Austauschschüler pflegen seit 40 Jahren Kontakte

Bonbons bis heute unvergessen

Wega - Die Partnerschaft mit der französischen Stadt Isigny-sur-Mer gibt es schon lange nicht mehr. Aber die Freundschaft lebt in den Herzen zweier ehemaliger Austauschschüler weiter. Seit 40 Jahren pflegen sie ihre Kontakte, die deutsch-französische Verbindung ist längst vertraute Familienangelegenheit.

1975 hat alles angefangen. Pierre Lesieur aus Isigny-sur-Mer, 2800-Einwohner-Gemeinde in der Region Basse-Normandie, kam als Austauschschüler an die Schule Breiter Hagen. Sein Gastgeber hieß Michael Neuhaus, der sich anschickte, seine Französisch-Kenntnisse aus dem Unterricht mit Lehrerin Wahl in der Praxis auszutesten. Ein Jahr später reiste der Realschüler zum Gegenbesuch in die „Grande Nation“. Neuhaus unternahm mit der Gastfamilie Ausflüge und ging mit den Söhnen Pierre und Pascal auf Entdeckung in der Umgebung. „Es gab eine tolle Bonbonfabrik“, schwärmt der Wegaer noch heute. Er erinnert sich noch genau an die herzliche Aufnahme im Familienkreis, samt Hund Toto, und an ungewohnte Tischgerichte. „Ich habe zum ersten Mal in meinem Leben eine Meeresfrüchteplatte gegessen.“ Die Verständigung war holprig, aber man verstand sich trotzdem reibungslos. „Dabei sind Pierre und ich sehr unterschiedlich“, sagt der Wildunger. Neuhaus – Spitzname „Shorty“ – ist leidenschaftlicher Fußballer und Sportler, der junge Franzose dagegen ein Künstler. „Er spielte gern Gitarre und hat selbst gedrehte Zigaretten geraucht“, erinnert sich der Wildunger heute mit einem Schmunzeln an gemeinsame Schülertage. Nach dem Austausch brach der Kontakt zunächst ab, bedauerte Neuhaus. „Ich habe ein paar Mal geschrieben – und keine Antwort bekommen.“ Und nach einigen Jahren erhielt er ausgerechnet an seinem Geburtstag an Silvester einen überraschenden Anruf: Pierre gratulierte von seinem neuen Wohnort in Paris. Seither ist der Kontakt nicht mehr abgerissen. Besuche und Gegenbesuche folgten, aus der Jugend-Freundschaft ist ein Familienprojekt geworden. Beide Ehepaare haben Kinder im gleichen Alter, da geht so schnell der Gesprächsstoff nicht aus. „Ich bin glücklich und froh, dass ich an dieser tollen Freundschaft teilhaben darf“, schwärmt Birgit Neuhaus. Die Ehefrau des Wegaers frischt regelmäßig in Volkshochschulkursen ihre Sprachkenntnisse auf und fiebert jedem Treffen mit den französischen Freunden entgegen. Das Ehepaar nutzte die Gelegenheit zu Ausflügen nach Paris, wo Pierre und Martine Lesieur bei der Post beschäftigt waren. Heute leben beide in Nantes an der Atlantikküste. Die Wiedersehensfreude war groß, als dieser Tage die Franzosen in Wega vor der Haustür standen. „Wir haben denselben Humor und brauchen keine lange Auftauzeit“, sagt Neuhaus. Bei einem Bummel im Bad Wildunger Kurpark und der Stippvisite am Kasseler Herkules wurde viel gelacht. Auch zum Gartenfest an Schloss Wilhelmsthal führte ein Abstecher.Die Männer-Freundschaft aus Jugendtagen gehört auch nach 40 Jahren noch lange nicht zum alten Eisen. Der 53 Jahre alte Wegaer bescheinigt: „Was Pierre und mich zusammenhält, ist auch dadurch gewachsen, dass unsere Frauen sich so gut verstehen.“ Von Conny Höhne

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