Offiziell in Betrieb genommen

Neues Internat ist für Wildunger Holzfachschule nur erster Schritt zur Modernisierung

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Blicken vorm neuen Internatsgebäude zuversichtlich in die Zukunft der Holzfachschule: (von links) Ralf Gutheil, Hermann Hubing und Axel Henkel.

Das neue Internatsgebäude der Wildunger Holzfachschule ist seit Freitag offiziell in Betrieb.

Die traditionsreiche Bildungsstätte stand nach der Insolvenz des alten Trägervereins 2012 vor dem Aus. Nun setzt die Holzfachschule ein millionenschweres Ausrufezeichen für die Zukunft im achten Jahr ihrer neuen Organisationsstruktur. Das machte Geschäftsführer und Schulleiter Hermann Hubing in der Feierstunde im Auditorium deutlich: „Das neue Internat stellt den ersten Schritt dar. Wir wollen das führende Bildungsinstitut der Holzwirtschaft in Deutschland sein“, unterstrich Hubing.

Auch erneuern: Sägewerk, Tischlerwerkstätten, Mensa, Bestatter-Institut

5,8 Millionen Euro hat der Bau gekostet. Geschätzte weitere 26 Millionen Euro seien erforderlich, um die Holzfachschule mit all ihren angeschlossenen Fachrichtungen umfassend zu modernisieren. Der Großteil der Bestandsgebäude ist Jahrzehnte alt, stammt gar noch aus den 1920er oder 1950er Jahren. Zu den Plänen der Runderneuerung zählen ein neues Sägewerk sowie Neubau von Tischlerei-Werkstätten, Mensa und Bestatter-Institut.

Axel Henke, zuständiger Abteilungsleiter im hessischen Wirtschaftsministerium, wertete das neue Internat als „klares Zeichen für den Standort Bad Wildungen“. Denn 90 Prozent der Investition steuere die öffentliche Hand bei. Die Landesregierung sei sich der regionalpolitischen Bedeutsamkeit der Holzfachschule bewusst. Deren Rolle sei abgestimmt mit der Bildungsstruktur des Handwerks in Nordhessen insgesamt.

Henke betonte in diesem Zusammenhang die herausgehobene Position des hessischen Handwerks in der Ausbildung. Die Zahl der dort abgeschlossenen Lehrverträge sei 2018 im Vergleich zum Vorjahr auf mehr als 10.000 gestiegen. Der Aufwärtstrend setze sich 2019 fort.

Handwerk auf Ausbildungsmarkt konkurrenzfähig halten

Überbetriebliche Bildungsstätten wie die Holzfachschule versähen in der dualen Ausbildung eine wesentliche Funktion. Denn sie ermöglichten es kleineren Betriebe, durch ein modernes Ausbildungsangebot konkurrenzfähig zu bleiben im Wettbewerb „mit den Großen“ um junge Nachwuchskräfte.

Mit Blick auf die Digitalisierung der Wirtschaft steige die Bedeutung von beruflicher Weiterbildung – Stichwort „lebenslanges Lernen“. Die Fortbildung zählt ebenfalls zum Kerngeschäft der Holzfachschule und liefert aus Sicht des Ministeriums ein weiteres starkes Argument, sie zu unterstützen.

Ralf Gutheil gratulierte als Wildunger Bürgermeister und Mitglied des Aufsichtsrates der Holzfachschule: „Auch wenn die Verhandlungen darüber sicher schwierig werden, sind die weiteren Investitionen nötig.“ Um attraktiv für die Jugend zu sein, müsse man eine moderne Ausbildung und ein modernes Umfeld bieten.

HINTERGRUND

Von den 5,8 Millionen Euro Kosten für das neue Internatsgebäude mit seinen 93 Plätzen übernimmt der Bund 40 Prozent. Die Europäische Union und das Land Hessen tragen gemeinsam 50 Prozent, und 10 Prozent entfallen auf Eigenmittel der Holzfachschule. „Wir haben die ursprünglich angesetzten Kosten um nur 61.000 Euro überschritten“, sagt Hermann Hubing. Er rechnet das seiner Stellvertreterin Csila Klausner und Architekt Markus Jungermann hoch an. „Seit sieben Jahren haben unsere Mitarbeiter keine Gehaltserhöhungen erhalten. Das belegt das Engagement aller für die Zukunft dieser Einrichtung“, betont Hubing. 

Die Schule investierte in sieben Jahren seit dem Trägerwechsel sechs Millionen Euro in neue Maschinen. Trotzdem sei es seit der Umorganisation 2012 gelungen, den übernommenen Schuldenberg um 25 Prozent abzutragen. Der hessische-rheinland-pfälzische Fachverband Leben-Raum-Gestaltung als Träger der Bildungsstätte bezahlt deren Geschäftsführer Hermann Hubing, denn dieser fungiert in Personalunion auch als Hauptgeschäftsführer des Verbandes. „Raum-Leben-Gestaltung“ vertritt nach eigenen Angaben rund 2000 Innungsbetriebe aus Tischlerhandwerk, Bestattungs- und Montagegewerbe in den beiden Bundesländern.

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