Am Wildunger Postplatz protestieren 60 Menschen gegen Pflegenotstand in Deutschland

Am Boden liegen - wie die Pflege

Bad Wildungen - Ein liegender Protest auf dem Postplatz machte am Samstag auf den Pflegenotstand in Deutschland aufmerksam.

„Was ist denn heute los?“ fragte eine Verkäuferin am Wochenmarkt verblüfft, „so viele Menschen waren um diese Zeit ja noch nie hier“. Rund 60 Menschen legten sich um 11.55 Uhr auf einen Schlag auf den Boden. Anlass: eine bundesweite Aktion unter dem Motto „Die Pflege liegt am Boden“. Kinder, Jugendliche und Erwachsene nahmen das Thema wörtlich und legten sich zehn Minuten – bei kernigen Temperaturen um den Gefrierpunkt und dick vermummt, meist auf mitgebrachten Unterlagen, auf den Postplatz. Kreuz und quer lagen die Protestierenden auf den Boden. Unterstützt wurden sie spontan von Passanten, die sich der „liegenden Gesellschaft“ anschlossen. Auch mit Transparenten, Bannern und Plakaten machten Teilnehmer auf das brisante Thema aufmerksam.

Insgesamt unterstützten rund 100 Teilnehmer in Bad Wildungen die Aktion. Pflegekräfte und Ärzte hatten dazu in Presse und Netzwerken aufgerufen, um auf den teilweise katastrophalen Pflegenotstand in Deutschland, sowie auf die Ignoranz der Politik aufmerksam zu machen. Dabei ging es den Veranstaltern nicht darum, Arbeitgeber anzuklagen, denn diesen seien durch Leistungsträger und Gesetzgeber Grenzen gesetzt.

Vielmehr wollen die Pflegenden ihren Unmut zum Ausdruck bringen, brachte es Heiko Kellner von der neurologischen Akutklinik Bad Zwesten auf den Punkt, der die Aktion vor Ort organisierte. Die Politik wurde aufgefordert, sich endlich um den Pflegenotstand zu kümmern und nicht allein die Rettungsschirme für den Euro im Auge zu behalten. Insbesondere werden bessere Arbeitsbedingungen für das Personal gefordert. Bundesweit fehlen rund 260 000 Pflegekräfte, so Kellner. Es müsse mehr Personal eingestellt werden, zumal für das Jahr 2030 rund 1 Million mehr Pflegende erwartet werden.

Unterstützt wurde die Aktion durch die Gewerkschaft Verdi. Sprecher Florian Dallmann: „Wir brauchen eine gesetzliche Personalbemessung.“ Von der Warnweste im Auto bis zur Krümmung einer Banane sei alles gesetzlich geregelt, aber in der Pflege werden fehlende Regeln auf den Rücken der Beschäftigten ausgetragen.Heiko Kellner geht davon aus, dass bundesweit weitere Aktionen folgen werden. (rü)

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