Was für ein mitreißender Auftritt in der Reinhardshäuser Wandelhalle:

Barrelhouse-Jazzband in Wildungen: So jung jazzt es sich mit 80 Lenzen

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Ein Wiedersehen und Wiederhören für Freund der Barrelhouse Jazzband in der Wandelhalle Reinhardshausen; vorne die „alten Herren“ des Bläsersatzes vl: Frank Selten, Horst Schwarz und Reimer von Essen. Hinten „Lady Bass“ Lindy Ruppertsberg und Schlagzeuger Michael Ehret.

Reinhardshausen. Welch eine Freude für die Fans: Nach längerer Pause gastierte die Frankfurter Barrelhouse Jazzband wieder in der Badestadt.

In der nicht ganz ausverkauften Wandelhalle präsentierte sie ein Programm mit einem Querschnitt aus ihrem großen Repertoire von den Anfängen des Jazz bis zu einer gelungenen eigenen Version des Beatles-Titels „Let It Be“. Der Abend begann mit dem Erkennungstitel der Formation: „When my dreamboat comes home“ Bandleader Reimer von Essen: „Das haben wir 1968 in New Orleans gelernt.“

Als die drei Mitglieder des Bläsersatzes die Bühne betraten, hörte man aus dem Publikum die liebevoll-despektierliche Bemerkung „Renterband“. Immerhin ist Bandleader, Klarinettist und Moderator Reimer von Essen 78 Jahre alt. Frank Selten (Saxofone, Klarinette) und Horst Schwarz (Trompete, Posaune) packen noch ein paar Jährchen dazu.

Die drei ließen aber mit ihrem Bläsersound und ihren herausragenden Soli ihr Alter schnell vergessen. Jazzen hält sichtlich und hörbar jung. Eine Feststellung zum Staunen. „Die werden ja immer besser“, urteilte ein Besucher, der keines der Barrelhouse-Konzerte in der Badestadt versäumt hat.

Die drei alten Herren spielten mit sichtbarer Freude und bester Laune zwei Stunden lang mit langem Atem, gekonnter Technik und bewährtem Bluesfeeling auf, dass es für die Fans die reine Freude war. Ihnen zur Seite steht eine viel jüngere Rhythmusgruppe mit dem virtuosen Jazzpianisten Christoph Sänger und seinem unvergleichlichen Swinganschlag, dem Gitarristen Roman Klöcker, der auch vortrefflich mit dem Banjo umzugehen weiß, dem Könner am Schlagzeug Michael Ehret und der „Lady Bass“ Lindy Ruppertsberg, die vor vielen Jahren schon einmal der Band angehörte. Zurückgekehrt gefiel sie auch als Jazzsängerin mit einem Ella Fitzgerald-Titel.

Lautstarke Zwischenapplause feuerten die Musiker weiter an. Bandleader Reimer von Essen verwies auf die vielen Stücke mit Wurzeln in der kreolischen Musik, Steckenpferd der Band. Ihr Haus- und Hofkomponis Horst Schwarz schrieb mehrere Titel in diesem Stil. „Margareta“ nannte er eine dieser Kompositionen, für die es in Reinhardshausen viel Beifall gab.

Besonders gut gefallen hat den Jazzfreunden der getragene Titel „Blues for Fats“, den zwei Bandmitglieder des großen Jazzpianisten Fats Waller zu dessen Tod für zwei Klarinetten schrieben. Den Schluss markierten zwei Horst Schwarz-Titel „The Barrelhouse showboat“ und „Barelhouse-Boogie“. Mit der wirklich letzten Zugabe verabschiedete sich die Barrelhouse-Jazzband: mit „einer Rumba aus Cuba, die in New Orleans hängen geblieben ist“. (szl)

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