Probleme mit verwilderten Streunern nehmen zu

Bad Wildungen: Tierheimleiterin fordert Kastrationspflicht für Katzen

Platznot: 60 Katzen warten im Bad Wildunger Tierheim auf neue Besitzer, und das Problem verschärft sich weiter, befürchtet Tierheim-Leiterin Daniela Kotitschke. Foto: Conny Höhne

Bad Wildungen – Verwilderte Katzen, die sich rasant vermehren, werden zunehmend zu einem Problem in Bad Wildungen.

Tierheim-Leiterin Daniela Kotitschke befürchtet, dass sich die Situation noch verschärft. „Wir hoffen, dass eine Kastrations- und Registrierungspflicht bald auch bei uns durchkommt.“ Erst vor wenigen Tagen nahm das Tierheim zehn verwahrloste Katzen aus einem Fall von Tierhortung auf.

Der betroffene Halter gebe insgesamt 18 Katzen nach und nach an das Tierheim ab, informierte Petra Frömel, Pressesprecherin des Landkreises Waldeck-Frankenberg, auf WLZ-Anfrage. „Die freiwillige Abgabe ist durch ein Gespräch des Veterinäramts mit dem Halter entstanden.“

Im Tierheim am Dachsköppel herrscht bereits akute Platznot. Rund 60 Katzen werden betreut. Um weitere aufzunehmen, wurde ein Aktenraum geräumt. Vorsorglich hatte Kotitschke auch bei den Tierheimen in Marburg und Korbach sowie der Arche Kanaum in Bad Arolsen zwecks Unterstützung angefragt.

Fall von "Animal Hoarding" in Bad Wildungen

Zehn Tiere aus der Sammelhaltung hat das Team inzwischen in Obhut genommen. „Sie wurden entwurmt, entfloht und kastriert“, berichtet Kotitschke. Eine Abgabe in andere Tierheime oder eine Vermittlung als Hauskatzen scheide aber aus. „Die Katzen sind verwildert, für sie käme eine Haushaltung nicht mehr infrage.“ Das Tierheim habe sie an zehn Futterstellen abgegeben. Das seien meist Bewohner von Bauernhöfen, die den Streunern in Stall oder Scheune Unterschlupf gewährten und Futter hinstellen.

Bad Wildunger Tierheim bleibt auf Kosten sitzen

Auf den Kosten indes bleibe das Tierheim sitzen. Bei einer freiwilligen Abgabe müssten Kastration, Medikamente und andere Ausgaben aus dem Etat des Vereins finanziert werden. Möglich sei dies nur durch Unterstützung von Spendern. „Bei einer Einweisung müsste dagegen das Veterinäramt alle bis zur Vermittlung anstehenden Kosten tragen,“ erläutert Kotitschke. Sammeln und Halten von Katzen sei kein Einzelfall. Es sei falsch verstandene Tierliebe, herrenlose Mietzen zu füttern aber für notwendige Tierarztbesuche oder Kastration nicht die Verantwortung zu übernehmen.

Warten auf neue Besitzer: Katzen im Bad Wildunger Tierheim.

Gerade die unkontrollierte Vermehrung verschärfe das Katzenelend. „Teilweise werden Kitten im Gebüsch geboren, oft sind die Verhältnisse so schlecht, dass sie für die Katzen selbst unerträglich sind.“ Wichtig sei eine rechtzeitige Kastration. Die Kosten dafür liegen laut Kotitschke etwa zwischen 50 und 80 Euro. Das Tierheim leiste gern Unterstützung, stelle beispielsweise Fallen auf, wenn Katzen gefangen werden müssen.

Kotitschke hofft, dass Bad Wildungen ähnlich wie Wabern oder Neuental eine Katzenschutzverordnung erlässt, nach der Halter von freilaufenden Katzen verpflichtet sind, ihre Tiere zu kastrieren, registrieren und zu kennzeichen. „Es herrschen südländische Verhältnisse bei uns – was dort das Problem mit Hunden ist haben wir mit Katzen.“ 

Wie der Fachdienst Lebensmittelüberwachung, Tierschutz und Veterinärwesen des Landkreises Waldeck-Frankenberg bei "Tierhortung" handelt, lesen Sie in der gedruckten WLZ-Ausgabe am 8. Januar. 

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