Neue Kalkulation vorgelegt

Heloponte II: Bad Wildungens Stadtverordnete diskutieren über Kosten von Bade-Welt

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Neubau noch in weiter Ferne: Um Kosten für das geplante „Heloponte II“ drehte sich am Montagabend die Stadtverordnetenversammlung in der Wandelhalle.

Seit dem Besuch einer Wildunger Abordnung in der „Wiehler Wasser-Welt“ gilt das Schwimmbad, das Wiehl für 11,5 Millionen Euro baute, als Finanzierungsmodell für ein neues Heloponte.

Im Stadtparlament am Montag in der Wandelhalle wurde aber klar, dass ein Bad mit der schon beschlossenen Ausstattung dafür nicht zu haben ist. Auf mindestens 22,7 Millionen Euro kommt eine Kostenkalkulation der Verwaltung.

Auf Antrag der CDU hatte das Parlament vor der Sommerpause die Kosten für einen Neubau in der Stresemannstraße auf 14 Millionen Euro netto und das maximale Jahresdefizit auf 450.000 Euro festgelegt. Diese Zahlen „sind unrealistisch“, hieß es in einer Tischvorlage des Magistrats, der mit diesen Eckdaten einen neuen Vorschlag unterbreiten sollte und damit scheiterte. 

Seit elf Jahren werde über ein neues Bad diskutiert, sagte Bürgermeister Ralf Gutheil. „Wir müssen uns endlich mal klar werden, was wir wollen. Wenn wir ein normales Funktionsbad mit fünf Bahnen, einer Schachtel drumrum, ein paar Umkleidekabinen und einen automatischen Kassenbereich wollen, dann können wir das machen.“ Wenn das Bad jedoch attraktiv sein soll für Touristen und eine immer älter werdende Bevölkerung berücksichtige, dann müsse man mehr Geld ausgeben und ein höheres Defizit hinnehmen.

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Die Positionen der Fraktionen

Uwe Gimpel (CDU) rechtfertigte den Antrag seiner Fraktion: „Wir wollten wissen, was wir für dieses Geld kriegen können.“ Ziel sei es, das Projekt endlich voran zu bringen. Die Höhe des Defizits, das entscheidend sei für den langfristigen Betrieb, vermisste er in der vorgelegten Kostenrechnung. Deswegen werde die Union dem Beschlussvorschlag für einen Neubau des Heloponte II auf Grundlage dieser Zahlen nicht zustimmen.

Walter Mombrei (SPD) signalisierte Zustimmung: „Die SPD in Mehrheit versucht den Weg, den die Verwaltung gegangen ist, mitzugehen, weil wir nämlich ein bisschen den Standard behalten wollen.“ Auch Regina Preysing (Linke) warb für ein Bad, das neue Gäste locke. „Das ist der Weg, wie Bad Wildungen Geld verdienen kann.“

Klaus Stützle (Grüne) fragte: „Wie lange wollen wir eigentlich noch warten?“ Durch Kostensteigerungen nach jahrelangen Diskussionen und verlorene Zuschüsse werde der Bau immer teurer.

Stefan Schraps (FDP) verglich frühere Wünsche mit dem heutigen abgespeckten CDU-Konzept. „Nach dem Lamborghini wurde jetzt ein VW Polo ins Spiel gebracht.“ Auch der Liberale drängte zur Entscheidung: „Wenn wir nach vorne gehen wollen, dann müssen wir diesen Weg jetzt gehen.“

Marc Vaupel (CDU) indes sah den Auftrag an die Verwaltung als nicht erfüllt an. Die Höhe des Defizits werde nicht aufgeführt, unklar seien eine Reihe weiterer Positionen – etwa zu kalkulierten Kosten für den Bau eines Parkplatzes. Auf CDU-Antrag wurde das Konzept an den Magistrat zurück überwiesen zur Überarbeitung. Dafür stimmten 15 Abgeordnete, zwölf hielten dagegen.

"EWF nicht interessiert, das Bad für die Stadt Bad Wildungen zu bauen"

Laut Bürgermeister Ralf Gutheil haben inzwischen erste Gespräche mit der Geschäftsführung der Energie Waldeck-Frankenbeg (EWF) stattgefunden, um das Interesse an einer Beteiligung oder Betriebsübernahme eines neuen Schwimmbads in Bad Wildungen zu klären. „Im Gegensatz zu früheren Aussagen ist das EWF nicht interessiert, das Bad für die Stadt Bad Wildungen zu bauen und zu betreiben,“ sagte Gutheil in der Stadtverordnetenversammlung am Montagabend in der Wandelhalle. Interesse bestünde aber an einer Betriebsübernahme nach Bau des Bades durch die Stadt. Dazu seien aber noch viele Fragen zu klären

Berechnung des Defizits: Kompliziert und erfordert viele Daten

Die Berechnung des Defizits sehr kompliziert und erfordere eine Menge an Daten, sagte Bauamtsleiter Klaus Weidner auf WLZ-Anfrage. 

Erwartete Besucherzahlen, Eintrittspreise, Kredit-Konditionen und mögliche steuerliche Vorteile durch einen Bund mit der EWF fließen in die Kalkulation mit ein, die von einem versierten Fachbüro erstellt werden sollte. „Es gibt noch viele weitere Stellfaktoren, die wichtig sind – aber viele Informationen wissen wir zurzeit schlicht und ergreifend noch nicht.

Zahlen für Schwimmbad in Wiehl und Bad Wildungen im Vergleich

Für ein Schwimmbad mit Sportbecken, Nichtschwimmerbecken, Hubboden, Wasser-/Kinderspielgerät, Rutsche sowie Sole-Außenbecken, aber ohne Sauna, hat die Stadt Wiehl in 2015 rund 11,5 Millionen Euro netto bezahlt. 

Mit der für Bad Wildungen bereits beschlossenen Ausstattung mit 25-Meter-Becken mit fünf Bahnen, Lehrschwimmbecken und Kinderbereich sowie Innen und Außensaunen würde das Bad mindestens 22,7 Millionen Euro kosten, hat die Verwaltung errechnet. Darin sind 11,5 Millionen Euro für reine Baukosten enthalten, aber auch 3,5 Millionen Euro für Kostensteigerungen sowie Mehrkosten wie Abbruch, Heizung, Parkplätze, Gründung sowie eine Sauna.

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