Ideen und Vorschläge für "gläserne Werkstatt" willkommen

Bad Wildunger Stadtmarketing will Fest- und Kulturkalender neu denken

Szene vom „Heiligen Abend“ 2018: Selbst Traditionsereignisse wie der Wildunger Viehmarkt kommen ohne Denkverbote auf den Prüfstand in der „gläsernen Werkstatt“ zur Zukunft der Veranstaltungen. Foto: Schade/Archiv

Das Wildunger Stadtmarketing will  kreativ Konsequenzen für die Zukunft der Wildunger Veranstaltungen ziehen: drastische Konsequenzen voraussichtlich und „ohne Denkverbote“, unterstreicht Geschäftsführerin Ute Kühlewind.

Bad Wildungen – Niemand kann abschätzen, wie sich die Erfahrungen mit Corona dauerhaft auf Gesellschaft und Wirtschaft auswirken. Das Stadtmarketing will aber nicht abwarten sondern handeln. 

Die stadteigene Gesellschaft hat dazu eine „gläserne Werkstatt“ mit ihren Beschäftigten und Verantwortlichen der Stadtverwaltung eingerichtet. „Gläsern“ soll sie sein, indem Bevölkerung und Unternehmen ihre Ideen und Vorschläge in möglichst großer Zahl und Vielfalt beisteuern.

Viehmarkt, Lichterfest

Der über Jahrzehnte etablierte Anspruch des „Immer mehr“ und „Immer größer“ fällt dem Umdenken als erstes zum Opfer, erwartet Kühlewind und ist sich darin mit Bürgermeister Ralf Gutheil einig. Ein Beispiel eines – für Wildunger Verhältnisse – „revolutionären“ Denkanstoßes: die zeitlich nah beieinander liegenden Höhepunkte „Viehmarkt“ und „Lichterfest“ zusammenzulegen zu einem illuminierten Volksfest mit Tierschau in Europas größtem Kurpark.

Klischees brechen

„Warum nicht auf der anderen Seite mit einzelnen Veranstaltungen bewusst mit den Klischees einer Kurstadt brechen?“, fragt Bürgermeister Ralf Gutheil und nennt als spontanes Beispiel ein Heavy-Metal-Event.

Zugleich gilt es, der vielleicht länger anhaltenden Scheu vieler Menschen vor großen Ansammlungen mit angepassten Kulturereignissen zu begegnen. „In kleinerem Rahmen, an neuen Veranstaltungsorten und verstärkt im Freien“, stellt sich Ute Kühlewind vor.

Die Altersstruktur

Um dem Ganzen eine Richtung zu geben, beschäftigt sich die „gläserne Werkstatt“ zuerst mit Zielgruppen: der eigenen Bevölkerung, den Gästen aus dem Umland, Klinik-Patienten und Urlaubern.

Überraschungen sind auch hier nicht ausgeschlossen. Sie spiegeln sich etwa in der Altersstruktur der Einwohnerschaft von 18 000 Köpfen. Erwartbar: Mehr als 54 Prozent sind 45 Jahre und älter.

Die Stadt wächst zugleich aber bei den ganz Jungen: 8,5 Prozent und damit 1550 Kinder bis zum Alter von neun Jahren leben hier. Die kleinste Gruppe wird mit 4,5 Prozent oder etwa 800 Mädchen und Jungen repräsentiert durch die Jugendlichen bis 14 Jahre. Knapp 1800 15- bis 24-Jährige wohnen in Bad Wildungen und immerhin knapp ein Viertel oder fast 4200 Personen sind zwischen 25 und 44 Jahren alt, darunter viele Zugewanderte. Die Zahlen entstammen der Statistik der Stadt aus dem Dezember 2019.

Bisher geringes Echo auf Aktion

Das Stadtmarketing hat 200 Kontakte aus Veranstaltungspartnern wie der AWWiN, aus Gastronomie, Hotellerie, Geschäftswelt und Kliniken angeschrieben, sich an der „gläsernen Werkstatt“ für die Wildunger Veranstaltungen zu beteiligen.

 „Bislang hatten wir zehn Rückläufe“, berichtet Ute Kühlewind. Die Corona-Krise, mit deren Folgen alle zu kämpfen haben, stellt aus ihrer Sicht einen Grund für die überschaubare Reaktion dar. Zum anderen ist sich Kühlewind darüber im Klaren, dass die Arbeit des Stadtmarketings regelmäßig und nicht selten hart in der Kritik steht. 

Kontakt zur "gläsernen Werkstatt" in Bad Wildungen

Angesichts der großen Mannschaft springe zu wenig und zu wenig Innovatives heraus, lautet einer der Vorwürfe. Ein anderer besagt, die Marketinggesellschaft nehme zu selten mögliche neue Zielgruppen ins Visier. Kühlewind verweist aber darauf, dass eine Kleinstadt mit Reha-Wesen als wichtigstem wirtschaftlichen Standbein, mit einer Zweiteilung von Fachwerk-Altstadt und Kurvierteln einen bestimmten Rahmen vorgebe.

 „Ich habe kritische Stimmen schon öfter eingeladen, sich die Arbeit bei uns anzuschauen und sich selbst ein Bild davon zu machen“, sagt die Geschäftsführerin. Bislang habe niemand das Angebot angenommen. Umso mehr ermutigt sie die Wildungerinnen und Wildunger, sich jetzt in der „gläsernen Werkstatt“ für die Veranstaltungen zu engagieren: auch wenn das vorerst wegen der Corona-Beschränkungen auf Telefon und Mail beschränkt bleibe. Kontakt: kuehlewind@badwildungen.net oder Tel. 05621/ 965 67 21

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