Ein Tag mit hochinteressanten Führungen

Der Wildunger Kurpark birgt Geheimnisse der Botanik und der Geschichte

Hartmut Grass kennt die Stars unter den Bäumen im Wildunger Kurpark wie kein zweiter: Der Gärtner vermittelte bei seinem Rundgang den Gästen reichhaltiges Wissen über die Botanik der Anlagen. Foto: Senzel

Bad Wildungen – Zu einem „sonnigen Tag im Kurpark“ hatte die Staatsbad-Marketingabteilung eingeladen und viele Besucher kamen.

Die meisten unternahmen einen Bummel vorbei an einer Reihe von Verkaufsständen mit vielen nützlichen und weniger nützlichen, aber schönen Dingen für Haus und Garten- Für hungrige Gäste bestand das sonntägliche Mittagessen aus einem Imbiss, etwa einer sizilianischen Pizza, einer Bratwurst, einem Elsässer Flammkuchen oder Fish ´n Chips, während im Kurparkcafé das Kurorchester Jazz- und Swingrhythmen intonierte.

Gerne angenommen wurden auch die Themenführungen zu den Sehenswürdigkeiten und den historischen Hintergründen der Parkanlagen. Gästeführerin Brigitte Martin unternahm unter dem Motto „Parkgeflüster“ mit einer Gruppe einen Spaziergang und wusste allerlei aus der Geschichte von Deutschlands größtem Kurpark zu erzählen. Er nahm 1868 im englischen Stil seinen Anfang. Am Ende des Rundgangs kosteten die Teilnehmer im Quellendom drei der Wildunger Heilwässer.

Gärtner Hartmut Grass ist seit fast 30 Jahren in der städtischen Gärtnerei beschäftigt und seit langem an vorderster Stelle mit verantwortlich für die Pflege und Gestaltung des Kurparkes. Er kennt die Flora der weitläufigen Anlage von A bis Z wie kaum ein anderer.

Unter der Überschrift „Vom Amberbaum bis zum Zimtahorn“ ließ er seine Gäste an diesem Wissen teilhaben. Er schilderte die Besonderheiten von vielen der fast 50 Baum- und Straucharten. Etwa die riesige und breit ausladende Nordmanntanne, bei der sich hoch oben in der Krone ein nestförmiges Gebilde befindet, ein „Hexenbesen“, der sich durch gehemmtes Längenwachstum der Triebe bildet. „So entstanden eine ganze Reihe unserer Zwergkoniferen“, erläuterte Grass. Auf besonderes Interesse stieß der Taschentuchbaum, dessen weiße Blätter von weitem wie ein Taschentuch wirken. Beeindruckend ein Mammutbaum mit einem Stammdurchmesser von mehr als drei Metern.

Vielen Spaziergängern war bislang unbekannt, dass seit vier Jahren auf der Kastanienallee im Park einige Maronenbäume wachsen. Diese Esskastanien trugen im vergangenen Jahr erstmals Früchte.

Einen kunsthistorischen Rundgang durch den Park bot Stadtgeschichtsexperte Gerhard Kessler an.

Von der Entstehung des Heilbades an nahm er seine Zuhörer gedanklich mit in die Zeit, als „der Platz auf dem wir gerade stehen, der wichtigste Ort in Bad Wildungen gewesen ist.“ Dort, wo heute der Blumen-Schmetterling die Blicke auf sich zieht, trafen sich damals die Kurgäste mit ihrem Trinkglas in der Hand und lauschten dem 30 Mann starken Kurorchester, das dreimal täglich aufspielte. Kessler erzählte von den verschiedenen Bauphasen der Wandelhalle mit den Architekten Meissner-Rappold-Gehring und führte sein Publikum in die Wandelhalle zu den mächtigen roten „Killer Figuren“ und dem „goldenen Tierchen“ hinter der Halle. Durch die Rundgänge reich mit neuem Wissen ausgestattet, unterhielten sich viele Besucher auf dem Heimweg über eine der größten Attraktionen der Badestadt. -szl-

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