Tierhalter wollte Gefahr abwenden und muss jetzt mit Konsequenzen rechnen

Mann erschießt ausgebüxtes Rind - jetzt muss er mit Konsequenzen rechnen

Region Kassel: Mann erschießt ausgebüxtes Rind - Das hat Konsequenzen
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Landschaftspfleger: Georg Hermes mit einem schottischen Hochlandrind. Eine Artgenossin wollte sich nicht zur kleinen Herde dazu gesellen und büxte aus. 

Region Kassel: Ein Mann hat sein ausgebüxtes Rind erschossen. Nun muss er mit Konsequenzen rechnen. 

  • Rind in der Region Kassel ausgebüxt
  • Halter erschoss das Tier
  • Nun muss er mit Konsequenzen rechnen

Bad Wildungen - Ein Rind büxte aus einer Wiese im Wesetal in der Region Kassel aus und ließ sich auch nach mehreren Wochen nicht einfangen. Bei einer günstigen Gelegenheit griff ein Tierbesitzer aus der Haltergemeinschaft selbst zur Waffe und erschoss es. Jetzt muss er dafür mit Konsequenzen rechnen.

Region Kassel: Mann erschießt ausgebüxtes Rind

Georg Hermes ist gebürtiger Westfale. Er hat in Frebershausen (Bad Wildungen) im Landkreis Waldeck-Frankenberg ein Haus gebaut und Land erworben. „Zwei Bergweiden, vergessene Flecken, die niemals Gülle gesehen haben, aber einwachsen.“ Auf seinen Flächen sollten Highland Cattle, Schottische Hochlandrinder, für die Erhaltung dieser Bergweiden dienen. Im Frühjahr gründeten drei Interessierte eine Haltergesellschaft. Zwei Rinder wurden angeschafft.

Region Kassel: Tagsüber in den Wäldern, in der Dämmerung über Straßen

Dann sollte ein drittes Tier auf die 1,7 Hektar große Fläche gebracht werden. Aber kaum war die ein Jahr alte Marie in Freiheit entlassen, brach sie durch alle Zäune. Das war Mitte März. Hermes schildert, was dann geschah: „Das Tier ließ sich nicht mehr einfangen, vieles wurde versucht. Marie, wurde zur Gefahr, da sie sich Tags in die Wälder um Frebershausen zurückzog und mit der Dämmerung Straßen überquerte und den Verkehr gefährdete.“ Der Tierhalter sorgte sich um die Sicherheit der Verkehrsteilnehmer.

Schottische Hochlandrinder auf einer Weide bei Frebershausen.

Telefonisch nahm der Frebershäuser Kontakt mit der Polizei in Bad Wildungen  (Region Kassel) und dem Kreisveterinäramt auf, um eine Abschussgenehmigung zu erhalten. Hermes: „Ich habe die Jagdpächter und den Nationalpark persönlich oder telefonisch über die Situation unterrichtet, und sie gaben ihr Einverständnis.“

Region Kassel: In der Nähe einer Straße erschossen

Marie war weiter freiheitsliebend. Der Besitzer sah sie gelegentlich aus der Ferne, wenn er sich näherte, verschwand sie. Etwa sechs Wochen nach ihrem Ausbruch kam er einmal so dicht an sie heran, dass er die Gelegenheit nutzte und das Rind in der Nähe einer Straße erschoss. Jetzt muss Hermes mit Konsequenzen rechnen, denn der Jagdaufseher habe dies bei der Polizei gemeldet.

Region Kassel: Abschussbereich für Kugelschuss auf der Weide

Hermes sieht sich im Recht, weil er Gefahren abwenden wollte und zuvor Sachkunde erworben habe. Mit dem Kreisveterinäramt habe er vor längerer Zeit bereits das Vorhaben besprochen, auf einer Weide ein Areal mit Abschussbereich einzurichten. Bei extensiv gehaltenen Rindern dürfe dort der sogenannte Kugelschuss auf der Weide unter bestimmten Voraussetzungen angewendet werden. 

