Pilotprojekt zur Entwöhnung von der Beatmungsmaschine

Wieder frei atmen können: Erste Ergebnisse aus Kliniken in Bad Arolsen, Bad Wildungen und Immenhausen

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Pilotprojekt: An Kliniken in Bad Wildungen, Bad Arolsen und Immenhausen werden Patienten von der Beatmung entwöhnt. 

Bad Wildungen – Ein Pilotprojekt zur Beatmungsentwöhnung der AOK Hessen ist an Krankenhäusern in Bad Arolsen, Bad Wildungen und Immenhausen aus Sicht aller Beteiligten erfolgreich angelaufen. Das wurde bei einer Zwischenbilanz in der Asklepios Stadtklinik in Bad Wildungen deutlich.

Erfreuliche Zwischenbilanz: (von links) Dr. Aggi Neumann-Schiebener, Marc Reggentin, Natascha Grüter, Walter Knüppel, Robert Ringer, Prof. Dr. Stefan Andreas und Dagmar Giese. Foto: Höhne

Die „Therapiezentren für außerklinische Beatmung“ (TAB) haben vor wenigen Monaten ihren Betrieb aufgenommen. Sie sind für Patienten gedacht, die nach der Entlassung aus der akuten Krankenhausbehandlung noch nicht den Absprung von der Beatmungsmaschine geschafft haben oder mit einer Trachealkanüle versorgt sind. Erste Ergebnisse zeigten, dass es bei den meisten Patienten gelingen könnte, sie von der Beatmung zu entwöhnen und von der Kanüle zu befreien.

Das bedeute „die Aussicht auf ein selbstständiges, mobiles Leben ohne Intensivbetreuung“, sagt Marc Reggentin, Geschäftsführer der Asklepios Klinik in Bad Wildungen. Finanziert wird die Therapie von der AOK Hessen und ist bislang auch nur für deren Versicherte möglich. Die Krankenkasse kooperiert nicht nur mit den drei nordhessischen Kliniken sondern auch mit Einrichtungen in Greifenstein und Hofheim.

Der enorme Anstieg beatmeter Patienten, die rund um die Uhr von Pflegefachkräften betreut werden müssen und die große Einschränkung der Lebensqualität beatmeter Menschen gaben laut AOK-Pflegechef Robert Ringer den Anstoß für das Projekt. Bestehende Versorgungsstrukturen reichten für eine Entwöhnung oft nicht aus.

Erster hessischer TAB-Patient in Bad Arolsen behandelt

Mit viel mehr Zeit, wohnlicher Atmosphäre, individueller Betreuung und Unterstützung eines erfahrenen Ärzte-, Pflege- und Therapeutenteams könne die Zahl erheblich gesteigert werden, ergänzt Dagmar Giese (AOK). „Es ist eine gute Möglichkeit, Patienten noch einmal eine Chance zu geben“, meint Natascha Grüter, Pflegerische Leiterin der TAB-Station Bad Arolsen. Dort wurde der erste hessische TAB-Patient erfolgreich behandelt, verweist Chefarzt Walter Knüppel.

Insgesamt wurden bislang sieben Patienten an den fünf hessischen Standorten entwöhnt. Dazu brauche es oft aber viel Geduld, erläutert Dr. Aggi Neumann-Schiebener, Ärztin in der Bad Wildunger Stadtklinik. „Zuweilen sind Fortschritte im Wochentakt sichtbar, es kann aber auch mehrere Monate dauern.“

Sehr zufrieden zeigt sich auch Prof. Dr. Stefan Andreas, Chefarzt der Lungenfachklinik Immenhausen, mit den ersten Ergebnissen. „Bei fast 80 Prozent gelingt es uns, die Patienten von der maschinellen Beatmung zu entwöhnen.“

Neue Stellen für die Therapiezentren für außerklinische Beatmung

Jeweils drei Therapieplätze stehen für die Beatmungsentwöhnung in den beteiligten nordhessischen Kliniken in Bad Arolsen, Bad Wildungen und Immenhausen zur Verfügung. Dafür wurden in den beiden Waldeck-Frankenberger Krankenhäusern jeweils acht neue Stellen besetzt. 

Probleme bei der Einstellung gab es trotz angespannter Personalsituation nicht. Die Stellen sind attraktiv, weil in den Therapiezentren für außerklinische Beatmung (TAB) nicht der Zeitdruck herrscht, wie er im alltäglichen Klinikbetrieb üblich ist. Patienten werden permanent durch Pflegepersonal betreut und erhalten auch Physio-, Atmungs-, Logo- und Ergotherapie.

 Bei einem beatmeten Patienten, der zu Hause rund um die Uhr betreut wird, werden 5,5 Stellen angesetzt, erläuterte Robert Ringer von der AOK. Ein Patient, der zu Hause versorgt wird, koste rund 300 000 Euro. „Tatsächlich ist eine Kostenersparnis für das Gesundheitssystem möglich.“

 Im Krankenhausverbund der Gesundheit Nordhessen findet eine enge Kooperation mit den zugehörigen Kliniken statt. Diese Kooperation in Hessen ist Neuland, betont Ringer. „Aber es ist wohl nur eine Frage der Zeit, bis andere nachziehen."

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