Gier reagiert auf Fördergesellschaft Edersee · Sind zwei Tourist-Infos nötig

Wer bezahlt, darf die Musik bestellen

+
Der Affolderner Info-Point, hier noch mit dem provisorischen Container für die ET. Möglicherweise steht dieser Standort der Edersee-Touristic bald infrage.

Edertal - Wer die Musik bestellt, der bezahlt. Der Umkehrschluss der alten Volksweisheit ergibt mindestens ebenso viel Sinn: Wer die Musik bezahlen muss, bestellt, was gespielt wird.

Das nimmt Bürgermeister Klaus Gier für seine Gemeinde in Anspruch und reagiert damit auf das Drängen der Fördergesellschaft Edersee, an der Sperrmauer einen Neubau für die Edersee-Touristic zu errichten.

Weder für einen Neubau noch für die Übernahme und den Umbau eines leer stehenden Altbaus am Vorplatz gibt es aktuell im Parlament eine gesicherte Mehrheit.

Für einen 850 000 Euro teuren Neubau hätte die Gemeinde eine Förderung über 705 000 Euro vom Land sicher. Ein wichtiges Argument für einen Neubau, meint die Fördergesellschaft Edersee.

Unklar in Bezug auf die Alt-Immobilie ist die Frage, ob der Ankauf vom Land Hessen gefördert würde. „Der Umbau wäre zuschussfähig. Diese Auskunft haben wir bereits“, erläutert Gier. Im April habe er die Anfrage nach Wiesbaden geschickt, ob das Land auch für den Kaufpreis Unterstützung gewähren würde. Die Antwort steht aus und hat Auswirkungen darauf, welche Finanzbelastung welches Modell für die Gemeinde brächte.

Doch Klaus Gier rückt eine ganz andere Frage in den Mittelpunkt, weil die Unterhaltungskosten eines solchen Projektes auf Jahre hinaus im strapazierten Haushalt zu Buche schlagen: Bevor die Edersee-Touristic an der Sperrmauer ein anderes Domizil bezieht - in welcher Variante auch immer - möchte Gier ein kombiniertes Konzept für den Doppelstandort Sperrmauer/Affolderner Info-Point vorgelegt bekommen. Er hegt Zweifel daran, dass der Erhalt beider Standorte den Tourismus effektiv stützt und sich rechnet. Würde die ET auf einen verzichten, könnte sie die frei werdenden Kapazitäten für ein intensiveres, direktes Engagement in den Gesellschafterkommunen Edertal und Vöhl nutzen. Gier wünscht sich einen engeren, regelmäßigeren Kontakt zwischen der ET und den Gemeindeverwaltungen mit dem Ziel, Angebote für die Gäste zu gestalten, wie es die Touristik-Abteilung der Stadt Waldeck bei der Eröffnung des Bahn-Radweges getan habe.

Rasch will Gier mit seinem neuen Amtskollegen Matthias Stappert aus Vöhl und mit der Fördergesellschaft Edersee in der ET-Gesellschafterversammlung über dieses Thema reden. Zugleich möchte der Edertaler Bürgermeister „für den Tourismus die Kräfte bündeln“, denn das parallele Arbeiten von Touristischer Arbeitsgemeinschaft (TAG), Edersee-Touristic und Touristikzentrale Waldeck-Ederbergland stellt aus seiner Sicht keine optimale Lösung dar.

Eine ständige Ausstellung über die Geschichte und die Entwicklung des Edersees, wie sie für ein Doku-Zentrum vor Jahren angedacht war, stehe zurzeit für ihn nicht auf der Tagesordnung, betont Gier auf Nachfrage. Er konzentriert sich mit Blick aufs Jubiläumsjahr 2014 auf die Gestaltung des Sperrmauer-Vorplatzes, der vollständig gepflastert werden und eine etwa 200 Quadratmeter große, podestartige Dauerbühne erhalten soll, zur Hälfte mit den bestehenden Baldachinen und einem zusätzlichen überdacht.

„Dafür können wir die mehr als 200 000 Euro verwenden, die uns das Land für 2013 bereitgestellt hat“, erläutert Gier. Am 18. Juni beraten Planungs- und Tourismusausschuss öffentlich im Hemfurther Bürgerhaus über die Details. Am 27. Juni könnten die Gemeindevertreter über die Pläne entscheiden. „Wir wollen mit den Arbeiten vor dem Winter fertig sein“, gibt der Edertaler Bürgermeister als Ziel aus.

Ob beide Standorte – Affolderner Info-Point und Sperrmauer – in Zukunft erhalten bleiben müssen; dazu wollte sich ET-Geschäftsführer Claus Günther auf Nachfrage nicht äußern: „Das muss selbstverständlich zuerst im Kreis der Gesellschafter verhandelt werden.“

Wenn die Gesellschafter zu dem Schluss kämen, dass sich die ET auf einen Standort konzentrieren soll, dann allerdings plädiert Günther ohne Wenn und Aber für den Ort mit den meisten Gästen: die Sperrmauer. Nur so könnten Gäste-Informationen funktionieren. Das sei in den vergangenen Jahren in der Gesellschafterversammlung einhellige Meinung gewesen.

Das Wichtigste aus Günthers Sicht ist, dass an der Sperrmauer etwas geschieht, denn beengte Verhältnisse in der Röhre auf der Mauerkrone seien für die große Zahl der Besucher in dieser Form nicht mehr tragbar.(su)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare