Disko, App und Freizeitsportpark

Pilotprojekt: Bad Wildunger Gymnasiasten "verWANDELn" ihre Stadt

Jugendforum in Bad Wildungen: Schüler stellen ihre Projekte vor. Fotos: Conny Höhne

Bad Wildungen – Wie kann Bad Wildungen für Jugendliche attraktiver werden? Was fehlt in der Stadt, und was kann jeder beitragen? Das diskutierten 70 Schüler des Gustav-Stresemann-Gymnasiums bei einer Jugendkonferenz in der Wandelhalle.

Sie war ein Pilotprojekt des Hessischen Ministeriums für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz und wurde von der Servicestelle Vitale Orte organisiert.

„Bad Wildungen verWANDELn“ lautete das Motto des Workshops. Er wurde professionell organisiert und von den Gymnasiasten mit vielen Ideen und Lust am Mitwirken umgesetzt. Ziel war es, Jugendliche mehr in die Kommunal- und Regionalentwicklung einzubinden.

Was sollen Jugendliche in Bad Wildungen machen? Zwei große Fragezeichen tauchen dazu in einer eigenhändigen Skizze an der Dokumentationswand auf. Denn das Angebot ist aus Sicht der jungen Leute mager. In Arbeitsgruppen setzten sich die Mädchen und Jungen zusammen und sammelten Vorschläge für eine lebenswerte Stadt. In eineinhalbstündigen Diskussionen, die unter anderem von örtlichen „Impulsgebern“ unterstützt wurden, erarbeiteten Zehntklässler und Oberstufenschüler Projektideen und zeigten auf, wie und wo sich das realisieren lasse.

Ein Treffpunkt für junge Leute, wo Partys gefeiert werden können, ließe sich beispielsweise in den Räumen am Bahnhof einrichten, wo Lärm direkte Nachbarn nicht störe, schlug eine Arbeitsgruppe vor. Andere Teilnehmer wollten die Heloponte-Eisbahn umfunktionieren zu einem Platz, wo Fußball gespielt werden kann aber auch Freizeitangebote wie Yoga stattfinden können. Die Eisbahn reaktivieren wollten andere Mitschüler und setzten auf Unterstützung von Sponsoren, die für Bannerwerbung zahlen. „Wir erhoffen uns, dass die Stadt Bad Wildungen einen großen Teil trägt,“ sagte ein Sprecher. Im Sommer ließe sich die Fläche für Open-Air-Kino oder Licht-/Lasershow multifunktionell nutzen.

Eine App entwickeln, um jung und alt über die Angebote in Bad Wildungen zu informieren mit Verlinkung beispielsweise in die Edersee-Region, brachte eine weitere Gruppe ins Gespräch. Und schließlich wurde auch der Wunsch nach einer Disko laut. Die Räume könnten auch für Comedy- und andere Kulturveranstaltungen zur Verfügung stehen. Ebenfalls auf der Wunschliste: ein Freizeitsportpark. Das könne eine größere Rasenfläche sein, die für Beach-Volleyball, Frisbee, Basketball, für Picknick und mehr geeignet ist. Dort könnten auch Sportgeräte stehen wie in Reinhardhausen. Zielgruppen seien daher nicht nur Jugendliche sondern auch Erwachsene. 

Bürgermeister dämpft Erwartungen an Realisierung der Vorschläge für eine attraktivere Stadt Bad Wildungen

"Auf manche Ideen wären wir Erwachsene nicht gekommen“, zog Moderator Stefan Grote beeindruckt Bilanz. Sie wurden auf Stellwänden übersichtlich dokumentiert und mit Zeichnungen illustriert. 

„Die Ideen haben sehr viel Potential“, sagte Bürgermeister Ralf Gutheil. Die Umsetzung indes scheitere an Kosten, der Frage nach Verantwortlichen und schließlich an der langen Vorlaufzeit bis zur Realisierung. „Wenn das soweit wäre, seid ihr nicht mehr in der Schule.“ Eine App sei bereits im Gespräch, es fehle allerdings noch ein Entwickler. „Bleibt am Ball mit euren Ideen, geht an die Fraktionen und versucht, das politisch umzusetzen,“ empfahl der Bürgermeister. 

Konkreter wurde dagegen Lisa Küpper von der Entwicklungsgruppe Kellerwald-Edersee. Sie regte einen Arbeitskreis an und stellte für Projekte Zuschüsse aus dem Leader-Programm in Aussicht. „Da ist mit Sicherheit was möglich.“

 Auch Dr. Jürgen Römer vom Fachdienst Dorf- und Regionalentwicklung des Landkreises signalisierte Unterstützung. „Ich könnte mir vorstellen, so eine App in einer Art Modellprojekt finanziell durch den Landkreis zu fördern.“ 

Bei der Suche nach Räumen unterbreitete Bernhard Schäfer den Schülern ein Angebot: „Das Thabu steht Euch auch für private Feiern zur Verfügung.“

 Stadtplaner Robert Hilligus sagte, die Jugendlichen selbst seien die größte Herausforderung bei der Planung, denn der Trend ändere sich regelmäßig. „Der Bikepark war auch so ein Wunsch. Er wurde in 2014 realisiert und inzwischen zum dritten Mal umgebaut.“ 

Ursula Müller vom Waldeck-Frankenberger Netzwerk für Toleranz zeigte sich am Ende beeindruckt von den detaillierten Vorschlägen: „Wir haben einen Blick aus ganz anderer Sicht bekommen.“ 

Ob das Ziel einer stärkeren Beteiligung an der Regionalentwicklung Jugendlicher allerdings erreicht wurde, das bezweifelte Dr. Johannes Salzig vom Stresemann-Gymnasium. Die Schüler waren engagiert bei der Sache und hatten sich ein Gesprächsangebot der Stadt erhofft. Stattdessen fühlten sie sich in ihren Ideen ausgebremst und nicht ernst genommen.„Die Schüler waren enttäuscht,“ beobachtete Salzig. Auf die Abschlussfrage, wie ihnen das Forum gefallen habe, waren daher einige Damen nach unten gerichtet, berichtet der Powi-Lehrer

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