Retter zwischen Himmel und Erde

Bergwacht und Polizeifliegerstaffel aus Hessen trainieren bei Einsatzübung in Bad Wildungen

Retter von Bergwacht und Polizeifliegerstaffel Hessen trainierten in Bad Wildungen. Foto: 112-magazin.de/Matthias Böhl

Bad Wildungen – Fit für den Ernstfall: Bei einer gemeinsamen Einsatzübung trainieren Bergwacht und Polizeifliegerstaffel in Bad Wildungen.

Es herrscht reges Treiben rund um die Jägersburg nahe der B 253. Ein Hubschrauber kreist und setzt nach kurzer Zeit zur Landung auf einem Feld an. Einsatzfahrzeuge der Bergwacht und der Polizei stehen am Rand. Hier findet eine Einsatzübung der Bergwacht Hessen und der Polizeifliegerstaffel Hessen aus Egelsbach statt.

Die Frauen und Männer gehen vom Ernstfall aus: Wanderer sind in unwegsamem Gelände rund um Bad Wildungen verunglückt und können an den entlegenen Stellen nicht mehr bodengebunden erreicht werden. Es gibt keine Zufahrtmöglichkeiten für Rettungsfahrzeuge.

In real dargestellten Einsatzszenarien stellen die Retter ihre Fähigkeiten unter Beweis. Das Besondere: Es erfolgt kein standardisiertes Training mit dem Abarbeiten einzelner Aufgaben, sondern der Hubschrauber und die ehrenamtlichen Rettungskräfte der Bergwacht werden wie in der Realität auch zu den einzelnen Einsatzstellen alarmiert. So erhalten die übenden Teams, bestehend aus einem Bergretterteam und einer Besatzung des Polizeihubschraubers „Ibis 1“ vor Ort einen Einsatzbefehl, der zuvor von der Leitstelle angenommen wurde.

Hier fand die Übung statt:

„Eine junge Frau ist auf einen Felsvorsprung bei den Bilstein-Klippen gefallen und kann nun nicht mehr auftreten. Die Dame ist ansprechbar und macht sich beim Anflug bemerkbar“, lauten die Einsatzinfos für die Crew. Dann gibt es noch die Koordinaten der vermuteten Einsatzstelle und los geht es.

Timo Werner, Besatzungsmitglied und Windenoperator bei Ibis 1, bedient die Winde an „seinem“ Polizeihubschrauber. Er checkt kurz noch ab, welcher der drei eingesetzten Bergretter wann abgeseilt werden soll – davon hängt ab, wer wann in die Maschine steigen darf. Dann geht es los. Der Pilot im Cockpit der Maschine startet die Triebwerke des Eurocopter „EC 145“ und nimmt Kurs in Richtung Einsatzstelle.

Retter von Bergwacht und Polizei müssen sich auf das Team verlassen

Wenige Kilometer weiter werden die fliegenden Retter bereits sehnsüchtig erwartet. Dort, auf den Felsen der Bilstein-Klippen, haben andere Bergretter eine Verletztendarstellerin positioniert. Alles unter der Koordination von Gerd Windhausen, Einsatzleiter der Bergwacht Bad Wildungen und Technischer Leiter der Bergwacht Hessen. Ebenfalls vor Ort: Klaus Boida, Ausbildungsleiter bei der Polizeifliegerstaffel aus Egelsbach.

Der Hubschrauber nimmt unterdessen Kurs auf die Felswand und die Besatzung schaut sich die Einsatzstelle zunächst aus der Luft an. Kurze Zeit später dreht der Hubschrauber ab. Jetzt machen sich die Windenretter bereit für ihren Einsatz. Die Maschine kommt zurück, Timo Werner steht in der offenen Schiebetür und lässt die Bergretter zur Verletzten herunter. Auf die Kommunikation zwischen den einzelnen Beteiligten kommt es nun an. Der Pilot kann nicht sehen, was senkrecht unter dem Hubschrauber geschieht. Timo Werner muss sich auf die Handzeichen und Ansagen des Bergwachtlers an der Rettungswinde verlassen, und der Pilot wiederum auf die exakten Angaben von Timo Werner. In diesem exzellenten Zusammenspiel werden die Bergretter innerhalb weniger Minuten sicher auf dem Felsvorsprung abgesetzt.

Der Hubschrauber dreht nach dem geglückten Abseilen sofort ab und sucht sich einen Zwischenlandeplatz. Bergretter versorgen die junge Frau und legen sie in einen so genannten Luftrettungs- Bergesack. Darin ist ähnlich einer Vakuummatratze gewährleistet, dass der Patient ruhig und erschütterungsfrei im Sack liegt. Etwa zehn bis fünfzehn Minuten dauert diese Vorbereitung, und dann kommt der Hubschrauber zurück. 

Seit zehn Jahren Kooperation zwischen Bergwacht und Polizei in Hessen

Jetzt gilt es, die verletzte Frau und einen der Retter wieder an Bord zu nehmen, genauer gesagt auf die Kufe. Genau so professionell, wie das Absetzen funktioniert das Aufnehmen. Dabei ist ein besonders heikler Moment zu beachten, denn der Bergesack wird gegen Abstürzen direkt am Fels gesichert. Somit ist der Hubschrauber beim so genannten Aufwinchen quasi in direktem Kontakt zum Felsen, ist praktisch gefesselt, bis die Sicherung des Sackes von dort wieder gelöst wird. Dies könnte dazu führen, dass der Pilot die Kontrolle über seine Maschine verliert. Doch es geht alles gut. Tausende Male geübt sitzt jeder Handgriff, und dennoch darf niemals Routine aufkommen.

Nachdem das Team an Bord genommen ist, fliegt der Hubschrauber zur Landebasis an der Jägersburg zurück, wo der entsprechende Übungsteil dann mit dem Absetzen des Patienten endet.

Viele Male wurden dieses und andere Szenarien von Donnerstag bis Sonntag rund um Bad Wildungen geprobt. Bereits seit zehn Jahren gibt es diese Kooperation zwischen den Polizeifliegern und der Bergwacht.

Übrigens waren nicht nur Bergwachtler aus Bad Wildungen vor Ort: Alle Luftretter der gesamten Bergwacht Hessen haben von Donnerstag bis Sonntag in und um Bad Wildungen trainier, für die Sicherheit der Wanderer, der Gleitschirmflieger, der Radfahrer, Sportler und Besucher, an der Grenze zwischen Himmel und Erde.

„Dank gilt an dieser Stelle auch der Bevölkerung für das Verständnis für diese Übung, es wurde versucht, die Geräuschemission so gering wie möglich zu halten, ganz vermeiden ließ sie sich jedoch nicht.“, erklärt Gerd Windhausen.

Von 112-magazin.de/Matthias Böhl

Fotos der Rettungsübung von Bergwacht und Polizei in Bad Wildungen

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