Tierhaltung und -zucht als Hobby und Leidenschaft:

"Blink-Blink" macht´s bei der Bad Wildunger Tierschau 2019

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Preisgekrönt, zur Demonstration in der Waldecker Heimat: Sarah Scholz präsentierte ihre Stute „Cascada“, ein rheinisch-deutsches Kaltblut.

Bad Wildungen  - Zwergzebus und ein Kaltblut von 850 Kilogramm Gewicht: Die Wildunger Tierschau lieferte spannende Gegensätze und Einblicke in die Passion der Ausstellerinnen.

Die Tierschau auf dem Wildunger Viehmarkt hat – von den Pferden einmal abgesehen – ihren einstigen Charakter verloren: nämlich den einer Leistungsschau der heimischen Viehhalter und -züchter, die um Preise und Auszeichnungen wetteifern.

Sie hat sich größtenteils zur Publikumsschau gewandelt und damit eine andere wichtige Rolle übernommen: Menschen ohne Bezug zur Landwirtschaft an Nutztiere heranzuführen; speziell die Kinder. „Selbst auf vielen Dörfern sieht man heute ja kaum noch Vieh“, meint einer der Zuschauer am Samstagmorgen beim Auftrieb auf dem Gelände oberhalb des Rummels. Wie zum Beleg seiner Worte fängt ein Dreikäsehoch im Kinderbuggy vor lauter Angst herzzerreißend an zu weinen, als vor ihm im Gatter die Mutterkuh eines Kälbchens ein lautes „Muuuh!!“ ausstößt.

Nicht nur bei den Pferden, auch bei den Rindern oder Schafen finden sich inzwischen viele Aussteller, die ihre Tiere als Hobby nebenberuflich halten. Im Gespräch mit dem Publikum geben sie gerne Auskunft über und Einblick in ihre Leidenschaft.

Er fand einen Weg, die brach liegende Landwirtschaft seiner Eltern wiederzubeleben: Wolfgang Lomp aus Lehnhausen züchtet Zwergzebu-Rinder, hier ein Bulle.

Wolfgang Lomp aus Lehnhausen ist so jemand. Seit 2006 hält und züchtet er Zwergzebus, eine kleine Rinderrasse, die mit ihren Hörnen und Nackenhöckern Aufsehen erregt.

„Die Landwirtschaft meines elterlichen Hofes lag lange brach, nachdem mein Vater aufgehört hatte“, berichtet der Krankenpfleger. Er beschloss Anfang der 2000er Jahre, die Landwirtschaft als Hobby wieder aufzunehmen. In Form von Viehwirtschaft.

Und warum ausgerechnet Zwergzebus? „Das kann man nicht erklären. Es machte einfach Blink-Blink“, erzählt er mit einem Schmunzeln. Das war 2005 auf dem Robustrindermarkt in Battenfeld. Die Zwergzebus passten zu Lomps Vorstellungen von einer Rasse, „die nicht jeder hat und die nicht so groß ist.“

Heute züchtet er die Tiere, verkauft für Zwecke der Zucht und nutzt das Fleisch für den erweiterten Eigenbedarf: Feinfaserig sei es, dunkel und im Geschmack mit Wildeinschlag.

Wichtiger für Lomp ist aber eine andere Eigenschaft seiner Tiere: ihre beruhigende Wirkung. Wenn er von einem stressigen Arbeitstag nach Hause fährt, biegt er gerne vorher an der Weide ab und tankt bei seinen Zwergzebus Ruhe, um runterzukommen.

„Blink-Blink hat's gemacht“, sagt einige Meter weiter tatsächlich auch Sarah Scholz. Dieselbe Formulierung, aber ein ganz anderes Tier, der ihre Passion gilt. Die Pferdebesitzerin aus dem Wittgensteiner Land führt in Bad Wildungen zur Demonstration ihre Stute „Cascada“ vor: 1,72 Meter Stockmaß bei 850 Kilogramm Lebendgewicht. Ein prachtvolles rheinisch-deutsches Kaltblut. „Ich sah sie zum ersten Mal, als sie drei Monate alt war. Wie gesagt: Blink-Blink.“ Ein Dreivierteljahr später übernahm Sarah Scholz die Stute und begeisterte rasch auch ihren Mann Mirko für das Tier.

Fünf Jahre alt ist „Cascada“ inzwischen. Voriges Jahr belegte Sarah Scholz mit ihr auf nordrhein-westfälischer Ebene etwa den zweiten Platz in der Leistungsprüfung.

Bei rheinisch-deutschem Kaltblut bedeutet das: Die Tiere müssen sich in einer Dressurprüfung beweisen, einen Baumstamm ziehen und einen Schwerschlitten, der 80 Prozent ihres Körpergewichts wiegt. Die Rasse wird heutzutage zum Reiten, als Rückepferd im Wald oder vor Kutschen eingesetzt.

Sarah Scholz hat Waldecker Wurzeln, begrüßt an diesem Morgen vertraute Gesichter auf dem Gelände. Vorige Woche belegte sie mit „Cascada“ den zweiten Platz bei der Schau des Fritzlarer Pferdemarktes, und auch den Arolser Viehmarkt hat Sarah Scholz für 2019 im Terminkalender stehen.

Begeisterung, Liebe und Verständnis für Tiere wecken, die früher zum Alltag gehörten und von denen sich die meisten Menschen heute weit entfernt haben: Das schaffen Wolfgang Lomp, Sarah Scholz und die vielen anderen Aussteller der Wildunger Tierschau auch 2019 wieder.

Augenblicke von der Wildunger Tierschau 2019

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