Die notwendige Sachkunde habe er in 2018 erworben, die Voraussetzungen dafür beschafft. Hermes: „Dieser Abschussbereich sollte exemplarisch für Rinderhalter in der Region gebaut werden. Das ganze Unterfangen ist aufwendig und dient hauptsächlich dem Tierwohlgedanken.“ 

Im Einzelfall und auf Antrag unter Aufsicht auf der Weide

Ein Polizeisprecher bestätigte gegenüber der WLZ die telefonische Nachfrage eines Mitglieds der Haltergemeinschaft bezüglich einer Abschussgenehmigung. Der Mann sei jedoch an den Landkreis als zuständige Behörde verwiesen worden.

„Die Erteilung einer Schießerlaubnis wird nach dem Waffengesetz durch die Waffenbehörde geprüft“, erläuterte Petra Frömel, Pressesprecherin beim Kreis Waldeck-Frankenberg (Region Kassel). Die Erlaubnis werde unter Auflagen erteilt, die sich auch aus dem Veterinärrecht ergeben. Daher arbeiten Waffenbehörde und Veterinäramt zusammen. 

Im Einzelfall dürften ganzjährig auf der Weide gehaltene Rinder, nach Antragstellung beim Veterinäramt von einem Jagdausübungsberechtigten mit Sachkundenachweis im Haltungsbetrieb (auf der Weide) geschlachtet werden, informiert Frömel. Betäubung und Entblutung müssten unter Aufsicht eines Amtstierarztes geschehen, weitere Schlachttätigkeiten in einer Metzgerei. 

Region Kassel: Jagdschein notwenig

„Unerlässlich hierbei ist das vorherige Sichten eines sicheren Schussbereiches auf der Weide des Haltungsbetriebes: einem begrenzten Bereich, der Nachschüsse möglich macht sowie den Kugelfang beinhaltet.“ 

Das Veterinäramt war über den geplanten Abschussbereich für einen „Kugelschuss auf der Weide, bei ganzjährig im Freien gehaltenen Rindern“ in Frebershausen informiert. 

Region Kassel:  Abnahme des Sachkundenachweises steht noch aus

Ein Mitglied habe den Jagdschein und zusätzlich in einem nach dem Tierschutzrecht geforderten Kurs die theoretische Sachkunde zur Abgabe des Kugelschusses für Rinder erworben. 

Damit seien aber noch nicht alle Voraussetzungen erfüllt. „Um den Sachkundenachweis zur Ausführung von „Kugelschüssen auf der Weide“ zu erhalten, ist auch eine praktische Abnahme der Sachkunde erforderlich“, stellt Frömel aus der Region Kassel klar. 

Region Kassel: "Jeder einzelne Schuss ist genehmigungspflichtig"

„Darüber hinaus ist jeder einzelne Schuss, der unter diesen Umständen getätigt werden soll, nach Jagd- und Tierschutzrecht genehmigungspflichtig.“

„Dem Mitglied der Haltergemeinschaft sei mitgeteilt worden, dass ein Abschuss des Rindes nicht möglich sei, solange nicht andere Möglichkeiten des Habhaftwerdens ausgeschöpft seien. Erste Option sei das Anfüttern.“ Wenn Kontakt zu Menschen schwierig sei, werde versucht, Kontakt mit Artgenossen zu schaffen. 

Region Kassel: Rind hätte betäubt werden müssen

Das Rind hätte laut Frömel auch „mit einem Betäubungsgewehr von einem sachkundigen Tierarzt betäubt und nachfolgend in Obhut genommen werden können“. 

Derzeit wird das Verfahren bei der Waffenbehörde geprüft. Sollten sich Straftatbestände ergeben, kann ein Ermittlungsverfahren eingeleitet werden, erläutert ein Polizeisprecher das weitere Vorgehen.

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