Verhandlung am Amtsgericht Fritzlar

Freispruch und Verfahrens-Einstellungen beim Prozess wegen gefährlicher Körperverletzung an Viessmann-Schule in Bad Wildungen

Mit einem Freispruch und zwei vorläufigen Verfahrens-Einstellungen gegen Auflagen endete vor dem Amtsgericht Fritzlar ein viereinhalbstündiger Prozess um gefährliche Körperverletzung  am 19. Februar 2019 in der Hans-Viessmann-Schule.

Bad Wildungen – Eine 20-jährige Frau aus dem Schwalm-Eder-Kreis, ihr gleichaltriger Ehemann sowie ein 23-Jähriger waren wegen gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Anstiftung dazu angeklagt. Zwei junge Männer wurden verletzt, einer erlitt eine Platzwunde im Gesicht, die viermal genäht werden musste.

Richterin urteilt: "Im Zweifel für den Angeklagten"

„Im Zweifel für den Angeklagten.“ Das sagte Richterin Riechers während der Urteilsverkündung. Die Frau wurde auf Kosten der Staatskasse freigesprochen. Gegen ihren Mann wird das Verfahren eingestellt, wenn er nach Weisung der Jugendgerichtshilfe 100 Stunden gemeinnützige Arbeit leistet. 

Gegen den 23-Jährigen wird das Verfahren ebenfalls eingestellt, wenn er 1500 Euro an die Staatskasse zahlt. Nur er hatte einen Verteidiger. Anwalt Christopher Posch hatte die Einstellung des Verfahrens relativ früh gefordert, dazu aber konnte sich die Staatsanwältin zunächst nicht durchringen. Nach der Urteilsverkündung verzichteten alle Beteiligten auf Rechtsmittel – das Urteil ist damit rechtskräftig.

Was in der Schule tatsächlich passiert war, ließ sich trotz intensiver Nachfragen und der Vernehmung von fünf Zeugen nicht aufklären.

Fausthiebe, Tritte und Schläger gegen Berufsschüler

Die Anklage: Auf Veranlassung der 20-Jährigen habe ihr jetziger Ehemann (20) auf dem Schulhof einen Berufsschüler mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Er flüchtete ins Schulgebäude. Dort soll der Beschuldigte im Beisein des 23-jährigen erneut mehrfach auf den Schüler eingeschlagen haben.

 Danach soll ein weiterer Schüler durch Tritte und Schläge davon abgehalten worden sein, einen Lehrer darüber zu informieren. Schließlich habe der 23-Jährige einen Schüler von der Verfolgung abhalten wollen, indem er mit einem Taschenmesser in Richtung Bauchgegend stach, diese aber verfehlte. 

Die Vorwürfe stimmten „nicht komplett“, sagte der 20-Jährige Beschuldigte.

Die Situation in der Schule eskalierte

Seine damalige Freundin und jetzige Frau sei in der Schule öfter belästigt worden. Er habe aber keinen Faustschlag versetzt. Der sei „von der Person gekommen, die heute hier nicht anwesend ist.“ Den Namen habe er der Polizei gemeldet. Wer das ist – im Prozess mehrfach als „Onkel“ bezeichnet – ließ sich nicht klären. 

Der erste Schlag sei „über mich hinweg“ gesetzt worden, „dann ist das Ganze komplett eskaliert, die Leute rannten durcheinander und schrien“, sagte der 20-Jährige. Er sei nicht damit einverstanden gewesen, dass es zu Tätlichkeiten komme. Seine Frau sagte, sie sei dazwischen gegangen: „Der Schlag kam einfach aus dem Nichts.“ Sie sei in der Schule immer wieder angefeindet worden.

Sein Mandant habe keinen Schlag gesetzt und auch nicht mit einem Messer eingestochen, sagte Anwalt Posch über den 23-jährigen Mitangeklagten. Er sei mit verantwortlich für die Eskalation, was ihm sehr leid tue.

Angeklagte entschuldigen sich

Auf die Frage, ob er jemand im Gerichtssaal an diesem Tag geschlagen habe, antwortete ein Zeuge mit einem klaren Nein. Dagegen erklärte ein 20-Jähriger, von dem jüngeren Angeklagten geschlagen worden zu sein. „Ich möchte mich für alles entschuldigen, auch wenn ich nicht geschlagen habe“, sagte der 23-Jährige. Auch das Paar entschuldigte sich.

 Der Frau sei nicht zweifelsfrei nachzuweisen, dass sie die Angeklagten angestiftet habe, betonte Richterin Riechers. „Es sollte um ein klärendes Gespräch gehen“, zu ihren Gunsten sei anzunehmen, dass es so war. Auch ihrem Mann seien die Vorwürfe trotz Tatbeteiligung „nicht in ganzem Umfang nachzuweisen“.

Von Manfred Schaake

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