Nah am Patienten und dann auf Abstand

Bad Wildungen: Anspruchsvoller Corona-Alltag in Reha-Kliniken

Einzelbetreuung: aktuell die Regel in Kliniken. Foto: Klose/Archiv

Die Reha-Kliniken haben ihren Alltag komplett umstrukturiert. 

Bad Wildungen – Penibel Hände waschen und desinfizieren sowie Abstand halten und persönliche Kontakte generell strikt einschränken. Das sind die einfachsten Regeln im Umgang mit der Corona-Krise, doch im Klinikalltag gar nicht so leicht umzusetzen.

Essen in Schichten, einzeln und mit Abstand

 „Es erfordert Disziplin und Konzentration, wenn man zu zweit am Patienten arbeitet und zwangsläufig die Distanz weit unterschreitet, um später auf dem Flur wieder zwei Meter Abstand vom Kollegen zu halten“, erklärt ein Phytiotherapeut. Die Arbeit der Therapeutinnen und Therapeuten eng am Menschen werde aktuell in Dankesworten oft vergessen, fügt Klinik-Geschäftsführer George Schuster hinzu.

Schutzausrüstungen gibt es in vielen Kliniken zwar, aber nicht in so großer Zahl, dass sie generell eingesetzt werden können, ist zu hören. Obwohl die Zahl der Reha-Gäste absackt, steigt der Aufwand: Sie essen auf ihren Zimmern oder im Dreischicht-System im Speisesaal, einzeln und die Tische in vorgeschriebenem Abstand. Spuckschutz an den Ausgaben ist montiert. Signalklebestreifen auf dem Boden erinnern an die Distanz-Etikette in der Warteschlange.

Wachsame Hygienelotsen 

Hygienelotsen aus dem Personal erinnern daran, sich vor dem Essen die Hände zu desinfizieren. Gruppenräume stehen nicht mehr zur Verfügung. „Walking findet selbst draußen bei uns nicht mehr in Gruppen statt“, fügt Georg Schuster hinzu.

 In manchen Kliniken laufen bestimmte Gruppenangebote zwar noch, aber nur mit wenigen Personen in entsprechend großen Räumen. Patientinnen und Patienten ziehen im Wesentlichen mit, „aber Raucher sind ein geselliges Völkchen“, meint Schuster. Und so stehen draußen doch wieder welche in Trüppchen beisammen. 

Versuche, das Besuchsverbot zu umgehen

Vereinzelt habe es sogar Versuche gegeben, das überall geltende strenge Besuchsverbot zu umgehen, berichtet eine Krankenschwester aus einer anderen Klinik: „Das wurde aber rasch entdeckt und die Personen wurden hinaus gebracht.“ Einlasskontrollen für Personal und Reha-Gäste oder personalisierte Schlüsselkarten sind üblich.

Ein weiteres Phänomen: vermehrte Krankmeldungen. „Besonders Eltern von jüngeren Kindern reichen sie ein“, erklärt Schuster ohne Vorwurf: Was sollten gerade Alleinerziehende auch oftmals Anderes tun?

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