Parlament reagiert auf Beschwerden über Ruhestörung

Alkoholverbote beschlossen- betroffen sind der Torbunker und andere Brennpunkte. 

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Symbolbild

Die Stadtverordnetenversammlung beschloss am Montagabend Alkoholverbote für den Bereich am Torbunker in der Poststraße und andere Brennpunkte. 

Beschwerden über Partylärm und Alkohol am Torbunker an der Grundschule Breiter Hagen reißen nicht ab. Größere Gruppen junger Leute kommen dort regelmäßig zum Feiern und Chillen zusammen – zum Verdruss von Anliegern. Um weitere Ruhestörung und Ärger über Müll zu vermeiden, beschloss das Stadtparlament ein Alkoholverbot 

Bisher war der Genuss von Alkohol in Fußgängerzone, an Bushaltestellen und Wartehäuschen, in öffentlichen Grünanlagen und auf Kinderspielplätzen untersagt. 

Das regelt die „Gefahrenabwehrverordnung über die Aufrecherhaltung der Sicherheit und Ordnung auf und in den öffentlichen Straßen, Anlagen und an Flächen der Stadt“ – kurz die Bad Wildunger Straßenordnung.

Das Alkoholverbot gilt künftig auch auf dem Rondell am Kirchplatz, am Parkplatz im Johann-Hefenträger-Weg sowie an Skateranlagen und Quellentunnel im Landesgartenschaugelände. Das Rondell darf zudem von 22 Uhr bis 6 Uhr nicht mehr betreten werden. 

Hohe Geldstrafen 

Wer das missachtet, dem droht eine Geldbuße von mindestens 5 und maximal 5000 Euro. Ausgenommen von dem Verbot sind konzessionierte Schankflächen von Gaststätten. 

Als weitere Ordnungswidrigkeit wurden Verunreinigungen durch Müll in die Straßenordnung aufgenommen und ein Grillverbot in öffentlichen Anlagen erlassen. Ausnahmen kann der Magistrat erteilen. Die neue Verordnung tritt am Tag nach ihrer Veröffentlichung in Kraft.

fehlende Rückzugsorte

„Fakt ist, dass es den Jugendlichen und jungen Erwachsenen in Bad Wildungen an einem Rückzugsort fehlt, wo man auch Alkohol trinken, rauchen, chillen und Musik hören kann“, sagte Bürgermeister Ralf Gutheil am Montagabend in der Wandelhalle. Das stellte sich bei Gesprächen heraus. 

Dazu wurden im Juni „auffällig gewordene junge Menschen über 16 Jahren“ angeschrieben und eingeladen. 15 von 51 jungen Leuten nahmen teil. Es sei gelungen, mit festen Ansprechpartnern Kontakt aufzunehmen, berichtete Gutheil im Parlament. „Wir arbeiten an einer Lösung.“

Ausdrückliche Anerkennung für großen Einsatz und persönliches Engagement zollte Wolfgang Nawrotzki (SPD) Bürgermeister und Verwaltungsmitarbeitern. Die jungen Leute gingen zumindest teilweise auf das Angebot ein, und der eingesetzte Jugendkoordinator, ein studierter Sozialarbeiter, kümmere sich um das Problem. 

Nawrotzki sprach sich für eine Änderung der Straßenordnung aus, die „nach angemessener Zeit auf ihre Wirksamkeit überprüft werden sollte“. Das sahen auch die übrigen Fraktionen so und beschlossen einstimmig eine Änderung der Verordnung mit weiteren Verboten von Alkoholkonsum und anderen überarbeiteten Passagen aus der Fassung von 2010. 

Die so geänderte Straßenordnung kommt im Herbst 2020 erneut ins Parlament. Dann soll beraten werden, ob weiterer Handlungsbedarf besteht.

Wunsch nach eigenem Raum in Bad Wildungen: Junge Leute wollen sich einbringen mit  Ideen und Eigenleistung

Die WLZ sprach mit Jugendlichen, die sich regelmäßig am Bunker treffen. Drei Sprecher von einer der beteiligten Gruppen sagten, dass ihnen ein Raum fehle, wo sie laut sein und feiern können. 

Im Winter nutzen die jungen Leute das Jugendhaus am Kirchplatz. Im Sommer treffe sich die Gruppe an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet. Der Bereich am Torbunker sei besonders beliebt, weil er zentral gelegen ist. 

„Man hat verschiedene Sachen in der Nähe – man kann Eis, Pizza, Döner kaufen, sich Geld am Bankschalter holen, und eine Bushaltestelle ist auch in der Nähe“, erläuterte einer der drei Sprecher. Sie und ihre Freunde, im Alter zwischen 18 bis 25 Jahren, hätten jedoch lieber ein festes Domizil. 

Die jungen Leute seien sehr an einer Lösung mit der Stadt Bad Wildungen interessiert. Sie wollten sich mit Eigenleistung beim Herrichten von Räumen einbringen und außerdem gemeinsam Regeln für die Nutzung einer Einrichtung aufstellen, ließen die drei durchblicken.

Meist Männergruppen 

Nach ihren Schätzungen treffen sich aktuell sechs verschiedene Gruppen von Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Bereich Bunker – meist Männer. „Insgesamt sind es mindestens 500 Leute.“ Ein Großteil sei über 18 Jahre alt, aber auch Schüler seien dabei. 

Sie alle unter einem gemeinsamen Dach anzusiedeln, sei ausgeschlossen, denn einige Gruppen vertragen sich untereinander nicht. Stress gebe es auch, weil in einer Gruppierung regelmäßig Drogen konsumiert würden. 

Frustriert zeigten sich die drei jungen Männer darüber, dass gerade sie stets im Fokus stünden und für alles verantwortlich gemacht würden, was andere verursacht hätten. Wenn die Polizei auftauche, laufen die Verantwortlichen weg, und die Falschen bekämen Ärger, lautet ihr Vorwurf.

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