Der scheidende Amtsinhaber zieht Bilanz 

Bürgermeister Volker Zimmermann im WLZ-Interview: "Es war eine gute Zeit"

Räumt Ende August seinen Schreibtisch im Bad Wildunger Rathaus: Bürgermeister Volker Zimmermann wechselt nicht in den Ruhestand sondern sucht neue Herausforderungen in der Bundeshauptstadt. Foto: Conny Höhne

Bad Wildungen. Bürgermeister Volker Zimmermann zieht im WLZ-Interview Bilanz über seine zwölfjährige Amtszeit, die im August 2018 endet.

 Fünf Monate nach der verlorenen Wiederwahl räumt der 63-Jährige seinen Schreibtisch im Bad Wildunger Rathaus und sucht beruflich neue Herausforderungen beim Deutschen Heilbäderverband in Berlin.

 WLZ-Redakteurin Cornelia Höhne führte ein Interview mit dem scheidenden Amtsinhaber.

WLZ: Mit welchen Gefühlen verlassen Sie Ihre Heimatstadt?

Volker Zimmermann: Mit einem weinenden Auge, und mit einem größeren, lachenden Auge. Wobei ich aber durchaus die Absicht habe, wiederzukommen. Die Heimat- und Geburtsstadt lässt einen ja nicht los. Wenn mir nicht diese neue Aufgabe angeboten worden wäre, dann wäre hiergeblieben.Ich hab mich ja nicht darum bemüht, ich wollte die berühmten Tomaten zu Hause züchten...

WLZ: Wann war Ihnen und Ihrer Frau klar, dass Sie Ihren Lebensmittelpunkt verlegen wollen?

Zimmermann: Ende Mai/Anfang Juni haben wir uns dafür entschieden. Der Beschluss des Vorstands war im Juni. Es stand für uns schnell fest, dass ich nicht pendele sondern dass wir umziehen – zumindest für die Zeit, in der ich in Berlin tätig bin.

WLZ: Neuland ist das für Sie nicht?

Zimmermann: Nein, ich hatte früher schon beruflich da zu tun. Es gibt übrigens auch Wildunger, die in Potsdam leben, und die mich schon nach meiner Adresse gefragt haben.

WLZ: Was treibt Sie an, nach zwölf Jahren, die nicht einfach waren, zu neuen Ufern aufzubrechen in einem Alter, wo andere schon im Ruhestand sind?

Zimmermann: Ich bin fit, da muss man keine Scheu haben, so eine Herausforderung anzunehmen. Ich hätte ja auch in Bad Wildungen noch sechs Jahre als Bürgermeister weiter gemacht. Nochmal etwas Neues zu machen an einem anderen Ort finde ich außerordentlich reizvoll. Ich bin noch nicht dazu bereit, mich nur noch mit Tomaten zu beschäftigen.

WLZ: Sie wechseln jetzt die Seiten – vorher Interessenvertretung für alle Bürger jetzt Lobbyist für den Heilbäderverband?

Zimmermann: ...ja, aber der auch die deutschen Heilbäder gegenüber der Politik vertritt und damit auch die Interessen der Stadt Bad Wildungen und ihrer Bürgerinnen und Bürger gegenüber dem Gesetzgeber, der insbesondere auch in der Sozialgesetzgebung tätig ist.

WLZ: Kommen Ihnen die Erfahrungen aus dem Bürgermeisteramt da zugute?

Zimmermann: Absolut. Und natürlich die Tätigkeit des Vorsitzenden des Hessischen Heilbäderverbands. Meine Arbeit im kommunalen Bereich und in verantwortungsvoller Position im Bäderwesen und damit auch Interessenvertretung in Wiesbaden sind wertvoll, weil ich die Strukturen der Heilbäder und ihrer besonderen Bedarfe gegenüber der Politik natürlich kenne, und zwar aus einem der größten deutschen Heilbäder.

WLZ: Hatten Sie für die Zeit nach dem Bürgermeisteramt noch weitere Pfeile im Köcher?

Zimmermann: Ich habe noch andere Angebote bekommen, und zwar in Richtung Kommunalberatung. Ich bin da noch am Grübeln, habe mir ausbedungen, irgendetwas vielleicht parallel machen zu dürfen. Ob ich es dann tatsächlich mache, ist aber eine andere Frage.

WLZ: Wie beurteilen Sie Ihre Amtszeit im Rückblick?

Zimmermann: Ich habe relativ kurz nach der Wahl schon gesagt: Ich bin da mit mir im Reinen. Es waren in der Tat nicht so ganz einfache Jahre. Aber wenn man sieht, wie sich die Stadt entwickelt hat, kann ich nur sagen: Es war eine gute Zeit.

