Weil die Haltebuchten wegfallen:

Barrierefreie Bushaltestellen bei Wildunger Stadtpolitikern umstritten

Ohne Bucht mit Hochbord: So sehen die barrierefreien Bushaltestellen in Bad Wildungen bald alle aus. Doch Stadtpolitiker äußern Kritik an dieser Gestaltung. Foto: Schuldt

Nach und nach baut die Stadt Bad Wildungen ihre Bushaltestellen zwecks Barrierefreiheit um. Das stößt auf Kritik.

  • Bis Ende 2022 muss Bad Wildungen alle seine Bushaltestellen barrierefrei haben
  • Im Zuge des Umbaus fallen die Haltebuchten weg, so dass Autos die haltenden Busse nicht mehr überholen können
  • CDU und Freie Wähler wollen deshalb die Buchten beibehalten, um Staus zu vermeiden

Bad Wildungen – Sowohl im Finanzausschuss als auch im Stadtparlament thematisierten Stadtpolitiker Mängel aus ihrer Sicht.Grund: der Wegfall der Haltebuchten. „Die Busse stoppen auf der Straße und dahinter staut sich der Verkehr“, bemängelte Marc Vaupel, Fraktionsvorsitzender der CDU im Parlament. Amtskollege Dr. Hans Schultheis von den Freien Wählern pflichtete der Kritik bei.

Als besonders eklatantes Beispiel nannten beide den Haltepunkt am Reinhardshäuser Wohn- und Pflegeheim Christkönig. Dort steht die Umgestaltung demnächst an und dort befindet sich ein Knotenpunkt für den Busverkehr, weil Stadtbus und Überlandlinien ihn ansteuern. „Wir sollten prüfen, die Bucht trotz Umbaus zu erhalten und im Zweifel auf die Landeszuschüsse zu verzichten“, regte Vaupel an.

Barrierefreie Bushaltestelle mit Bucht funktioniert nicht

Weshalb das aus mehreren Gründen aus seiner Sicht nicht möglich ist, erläuterte Bauamtsleiter Klaus Weidner. Im Zuge der Barrierefreiheit würden Hochbords von 21 Zentimetern Höhe angelegt, so dass der Gast ebenerdig ein- und aussteigt. Andere Varianten seien nicht zulässig, weil eine Lösung mit einer Rampe keine höhere Steigung als 6 Prozent aufweisen dürfe. Außerdem müsse das Fahrzeug dicht am Bordstein und parallel zu ihm halten, damit keine Lücke entsteht, die Rollstuhlfahrern die Ein- und Ausfahrt verwehrt. „Wenn Sie in eine Bucht vorwärts hinein fahren, schaffen Sie das nicht“, ergänzte Weidner.

Teilhabegesetz verpflichtet Stadt

Klaus Stützle (Grüne) verwies auf das Teilhabegesetz, das die öffentliche Hand verpflichte, Menschen mit Handicap eine gleichberechtigte Teilhabe am öffentlichen Leben zu ermöglichen. Weidner bestätigte, dass die Stadt demzufolge gemäß den Landesvorschriften die Bushaltestellen bis 2022 umgebaut haben müsse. „Die Buchten müssen verschwinden“, bekräftigte der Bauamtsleiter. Die Stadt dürfe sich über diese Vorschriften nicht hinweg setzen.

Hans Schultheis sah dennoch Möglichkeiten, Bushaltebuchten zu bewahren, etwa an der Brunnenallee schräg gegenüber dem Fürstenhof: „Ich muss die Bucht doch nur lang genug auslegen, dann kann der Bus parallel und dicht genug an den Bordstein heranfahren.“

Mehr Sicherheit für Fußgänger

Auch dieses Argument sticht laut Weidners Aussage nicht. Zu wenig Platz und zu hohe Kosten stünden dem ebenso entgegen wie die erklärte Absicht der Landesregierung, aus Gründen der Verkehrssicherheit die Buchten abzuschaffen. „Die Autofahrer sollen keine Busse während eines Haltes überholen, damit Fußgänger sicherer die Straße überqueren.“ Aus verkehrspolitischer Sicht sei es gewollt, dass die Fahrt mit dem Auto durch die Stadt unattraktiver wird im Kalkül, dass sich mehr Menschen für andere Verkehrsmittel entscheiden.

Hubert Schwarz (CDU) verwies dagegen auf Szenen in Wega, wo die Bushaltestelle in beide Richtungen an der Durchgangsstraße in Höhe der Verkehrsinsel liegt: Autos überholen links an der Insel vorbei, weil ihre Fahrer nicht hinter dem Bus warten wollen. Das ist gefährlich und unsicher.“

Aber verboten, betonte Klaus Stützle. Würde man solche Maßstäbe anlegen, müsste man jede Geschwindigkeitsbegrenzung abschaffen, weil sich längst nicht alle Verkehrsteilnehmerinnen daran hielten.

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