„Er wollte sich und mich umbringen“

Bad Wildungen: 45-Jähriger wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung verurteilt

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Ein 45-Jähriger wurde am Fritzlarer Amtsgericht zu einer Geldstrafe verurteilt.

Fritzlar/Bad Wildungen – Wegen versuchter gefährlicher Körperverletzung und Beleidigung hat das Amtsgericht Fritzlar einen Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis zu einer Geldstrafe verurteilt.

45 Tagessätze zu je 40 Euro. Damit folgte Richterin Corinna Eichler dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der Angeklagte, der ohne Verteidiger auftrat, erklärte in seinem letzten Wort, er habe nichts zu sagen. Die Blutentnahme nach der Tat ergab einen Alkoholgehalt von drei Promille. Vorgeworfen wurde dem Mann, nach einer Geburtstagsfeier im Februar 2019 in einem Wildunger Mehrfamilienhaus eine heftige Auseinandersetzung ausgelöst zu haben. Dabei habe er eigentlich sogar Wohnungsverbot gehabt, wurde im Prozess klar.

Kern der Anklage: Der 45-Jährige beleidigte am 19. Februar seine fünf Jahre ältere Ex-Freundin (50) und schlug mit einer leeren Weinflasche nach ihr. Die Frau und weitere Gäste berichteten, der Angeklagte habe die Worte Dreckstück, Miststück, Schlampe und noch schlimmere Ausdrücke verwendet. „Wenn ich nicht ausgewichen wäre, hätte ich die Flasche auf den Kopf bekommen“, sagte die Ex-Freundin aus: „Er war nur aggressiv, hat mich auf das Übelste beschimpft, ich hatte Angst.“

Dabei hatte sie zuvor noch Schlimmeres mit ihm erlebt: Einmal während einer Autofahrt bei Tempo 120 habe er die Handbremse gezogen: „Er wollte sich und mich umbringen und hat gesagt, es ist egal, wenn wir beide draufgehen.“

Seit Oktober sei das Paar getrennt, aber der Mann belästige sie ständig – auch nachts – mit Nachrichten: „Er droht mir laufend, er hat mich auch schon gewürgt, dass ich blau war.“ Er schicke Nachrichten wie „Ich hol Dich ab, mein Schatz.“ Würde sie zu ihm zurück gehen, „wäre das mein Todesurteil“. Dennoch habe ihr eigener Anwalt gemeint, dass dieses Verhalten noch kein Stalking darstelle.

„Es ist irgendwie alles eskaliert“, fasste eine andere Zeugin den Tatabend zusammen und sprach von „Beziehungsstress“.

Ein Geburtstagsgast berichtete von Pöbeleien: „Es ist dann ausgeartet mit wüsten Beschimpfungen.“ Er habe den Angeklagten runtergedrückt: „Der hat mir angedroht, mir das Genick zu brechen, wenn ich mein Maul nicht halte.“

Ein weiterer Zeuge entlastete zunächst den 45-Jährigen auf der Angeklagebank. Dieser habe mit der leeren Weinflasche zwar ausgeholt, aber nicht zugeschlagen. Jedoch habe der Angeklagte in die Runde gedroht, wenn er eine Knarre hätte, „würde er uns alle erschießen“.

Und mehr noch: Nach dieser Drohung sei er von Pfefferspray getroffen worden, gab dieser Zeuge bei Gericht an und beklagte verständnislos:

„Die Rettungswagen-Besatzung hat den Angeklagten, der unverletzt war, mitgenommen. Und ich musste ins Krankenhaus laufen. Meine Augen sind eine Woche knallrot gewesen.“

Ein Polizeibeamter im Zeugenstand erinnerte sich an die Atmosphäre in der Wohnung so: „Unter den Anwesenden herrschte eine ziemlich aggressive Stimmung gegen uns.“ 

Der Angeklagte sei durch den Alkohol enthemmt gewesen, sagte die Staatsanwältin. Sie sprach gleichwohl von einer erheblichen kriminellen Energie bei dem 45-Jährigen, der sich aber entschuldigt habe.

 Dass er jemandem Pfefferspray ins Gesicht gesprüht habe, lasse sich nicht nachweisen. Richterin Eichler erklärte während der Urteilsbegründung, zum Einsatz des Pfeffersprays gebe es massive Widersprüche: „Ich weiß nicht, wer Recht hat. Im Zweifel für den Angeklagten.“

 Wegen der starken Alkoholisierung des Mannes aus dem Schwalm-Eder-Kreis liege eine erheblich verminderte Schuldfähigkeit vor, hieß es abschließend in der Urteilsbegründung

Von Manfred Schaake

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