Arbeiten am Wildunger Hochbehälter

Bewehrung für die Katakomben

Kiesnester im Beton – BKW-Geschäftsführer Stephan Tent zeigt Schäden am unterirdischen Gewölbe.Fotos: Conny Höhne

Bad Wildungen - Eine Großbaustelle fern von neugierigen Blicken: Bauarbeiter einer Spezialfirma arbeiten in den feuchten Katakomben der Badestadt. Der in 1900 erbaute Hochbehälter Waldhaus wird erstmals nach 112 Jahren umfassend saniert.

Das Gewölbe wurde um die Jahrhundertwende errichtet, erläutert Stephan Tent, Geschäftsführer der Bad Wildunger Kraftwagenverkehrs- und Wasserversorgungsgesellschaft (BKW). Ausgebaut wurde aus einem Gemisch von Natursteinen und Zement, das durch Stampfen verdichtet wurde.

Zwei Wasserkammern mit insgesamt 1000 Kubikmetern Inhalt halten Brauchwasserreserve für die Kernstadt mit Altwildungen und Reitzenhagen sowie die Stadtteile Odershausen, Wega und Mandern vor. 400 Kubikmeter entfallen auf die Feuerlöschreserve.

Nach so vielen Jahren nagt an dem Hochbehälter der Zahn der Zeit: Poröse Wände, Kiesnester und Korrosion an der Bewehrung, Beschichtung löst sich ab. Details zum Zustand des Bauwerks offenbarte eine Bestandsanalyse mit Bohr- und Festigkeitsproben und labortechnischer Auswertung.

Eine Spezialfirma aus Kassel wurde mit der Sanierung der unterirdischen Katakomben beauftragt. Bauarbeiter verpassen dem Tunnelsystem eine neue Hülle. Wand, Boden und Decke werden mit Eisenbewehrung verkleidet und erhalten eine neue Schicht.

Laut Tent handelt es sich um eine „mineralische Sanierung“ mit Spezialmörtel. Mauerdurchlässe werden erneuert, die Be- und Entlüfungsanlage wird saniert. „Das ist die erste größere Sanierung seit Bestehen des Hochbehälters“, sagt der für die Wasser-Sparte zuständige BKW-Geschäftsführer. 290000 Euro sind für den Waldhaus-Behälter eingeplant, die Arbeiten sollen im Dezember abgeschlossen werden.

Tent: „Die Einwohner im Versorgungsgebiet bemerken von den Bauarbeiten nichts.“ Beide Wasserkammern werden nacheinander saniert, somit werde stets ausreichend frisches Wasser zur Verfügung gehalten. Gespeist wird der Hochbehälter Waldhaus mit Wasser des Großen Brunnens, vom Blauen Bruch und vom Mühlenberg.

Neben dem großen Speicher am Wildunger Brauhaus werden derzeit auch zwei kleinere Hochbehälter in Armsfeld und am Mühlenberg (Richtung Wenzigerode) erneuert.

Trinkwasserkammern unterliegen bei längerer Lebensdauer erheblichen Belastungen, selbst reine Betonoberflächen halten dem steten Gebrauch nicht unendlich stand.

Wenn hygienische Mängel keine einwandfreie Speicherung mehr zulassen, bauliche Mängel die Nutzungsdauer reduzieren oder optische Mängel die Kontrollierbarkeit einschränken, soll saniert werden, erläutert Tent. „Dabei sind besonders Wasserkammerbeschichtungen aus Chlorkautschuk oder Fliesenbelag diesen Mängeln ausgesetzt und entsprechen zudem nicht mehr dem Stand der Technik.“

Nach Abschluss der Sanierung soll die Oberfläche hygienisch einwandfrei und leicht zu pflegen sein sowie lange Versorgungssicherheit bieten.

Rundum-Sanierung erst nach weit über 100 Jahren, das wünscht sich Bad Wildungen auch bei anderen Prestige-Objekten. Dem einstigen Punktbau Kurhaus geht bekanntlich schon nach 25 Jahren die Luft aus.

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