WLZ: Was waren Ihre größten Erfolge?

Zimmermann: Die Umstellung des Verkehrssystems, der Aufbau der interkommunalen Zusammenarbeit, der große Ausbau der Kinderbetreuung, die massiv gestiegenen Übernachtungs- und Bevölkerungszahlen, die für Lebensqualität sprechen, und die Tatsache, dass ich regelmäßig ausgeglichene Haushalte hingelegt habe trotz der großem Investitionen und dass Bad Wildungen 20 Millionen Euro auf der hohen Kante hat.

WLZ: Ihr größter Fehler?

Zimmermann: Ich bin immer davon ausgegangen, dass man mit sachlichen Argumenten auch politisch anders orientierte Parteien oder Gruppen überzeugen kann. Ich habe sicher unterschätzt, wie sehr rein politische Entscheidungen die eher sachbezogenen Haltungen blockieren.

WLZ: Welche Entscheidungen hätten Sie gern noch maßgeblich beeinflusst?

Zimmermann: Ich hätte sehr gern das endgültige Konzept für das neue Heloponte auf den Weg gebracht und den Vertrag für den Verkauf des Kurhaus-Areals an die Hotelinvestorengruppe selbst unterschrieben.

WLZ:  Welchen Preis zahlt ein Bürgermeister einer Kleinstadt?

Zimmermann: Dass man eigentlich nie Privatperson ist. Selbst beim Einkaufen bin ich Bürgermeister, und das bezieht sich auf die gesamte Familie. Das war aber vorher klar. Vor allem aber hat man ganz, ganz wenig private Zeit.

WLZ: War das Ihnen die Sache wert?

Zimmermann: Absolut.

WLZ: Wann geht’s los nach Potsdam?

Zimmermann: In der neuen Wohnung stehen schon ein Tisch und eine Lampe und eine Schlafgelegenheit. Das Große erfolgt erst im Verlauf des September, da muss noch einiges organisiert werden. Ab 1. September bin ich da tätig, und dann werde ich in Berlin da sein. Meine Frau wird noch nicht gleich mitkommen, aber im Verlauf des Herbstes sind wir dann wieder zusammen.

WLZ: Es kursieren Gerüchte, Sie hätten schon vor der Bürgermeisterwahl Ihren Wechsel perfekt gemacht. Stimmt das?

Zimmermann: Ich hatte gar keinen Grund dazu. mich um irgendwas anderes zu bewerben, weil ich überzeugt war, die Wahl zu gewinnen. Außerdem gab’s da noch einen Geschäftsführer beim Deutschen Heilbäderverband.

WLZ Ist Ihr Schmerz nach der verlorenen Wahl ist überwunden?

Zimmermann: Direkt danach war die Enttäuschung schon groß. Aber ich habe relativ schnell gemerkt, wie entlastend das Ganze eigentlich ist. Denn selbst, wenn ich zu Hause bliebe, wäre alles gut. Es würde ja keine Altersarmut ausbrechen. Selbst wenn ich mich unter den Ventilator lege, den Tomaten zugucke und ein Buch lese, ist alles gut. Sehr sehr schnell haben wir es so empfunden, dass das Verletztsein, die Enttäuschung minderwertig sind und die Entlastung in den Vordergrund tritt.

Abschied und Einführung in Stadtverordnetenversammlung

Am Montag, 27. August, wird Bürgermeister Volker Zimmermann in der Stadtverordnetenversammlung verabschiedet und sein Amtsnachfolger Ralf Gutheil eingeführt. Beginn: 19.30 Uhr, Wandelhalle. Eine Feier zum Abschied aus dem Bürgermeisteramt steigt am Dienstag, 28. August, auf Wunsch Zimmermanns in der Grillhütte Busemanns Köppel. „Ganz leger und ohne Zapfenstreich.“

Nach Berlin zum Deutschen Heilbäderverband

Der Deutsche Heilbäderverband ist ein Verein. Die Geschäftsführung ist auf bis zu fünf Jahre ausgelegt. Daneben gibt es noch eine GmbH. Volker Zimmermann übernimmt in beiden Organisationen die Geschäftsführung. Seine Aufgabe umfasst die Leitung der Geschäftsstelle in Berlin mit mehreren Mitarbeiterinnen sowie die Vorbereitung und Durchführung von Sitzungen und Tagungen, die Organisation von Bädertagen, Unterstützung der Landesverbände und vor allem auch der Präsidentin und des Vorstands bei der Interessenvertretung, auch gegenüber der Politik in Berlin.

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