Angeklagter zeigt Reue: 

Mann am Kopf verletzt und Autos beschädigt: Urteil gegen Steinewerfer gefallen

Weil er offenbar gezielt  Steine auf Autos geworfen und einen Mann am Kopf verletzt hatte, wurde ein Mann vom Amtsgericht Fritzlar zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

  • Mann wirft im Februar 2019 inBad Wildungen mit Steinen auf Autos
  • Dabei wird ein Mann schwer am Kopf verletzt
  • Die Freiheitsstrafe wird auf Bewährung ausgesetzt

Bad Wildungen/Fritzlar - „Das kommt nicht wieder vor,“ versicherte ein 29-jähriger Mann aus Bad Wildungen, bevor ihn das Schöffengericht am Amtsgericht Fritzlar zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilte – auf drei Jahre ausgesetzt zur Bewährung. 

Verurteilt wurde er wegen sechs Straftaten, die er am 9. Februar 2019 in der Badestadt begangen hatte – Sachbeschädigung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr und gefährliche Körperverletzung.

Urteil gegen Steinewerfer aus Bad Wildungen: Aus Eritrea über Italien und Luxemburg nach Bad Wildungen

Der bisher nicht vorbestrafte Mann stammt aus Eritrea. Der Straßenverkäufer flüchtete, weil er nicht zum Militär wollte. Über Libyen, Italien, Frankreich und Luxemburg kam er vor über zwei Jahren nach Deutschland. In Bad Wildungen genoss er Kirchenasyl der Evangelischen Gemeinschaft.

Jetzt lebt er in einer Unterkunft für Flüchtlinge. Über seinen Asylantrag ist noch nicht entschieden. Er hoffe, bald wieder arbeiten zu können, sagte der 29-Jährige. Seine bisherige Arbeit in Stadtallendorf habe er wegen der Corona-Krise verloren.

Urteil gegen Steinewerfer aus Bad Wildungen: Stein spaltet Ohr eines Autofahrers

Ihm wurde vorgeworfen, mehrere Autos in Bad Wildungen mit Steinen beworfen und dabei einen Mann verletzt zu haben. Größere Wackersteine, spitze Schiefersteine und einen Stein in der Größe eines DIN-A-4-Blattes habe er gezielt geworfen, insbesondere gegen die Windschutzscheiben. 

Der Sachschaden lag zwischen 800 und 2700 Euro. In einem Fall wurde ein Autofahrer am Ohr getroffen. Es wurde gespalten, der Mann erlitt eine Platzwunde am Kopf.

Urteil gegen Steinewerfer aus Bad Wildungen: "Er war außer Rand und Band"

„Mein Mandant bedauert, was passiert ist, zutiefst“, betonte der Pflichtverteidiger. Er habe keine konkreten Erinnerungen an die Vorkommnisse, er erkenne aber ohne Zweifel an, die Taten begangen zu haben. Die materiellen Schäden habe er beglichen und sich persönlich bei allen Geschädigten entschuldigt. 

„Er war außer Rand und Band.“ Sein Mandant habe in der Nacht zuvor viel Alkohol getrunken, obwohl er „sonst mit Alkohol gar nichts zu tun hatte“. Laut Beweisaufnahme kam er mit 2,07 Promille auf die Intensivstation. 

„Ich ärgere mich auch“, sagte der Angeklagte. Eine Zeugin berichtete, wie ihm die Evangelische Gemeinschaft – ein eingetragener Verein in Bad Wildungen – unterstützte und Kirchenasyl gewährte. 

Das sei für die Betroffenen eine enorme psychische Belastung. Eine Gruppe in der Kirche habe sich sehr um ihn gekümmert und ihm auch beim Verfassen der Entschuldigungsschreiben geholfen. Der Vorfall mit den Steinwürfen habe „alle sehr geschockt“, sagte die Frau, die auch Integrationsbeauftragte eines Flüchtlingshilfevereins ist.

Urteil gegen Steinewerfer aus Bad Wildungen: 120 Stunden gemeinnützige Arbeit

„Keine Lappalie – das Vorgehen war sehr gezielt“ – so kommentierte der Staatsanwalt in Fritzlar das Geschehen. Er beantragte zwei Jahre Freiheitsstrafe auf Bewährung und Auflagen im Ermessen des Gerichts für den Mann aus Bad Wildungen.

Ein Jahr, eine Arbeitsauflage und ein Schmerzensgeld für den Verletzten beantragte der Verteidiger. Bei der Tat habe der Beschuldigte einen Filmriss gehabt und sei außer Kontrolle geraten. Jetzt sei er auf einem guten Weg der Integration, er sei ein reuiger Täter.

Eine Bewährungsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten und 120 Stunden gemeinnützige Arbeit auf Weisung der Gerichtshilfe der Staatsanwaltschaft seien das rechte Maß, sagte Richterin Corinna Eichler bei der Verkündung des Urteils.

Der Beschuldigte sei geständig, schuldeinsichtig und reuig und habe sich aus eigenem Antrieb um die Schadensregulierung bemüht. Da auf Rechtsmittel verzichtet wurde, ist das Urteil rechtskräftig.

von Manfred Schaake

Für 66 Straftaten hat das Amtsgericht Fritzlar einen 41 Jahre alten Mann aus Bad Wildungen zu einer Freiheitsstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt.

Wegen Bedrohung, Sachbeschädigung und Diebstahl wurde einem 29-jährigen Syrer aus Bad Wildungen im Amtsgericht Kassel der Prozess gemacht.

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