heute auf dem Weg zum Exzellenzzentrum.

Bad Wildungen – Vor zehn Jahren steckte die Holzfachschule in einer finanziellen Schieflage. Der Vorstand des Trägervereins stellte in 2012 am Amtsgericht Fritzlar Antrag auf Eröffnung eines Insolvenzverfahrens. Nach intensiven Verhandlungen mit Insolvenzverwalter, Bank, öffentlichen Zuschussgebern, kommunalen Gremien sowie dem Betriebsrat wurde die weitere Existenz gesichert.

Unter der neuen Trägerschaft ist die Bildungsstätte inzwischen auf solidem Kurs.

Seit Übernahme durch neuen Träger rund 11 Millionen Euro in Holzfachschule investiert

Träger der neuen Holzfachschule ist der Fachverband „Leben Raum Gestaltung Hessen“, der die Dachorganisation der Landesinnungsverbände für hessische Tischler, Bestatter sowie das Montagegewerbe bildet. Schulleiter Hermann Hubing zog in einer Pressekonferenz im Anschluss an eine Aufsichtsratssitzung Bilanz über die Entwicklung in den zehn Jahren.

Seit der Übernahme durch den Verband wurden rund 11 Millionen Euro in die Schule investiert, gefördert zum großen Teil vom Bund und vom Land Hessen. Zusätzliche Unterstützung zum Erhalt des Standortes kam vom Landkreis Waldeck-Frankenberg und der Stadt Bad Wildungen. Ziel sei es, die Schule schuldenfrei und zukunftsfähig zu machen.

Tischlerverband rettete die Holzfachschule

Bürgermeister Ralf Gutheil bekräftigte die Bedeutung der Holzfachschule. Diese sei nicht nur vor Ort fest etabliert sondern habe sich auch weit über die Grenzen der Region hinaus einen sehr guten Ruf erworben.

Der Landesinnungsmeister des hessischen Tischlerhandwerks und Fachverbands-Vizepräsident Wolfgang Kramwinkel erinnerte an die risikoreiche Entscheidung des hessischen Tischlerverbandes, die Schule nach der Insolvenz vor dem Aus zu bewahren. Diese habe sich in der Rückschau als richtig erwiesen, auch bei der Fusion mit dem rheinland-pfälzischen Landesverband sei der Erhalt der Holzfachschule als äußerst wichtig angesehen worden.

In Bad Wildungen ausgebildete Fachkräfte stärken Säge- und Holzindustrie

Horst Fularczyk hob insbesondere die Qualität der Lehre an der Holzfachschule hervor, die seit 1972 Bundesfachschule Modell- und Formenbau ist. In Besitz des Fachverbandes und mit einem sehr guten Dozententeam ausgestattet sei die Holzfachschule für Auszubildende und Meisterschüler die zentrale und unverzichtbare Aus- und Weiterbildungsstätte.

Lars Schmidt, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Säge- und Holzindustrie, unterstrich die Bedeutung der Schule für die Branche. Fachkräfte, die dort ausgebildet worden seien, stärkten die hiesig Säge- und Holzindustrie für den internationalen Wettbewerb. Die überregional anerkannte Ausbildungsstätte mache zudem den Beruf attraktiv für junge Menschen.

Der Aufsichtsrat: Horst Fularczyk, Holm Pfeiffer, Thomas Radermacher, Wolfgang Kramwinkel, ständiger Gast Ulrich Tent, Ralf Gutheil, Lars Schmidt und Geschäftsführer Hermann Hubing (von links).
Der Aufsichtsrat: Horst Fularczyk, Holm Pfeiffer, Thomas Radermacher, Wolfgang Kramwinkel, ständiger Gast Ulrich Tent, Ralf Gutheil, Lars Schmidt und Geschäftsführer Hermann Hubing (von links). © Holzfachschule/pr

Wahlen im Aufsichtsrat

Die Mitglieder des Aufsichtsrates wählten Thomas Radermacher, den Präsidenten des Bundesverbandes Holz und Kunststoff, zu ihrem Vorsitzenden. Sein Stellvertreter ist Horst Fularczyk vom Bundesverband Modell- und Formenbau. Radermacher beschrieb die gesellschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen sowie die besondere Rolle des Tischler- und Schreinerhandwerks hinsichtlich nachhaltiger Wirtschafts- und Energiepolitik.

Dafür müsse auch die Holzfachschule als Exzellenzzentrum und Wissens-Cluster weiterentwickelt werden. Dies funktioniere aber nicht ohne die Unterstützung der Politik. Die lange geforderte Gleichwertigkeit von beruflicher und akademischer Bildung dürfe nicht nur in Sonntagsreden stattfinden, betonte der Aufsichtsratsvorsitzende.

Eine Herzensangelegenheit Radermachers ist die Positionierung der Holzfachschule als Bundesfachschule für das Tischler- und Schreinerhandwerk. Er sei zuversichtlich, dass dies in absehbarer Zeit zu erreichen sei.

1953 als Berufsfachschule für Sägewerker in Bad Wildungen eröffnet

Als Berufsfachschule für Sägewerker wurde die Bad Wildunger Holzfachschule im Jahr 1953 eröffnet. Sie war die Nachfolgerin der „Berufserziehungsstätte Sägewerke e. V. Berleburg“. Neben vier Unterrichtsgebäuden mit Internat wurden ein Lehrsägewerk sowie der Verwaltungsbau mit Küche und Speisesaal errichtet.

Ursprünglich wurden Lehrgänge für Gatterführer und Sägenschärfer abgehalten, aber auch für Beschäftigte in den Betriebsbereichen Rundholz, Schnittholz, Holztrocknung. Heute ist die Holzfachschule staatlich anerkannte zentrale Berufsschule für die Holzbearbeitung mit 15 Einzelgebäuden und 20 Lehrsälen und bietet eines der umfangreichsten Aus- und Weiterbildungsangebote für Handwerk und Industrie in Deutschland.

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