Viel erreicht, aber noch viel zu tun: „Frau Merkel ist die Ausnahme“

Frauentag in Bad Wildungen: Starke Netzwerke für starke Frauen knüpfen

Netzwerk präsentiert: Elke Jäger (rechts), Bezirksvorsitzende des Landfrauenvereins Waldeck, mit Amtskollegin Gunhild Scholl vom Frankenberger Bezirksverein am Info-Stand.  Foto: Senzel

„Starke Netzwerke für starke Frauen“ war das Thema zum internationalen Frauentag am Sonntag in der Wandelhalle, ein Tag, an dem weltweit auf die Frauenrechte und die Gleichstellung der Geschlechter aufmerksam gemacht wurde.

Bad Wildungen – So begann die Frauenbeauftragte des Landkreises, Beate Friedrich, ihre Begrüßung mit der Verlesung des Artikels 3, Absatz 2 des Grundgesetzes:

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der Gleichberechtigung von Frauen und Männern und wirkt auf die Beseitigung bestehender Nachteile hin.“

"Schon eine ganze Menge erreicht"

Veranstaltet wurde der Info-Tag vom Frauenbüro, der Volkshochschule, den Jobcentern des Landkreises, der Agentur für Arbeit Korbach und der Stadt Bad Wildungen. Zehn starke Netzwerke von Frauen für Frauen des Landkreises stellten sich vor und luden zu Workshops.

„Ja, wir haben schon eine ganze Menge erreicht!“, stellte Beate Friedrich fest.! Und trotzdem gebe es keinen Grund dass „wir Frauen uns ruhig verhalten – warum sollten wir auch?“ Nach wie vor sei die politische und soziale Lage der Frauen „bei uns und anderswo nicht so, dass wir damit zufrieden sein könnten.“

Friedrich: Fast ausschließlich Männer auf Chefsesseln

Noch immer forderten Frauen gleichen Lohn für gleiche Arbeit. Nach immer säßen auf den Chefsesseln in Politik, Wirtschaft und Universitäten fast ausschließlich Männer: „Frau Merkel ist nur die berühmte Ausnahme von der Regel.“

Noch immer seien Diskriminierung und Gewalt gegen Frauen „globale Missstände, die zum Himmel schreien.“ Darum sei der internationale Frauentag kein „Muttertag de luxe“, kein Familientag und erst recht kein Wellnesstag:

„Es ist ein Aktionstag, an dem wir Frauen offen sagen, was uns stolz macht, was uns aufregt, was wir erreichen wollen – und womit wir uns nie abfinden werden.“

Duo ließ "rote Rosen regnen"

Bürgermeister Ralf Gutheil hat kein Verständnis dafür, dass bis heute Frauen und Männer unterschiedlich bezahlt werden und dass dies hingenommen wird. 780 Euro monatlich auf einer Vollzeitstelle beträgt die Kluft laut Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten in Waldeck-Frankenberg.

 Landrat Dr. Reinhard Kubat verband seine Begrüßung mit dem Aufruf, die nationalen Symbole des Landes wie das Brandenburger Tor nicht den Feinden der Demokratie zu überlassen. Die Eröffnung des internationalen Frauentages wurde musikalisch vom Duo „tonArt“ gestaltet: „Für mich soll´s rote Rosen regnen“ oder „All of me“ zählten zu den Stücken.

"Wir Frauen sind Tausendsassas"

Das Hauptreferat des Info- und Aktionstages in der Wandelhalle hielt die Leiterin des Instituts für Führungskultur Barbara Liebermeister aus Frankfurt. Ihr Thema: „Nicht die Meisten treffen, sondern die Richtigen.“ 

Es bringe nichts, Tausende von Leuten zu „kennen“, die weder privat noch beruflich von Nutzen seien. Es gelte, auf Qualität zu achten und die Richtigen in das eigene Netzwerk zu integrieren. Tragfähige Verbindungen seien von Qualität gekennzeichnet. Neue Technik solle der Einzelnen mehr Zeit bringen – und wofür? „Vielleicht für ein persönliches Gespräch“, riet die Referentin.

 Es brauche nur einen Menschen, der einem alle Türen öffne. Eines sei sicher: „Persönlichkeit lässt sich nicht digitalisieren.“ In Zeiten des digitalen Wandels seien die Menschen erfolgreich, die sich auf ihre Mitmenschen einstellten. „Jeder Mensch ist eine Führungskraft und gerade wir Frauen sind die optimalen Netzwerker – neudeutsch Influencerinnen – wir sind Tausendsassas.

VON WERNER SENZEL

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