Auffangstation für Wildtiere

Schwäne in Not: Bad Wildungerin päppelt Tiere auf für Rückkehr in Wildbahn

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Thekla Pfeiffer und Jan Krümmelbein mit dem Jungschwan aus dem Reinhardshäuser Kurpark.

Wildtieren in Not hilft Thekla Pfeiffer in ihrer Auffangstation in Bad Wildungen. Unter ihren Schützlingen sind Eichhörnchen, Igel oder auch Turmfalken.

Allein sechs Schwäne hat die 61-Jährige in diesem Jahr aufgepäppelt. Das Nesthäkchen – ein Jungtier aus dem Reinhardshäuser Kurpark – wird derzeit vorbereitet aufs Auswildern.

Tiere in Notlagen werden oft von Passanten entdeckt. Sie alarmieren Tierheime in der Nähe oder bitten im Rathaus um Hilfe. Meist sind es Verletzungen, die behandelt und auskuriert werden müssen. Das übernimmt Pfeiffer in ihrer Auffangstation, die sie in ihrem therapeutischen Reitzentrum im Mutterweg eingerichtet hat.

Die Verletzungen sind vielfältig. „Ein Schwan war in einem Fischernetz verfangen, ein anderer trug eine Reuse um den Hals und hatte Wunden,“ erzählt die Wildungerin. Auch die Schwimmhäute an den Fußen waren verletzt.

Das Tierheim in Beuern bei Felsberg brachte kürzlich einen Schwan, den Spaziergänger aus einer lebensgefährlichen Lage gerettet hatten. „Ein Angelhaken hatte sich durch die Zunge gebohrt.“ Die Angelschnur war mehrfach um den Schnabel gewickelt. Der Schwan wurde in einer Wildunger Tierklinik noch in der Nacht operiert und dann mit Antibiotikum und Schmerzmittel behandelt. „Inzwischen ist er wieder fit und zu seinem Partner auf den Fischteich bei Altenburg zurück gekehrt“, freut sich Pfeiffer.

Unter ihren Schützlingen war auch ein alleinerziehender Schwan. Seine Partnerin wurde von einem Auto überfahren. Nach dem Unfalltod kümmerte sich der Vater um die fünfköpfige Kinderschar. Die täglichen Futter- und Medikamentengaben waren dabei eine besondere Herausforderung, denn Schwäne verteidigen mit aller Kraft ihren Nachwuchs. „Man kann leicht einen Knochenbruch riskieren,“ sagt die Wildungerin.

Das Jungtier aus dem Reinhardshäuser Kurpark braucht noch einige Zeit in pflegerischer Obhut. Es litt im Sommer unter starker Augenentzündung und konnte nicht mehr sehen. Offenbar war das Wasser im Teich während der Hitzeperiode nicht mehr in Ordnung, mutmaßt Pfeiffer.

Jungschwäne brauchen Körperkontakt und Körperpflege

Der junge Schwan bekam Medikamente und wurde wieder in die Freiheit entlassen – leider aber nur für kurze Zeit. Die Schwanen-Familie hat den Sprössling nicht mehr aufgenommen. 

Er kehrte zurück zur Pflegestelle und ist mittlerweile umgezogen nach Albertshausen an einen Tümpel der haustiergestützten Therapie der Median Klinik Mühlengrund. Die Nächte verbringt das Tier aus der Gattung der Entenvögel in einem Stall. 

Vom Kurpark nach Albertshausen: Ein junger Schwan wird vorbereitet auf die Auswilderung. Seine tierische Begleiterin, Lieblingsente Rita, ist stets dabei.

Liebevoll umsorgt wird der junge Vogel, der noch ein graues Federkleid trägt, von Jan Krümmelbein. „Jungschwäne brauchen Körperkontakt und Körperpflege“, weiß Thekla Pfeiffer. Der 16-Jährige Wildunger unterstützt die Wildtierauffangstation und verwöhnt den Schwan mit Streicheleinheiten. 

Zur Gesellschaft wurde eine Ente angeschafft. Nun bahnt sich eine innige Tierfreundschaft an. Zusammen mit seiner Lieblingsente Rita dreht der Jungschwan Runde um Runde auf dem Tümpel. „Wir hoffen, dass er bald auf einen Teich in Reinhardshausen umziehen kann“, sagt Pfeiffer. 

Für die Wildtiere opfert die Wildungerin Zeit und Geld. Über das Veterinäramt des Landkreises erhalte die Station pauschal 200 Euro. Das reiche längst nicht für die bisweilen teuren Medikamente oder für Spezialmilch. Das Tierheim in Beuern, aus dem schon etliche Fundtiere behandelt wurden, habe kürzlich Tierarztkosten überwiesen. Und der Bad Wildunger Bauhof helfe jederzeit mit Personal, wenn Unterstützung benötigt werde. „Das klappt super.

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